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Petzschner verlor sein erstes ATP-Finale im Oktober 2008 in Wien gegen Monfils © getty

Unwürdiges Ende des deutschen Finales in Halle: Petzschners Muskulatur "macht zu", Kohlschreiber vermisst das echte Siegergefühl.

Halle/Westfalen - Es sollte ein Tag werden, "um das Tennis in Deutschland zu feiern". Doch das historische deutsche Finale im westfälischen Halle endete unwürdig.

Philipp Petzschner gab die Begegnung mit Philipp Kohlschreiber beim Stand von 6:7 (5:7), 0:2 wegen einer Rückenverletzung auf. (Jetzt mitspielen und 5.000 Euro gewinnen: Der SPORT1 Tipp-König)

Kurz vor dem Grand-Slam-Turnier in Wimbledon (20. Juni bis 3. Juli) feierte der Augsburger Kohlschreiber durch den Abbruchsieg seinen dritten Erfolg auf der ATP-Tour nach München (2007) und Auckland (2008).

Das Spiel der Davis-Cup-Kollegen war das erste rein deutsche Endspiel auf deutschem Boden seit Beginn der Open Era (1968) und die erste Final-Begegnung zweier Profis des Deutschen Tennis Bundes (DTB) nach 2004. Damals hatte Tommy Haas in Los Angeles Nicolas Kiefer bezwungen.

Der Muskel macht zu

So richtig freuen konnte sich Kohlschreiber über seinen Erfolg in Halle dann auch nicht. "Irgendwie fühlt sich das nicht wie ein Turniersieg an", sagte der 27 Jahre alte Augsburger und fügte hinzu: "Es ist verdammt schade. Wir haben uns im ersten Satz tapfer duelliert, nun ist es total komisch."

Der Bayreuther Petzschner, der nach seinem Wimbledonsieg im Doppel im vergangenen Jahr seine gute Verfassung auf Rasen bestätigt hatte und nach dem Turniersieg in Wien vor drei Jahren wieder in einem Endspiel der ATP-Tour stand, war völlig niedergeschlagen:

"Bei 5:5 im ersten Satz habe ich mir etwas im unterem Rücken verrissen. Danach hat der Muskel immer mehr zugemacht." (DATENCENTER: ATP-Turnier in Halle)

Keine Sorgen um Wimbledon-Start

In der schmerzhaften Niederlage blieb der 27-Jährige allerdings fair: "Die Verletzung soll Philipps Sieg nicht schmälern. Er hat ein riesen Turnier gespielt."

Um seine Wimbledon-Teilnahme macht sich Petzschner keine Sorgen. "Ich muss die Blockade in der Brustwirbelsäule lösen. Das wird einige Tage dauern, aber ich denke, es ist nur etwas muskuläres", sagte er nach der ersten Behandlung beim Physiotherapeuten.

[kaltura id="0_xkd0peay" class="full_size" title="Kohlschreiber Es ist berw ltigend "]

Nervosität auf beiden Seiten

Bis zum Abbruch zu Beginn des zweiten Durchgangs sahen die Zuschauer bei den mit 750.000 Euro dotierten Gerry Weber Open ein Finale auf schwachem Niveau.

Den beiden Teamweltmeistern war die Nervosität anzumerken. "Allein die Atmosphäre macht die schon nervös", sagte Petzschner vor dem Match.

Die historische Dimension des deutschen Duells schien die Akteure noch stärker zu lähmen.

Zuschauer ruft: "Aufwachen!"

Nach den beeindruckenden Vorstellungen im Halbfinale, als Petzschner die Nummer sieben der Weltrangliste Tomas Berdych (Tschechien) und Kohlschreiber den Weltranglistenachten Gel Monfils (Frankreich) geschlagen hatten, fanden sie kaum ins Spiel.

"Aufwachen", rief ein ungeduldiger Zuschauer nach einem weiteren leichten Fehler.

Erst beim Stand von 5:5 zeigte Kohlschreiber die Qualitäten beim Return, die ihn zum zweiten Mal seit 2008 - damals hatte er gegen Rekord-Grand-Slam-Sieger Roger Federer (Schweiz) verloren - ins Endspiel von Halle gebracht hatten.

Petzschner baut "Kohli" auf

Den einzigen Breakball im ersten Satz wehrte Petzschner allerdings ab. Im Tie-Break ging der Doppel-Wimbledonsieger 4:2 in Führung, gab den Vorteil aber durch vermeidbare Fehler mit der Rückhand ab und baute Kohlschreiber auf.

Für die Zuschauer in Halle war das kurze Finale allerdings eine weitere große Enttäuschung, nachdem Aushängeschild Federer abgesagt hatte und Publikumsliebling Haas bereits in Runde eins ausgeschieden war.

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