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Florian Mayer stand 2004 im Viertelfinale von Wimbledon © getty

Bei SPORT1 spricht Deutschlands aktuelle Nummer eins über seinen zweiten Frühling, seinen Absturz und seine aktuellen Ziele.

Von Jakob Gajdzik

München - Er schien schon wie ein neuer Stern am deutschen Tennis-Himmel.

Mit gerade einmal 20 Jahren stand Florian Mayer bereits im Viertelfinale von Wimbledon und sprang auf Platz 33 in der ATP-Weltrangliste.

Der Bayreuther unterlag zwar dem Franzosen Sebastien Grosjean mit 5:7, 4:6, 2:6, hatte zu dieser Zeit jedoch schon längst den Namen "German Wunderkind" inne.

Eine Bestätigung der Leistungen folgte jedoch nicht, höher als auf den 33. Platz sollte Mayer nicht klettern. Ganz im Gegenteil.

Im Mai 2008 machte der mittlerweile 27-Jährige nach einer Operation am linken Zeigefinger eine Pause, die er auf sieben Monate ausdehnte. Die Folge: Im Januar 2009 fand sich das ehemalige "Wunderkind" nur noch auf Rang 450 wieder.

Doch Mayer schaffte den Sprung zurück. Mit Rang 21 bekleidet er aktuell die stärkste Platzierung seiner Karriere.

In diesem Jahr überzeugte er mit starken Leistungen, spielte sich bei den ATP-Turnieren in Zagreb und Sydney bis ins Halbfinale vor und scheiterte bei der BMW Open in München erst im Finale.

Im SPORT1-Interview spricht Mayer über seinen Absturz, die Gründe für sein starkes Comeback und seine Chancen bei den bevorstehenden French Open (So., ab 12 Uhr im LIVE-Ticker).

SPORT1: Herr Mayer, Sie erleben gerade ihren zweiten Tennis-Frühling, stehen momentan mit Rang 21 in der Weltrangliste auf dem besten Platz ihrer Karriere. Dabei gleicht ihre Karriere mit Rang 33 im Jahr 2004 und Rang 450 im Januar 2009 einer Achterbahnfahrt. Was sind die Gründe für das jetzige Hoch?

Florian Mayer: Ich bin reifer und erwachsener geworden und weiß inzwischen, was alles dazu gehört, Tennis-Profi zu sein. Das richtige Training, die richtige Einstellung ist wichtig. Das habe ich in den vergangenen Jahren gelernt. Ich hatte viele Tiefs und musste durch viele Täler gehen, doch jetzt zahlt sich die harte Arbeit der vergangenen zwei Jahre aus. Ich bin inzwischen auf einem sehr guten Weg.

SPORT1: Woran haben sie konkret gearbeitet?

Mayer: Früher wollte ich nicht unbedingt in der Öffentlichkeit stehen, das war mir unangenehm. Ich war erst 21 Jahre alt, da kamen die ganzen Erfolge urplötzlich. Damit bin ich nicht zurechtgekommen. Ich habe eine lange Zeit gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, aber inzwischen genieße ich das total und will noch weiter in der Weltrangliste kommen. Auch mein Umfeld stimmt, ich habe einen tollen Trainer und fühle mich insgesamt total wohl.

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SPORT1: Den Aufstieg 2004 würden sie also im Nachhinein mehr als Fluch denn als Segen sehen?

Mayer: Im Nachhinein kann man sagen, dass der Aufstieg damals zu früh und zu schnell kam.

SPORT1: Befürchtungen, dass es wie damals schnell wieder bergab gehen könnte, haben Sie diesmal nicht?

Mayer: Nein, auf keinen Fall, auch wenn man im Sport nichts ausschließen kann. Ich habe mir bewusst eine Auszeit genommen, um mir über einige Dinge klar zu werden und bin heute auch als Mensch viel gefestigter. Dass es nochmal so weit nach unten geht, halte ich für ausgeschlossen.

SPORT1: Sind dann die Top Ten das nächste Ziel?

Mayer: Nein, man muss die Kirche im Dorf lassen. Ich wollte in diesem Jahr unter die Top 30, das habe ich bereits erreicht. Die nächste Schallmauer sind jetzt erst einmal die Top 20. Das ist für dieses Jahr ein realistisches Ziel.

SPORT1: Beim Turnier in Rom haben sie sich zuletzt mit Andy Murray bereits mit einem Top-Star messen können. Nach einem starken 6:1 im ersten Satz gingen jedoch die anderen beiden Sätze mit jeweils 1:6 verloren. Was fehlt ihnen noch nach ganz oben?

Mayer: Es fehlt ganz sicher noch die Konstanz und auch etwas die Fitness. Jedoch darf man auch nicht vergessen, dass ich davor elf Matches in 17 Tagen gespielt habe. Dementsprechend war ich auch ein wenig ausgelaugt. Murray hat das dann clever gemacht, hat sich auf mein Spiel besser eingestellt und ich bin dann auch leider weggebrochen.

SPORT1: Im deutschen Herren-Tennis sind sie momentan die Nummer eins. Hat das für Sie eine persönliche Bedeutung?

Mayer: Sicher ich es auch mal schön bester Deutscher zu sein. Aber ich schaue hauptsächlich nur auf mich selbst und da will ich im internationalen Vergleich und in der Weltrangliste so weit nach oben kommen, wie nur möglich. Ob ich dann in Deutschland die Nummer eins, zwei oder drei bin, ist für mich nebensächlich.

SPORT1: Generell ist im deutschen Tennis eine Tendenz nach oben zu erkennen. Die deutschen Damen um Julia Görges und Andrea Petkovic befinden sich im Aufwind und auch die DTB-Herren sind in den Top 100 stark vertreten. Erleben wir nach der erfolgreichen Zeit mit Boris Becker, Michael Stich und Steffi Graf eine neue deutsche Welle?

Mayer: Das wäre eine tolle Sache. Es ist sehr schwer an die Erfolge dieser drei anzuknüpfen, aber der Anfang ist gemacht. Die Damen haben es mit ihren Ergebnissen vorgemacht und wir haben nachgezogen. Wir hoffen alle, dass in Deutschland wieder eine kleine Tennis-Euphorie ausbricht. Wir haben im Davis Cup-Viertelfinale ein Heimspiel, wenn wir das gewinnen, könnte wieder ein kleiner Tennis-Boom entstehen.

SPORT1: Nach Ihnen folgen im Herren-Tennis Phillip Petzschner und Philipp Kohlschreiber. Sind sie die drei Hoffnungsträger?

Mayer: Zurzeit sind wir die drei, die in Deutschland das beste Tennis spielen. Das zeigen alleine die Ergebnisse.

SPORT1: Nun geht es zu den French Open. Bisher stehen auf Sand drei Finals in ihrer Vita, in Paris lief es für Sie jedoch bisher nicht so gut. Wie sind ihre Aussichten?

Mayer: Ich bin das erste Mal in meiner Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier gesetzt, gehe also in den ersten beiden Runden den besten 30 Spielern aus dem Weg. Da hoffe ich natürlich auf eine gute Auslosung. Jedoch gibt es auch immer Geheimtipps und schwere Gegner. In meiner jetzigen Form ist mein Ziel jedoch ganz klar, die ersten beiden Runden zu überstehen und wenn möglich auch in die zweite Woche zu kommen. Erst einmal lautet das Ziel Achtelfinale.

SPORT1: In Paris ist Novak Djokovic der Top-Favorit. Ihm gelangen zuletzt 37 Siege am Stück. Ist er zur Zeit unschlagbar?

Mayer: Danach schaut es momentan aus. Ich bin gespannt, wie lang seine Serie noch anhält. Man darf aber in Paris auch Rafael Nadal nicht vergessen. Ich denke die beiden werden erneut das Finale unter sich ausmachen. Die Chancen stehen 50:50, aber ich glaube diesmal wird Nadal am Ende der Sieger sein.

SPORT1: Zuletzt gaben Sie wegen Müdigkeit auf, auch beim World Team Cup in Düsseldorf bekamen Sie eine Pause. Investieren Sie zu viel in Ihr Spiel?

Mayer: Ich hatte in diesem Jahr viele und schwere Matches, das darf man nicht vergessen. Irgendwann ist der Akku leer. Mit Philipp Petzschner haben wir einen sehr guten Einzelspieler, von daher war es genau die richtige Entscheidung mir nun in Düsseldorf eine Pause zu gönnen. Auch im Hinblick auf die French Open. Es hätte keinen Sinn gemacht, in Paris völlig ausgepumpt anzukommen. Natürlich hätte ich hier auch gerne gespielt, aber das macht nur Sinn, wenn ich zu hundert Prozent fit bin. Da wir auch zwei andere sehr gute Spieler haben, kann ich problemlos auch mal ein Match aussetzen.

SPORT1: Nach dem bisher so erfolgreichen Jahr 2011. Was sind die weiteren Ziele? Vielleicht auch mal ein Grand-Slam-Sieg?

Mayer: Das ist noch ein bisschen weit hin. Ein erster Grand-Prix-Sieg wäre zunächst einmal schön.

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