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Tommy Haas stand 2002 auf Position 2 der Weltrangliste © getty

Nach 14 Monaten Leidenszeit kehrt Tommy Haas bei den BMW Open in München auf den Tennisplatz zurück. Er träumt von Paris.

München - Die Kampfansage legte Tommy Haas bereits vor Wochen seiner fünf Monate alten Tochter in den Mund.

"Ich muss euch Leuten unbedingt erzählen, dass mein Dad unglaublich hart an seinem Comeback arbeitet. Er hat mir erzählt, dass er denkt, er sei schon ganz nah dran", "schrieb" die kleine Valentina Mitte März auf der Homepage ihres Vaters.

Sie sollte Recht behalten: Nach 14 Monaten Verletzungspause hat die Leidenszeit des 33-Jährigen endlich ein Ende.

Bei den BMW Open in München (ab 14.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) kehrt Haas am Dienstag auf den Court zurück.

Skepsis bleibt

"Ich habe noch Ziele, bin nach wie vor ehrgeizig. Als Sportler und Einzelkämpfer will man es sich immer wieder beweisen, ob man noch eine Chance hat, gut zu spielen", erklärte Haas am Ostermontag die Motive seiner Rückkehr.

Zugleich räumte aber ein: "Es dauert, bis man da ist, wo man hin möchte. Vielleicht erreiche ich auch nie wieder das Niveau von früher." Zwar verlerne man Tennis nicht, es gehe aber darum, ob der Körper das noch mitmache.

Langes Martyrium hinter sich

Ob sein Körper die Anstrengungen tatsächlich noch mitmacht, ist nach wie vor das größte Fragezeichen hinter dem Comeback des Wahl-Amerikaners.

Mit zu vielen Blessuren musste er sich in der Vergangenheit herumplagen, seine Krankenakte liest sich wie eine Horror-Geschichte: Drei Schulteroperationen, Bänderisse, Entzündungen oder Lebensmittelvergiftungen - Haas ließ kaum eine Verletzung aus.

Den jüngsten Tiefpunkt erlebte er im Februar 2010, als ihn eine Operation an der rechten Hüfte für die kommenden 14 Monate außer Gefecht setzte.

[kaltura id="0_ldx85pzn" class="full_size" title="Erst fit werden dann Paris"]

"Schwerstes Comeback"

Nicht umsonst spricht Haas vom "schwersten Comeback" seiner Laufbahn. Die mentale Belastung sei enorm, auch wenn er ja bereits Erfahrung im Umgang mit Verletzungen gesammelt hätte.

"Es ist nie einfach, wenn man weiß, dass Schmerzen auftauchen, die nie richtig weg gehen", sagte Haas, dessen Sicht auf den Sport durch die Geburt seiner Tochter verändert hat.

"Es gibt ein Leben neben dem Tennis, und da könnte es im Moment nicht besser laufen."

French Open und Wimbledon im Visier

Doch auch auf dem Platz soll es wieder bergauf gehen. In München tritt Haas im Doppel mit seinem Freund und Nachbarn Radek Stepanek an.

Für den Einzelwettbewerb sei er noch nicht weit genug gewesen, dennoch wolle er künftig auch hier wieder wieder angreifen.

Beim Rasenturnier in Halle, Wimbledon und den French Open - Haas brennt auf seine Rückkehr auf die Tennis-Weltbühne. "Vielleicht sind die French Open drin", zeigt er sich im SPORT1-Interview optimistisch.

Kühnen hält Davis-Cup-Tür offen

Eine Entwicklung, die auch Turnierdirektor und Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen mit Wohlwollen aufgenommen hat.

"Ich freue mich sehr, dass er bei uns sein Comeback gibt und bewundere seinen Mut und seine Entschlossenheit. Das zeigt, welche Leidenschaft er für das Tennis pflegt", sagte der 45-Jährige und stellte ihm sogar die Rückkehr ins Davis-Cup-Team in Aussicht.

"Tommy in sehr guter Form ist für unser Davis-Cup-Team immer eine Option. Er hat im Davis Cup wichtige Punkte geholt. Er wäre ein Gewinn für die Mannschaft", sagte Kühnen. Haas größtes Ziel ist jedoch weitaus bescheidener.

"Ich würde mich freuen, wenn meine Tochter ihren Vater in zwei Jahren auf der Tour nochmals spielen sieht - und nicht nur Just for Fun."

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