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Philipp Kohlschreiber spielte im Jahr 2001 seine erste Profisaison © getty

Die Protagonisten von Halle fahren nach dem ersten deutschen Finale seit sieben Jahren mit gemischten Gefühlen nach Wimbledon.

Halle/Westfalen - Philipp Kohlschreiber feierte seinen Sieg mit einer Magnum-Flasche Champagner, Philipp Petzschner ging es nach seiner verletzungsbedingten Niederlage "einfach nur beschissen".

Die Gemütslagen der beiden Tennisprofis konnten nach dem zweiten deutschen Endspiel auf heimischem Boden seit Beginn der Open Era (1968) nicht unterschiedlicher sein.

Dennoch hat der Finaleinzug der Davis-Cup-Kollegen beim Rasenturnier im westfälischen Halle Begeisterung ausgelöst, die jedoch beim Saisonhighlight in Wimbledon (20. Juni bis 3. Juli) auf dem Prüfstand steht.

"Das ist ein ganz anderes Turnier", sagte Kohlschreiber bereits unmittelbar nach seinem dritten Erfolg auf der ATP-Tour (DATENCENTER: ATP-Turnier in Halle).

Der Abbruchsieg gegen Petzschner bescherte ihm "die schönste Woche des Jahres. Innerlich strahle ich noch mehr, als mein Gesicht es wiedergeben kann."

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Andere Kaliber warten

Von einem Boom im deutschen Tennis wollte der 27-Jährige allerdings nicht sprechen. Kohlschreiber weiß, dass seine starke Woche bei den Gerry Weber Open erst in Wimbledon veredelt werden kann.

"Ich weiß, dass da andere Kaliber warten. Mit Federer, Nadal und ein paar anderen gibt es fünf oder sechs Spieler, die mehr Potenzial haben. Das muss man neidlos anerkennen", erklärte "Kohli" seine Zurückhaltung: "Ich muss auf dem Boden bleiben."

Ungesetzt in London

Halle gilt zwar neben dem Turnier in Queens als wichtigste Standortbestimmung vor Wimbledon, dennoch ist der Sieger nicht automatisch dem Favoritenkreis zuzuordnen.

Kohlschreiber hat sich in der Weltrangliste um neun Plätze verbessert, steht aber nur auf Rang 40 und bleibt deswegen ungesetzt. Die Auslosung könnte ihm bereits in den ersten Runden schwere Gegner bescheren.

Genuss geht vor

Daran will er allerdings noch nicht denken. "Ich genieße diesen Sieg, wie ich jeden Sieg in dieser Woche genossen habe", sagte "Kohli", der "Energie und Spielwitz" nach London mitnehmen will.

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Der Erfolg im Halbfinale über den Weltranglistenachten Gael Monfils gibt ihm dabei Selbstvertrauen: "Da habe ich den Slice sehr gut eingesetzt, den Weg ans Netz gesucht und in den richtigen Momenten die richtigen Entscheidungen getroffen."

Petzschners schmerzhafteste Aufgabe

Dass Philipp Petzschner in der Lage ist, Topspieler zu schlagen, steht nicht erst seit seinem Erfolg gegen den Wimbledon-Vorjahresfinalisten Tomas Berdych aus Tschechien fest. Doch immer wieder machen Verletzungen dem begabten Rasenspieler das Leben schwer.

Im Gerry Weber Stadion ereilte ihn die wohl schmerzhafteste Aufgabe seiner bisherigen Karriere. "Egal, wie das Finale läuft, ich wollte stolz auf diese Woche sein. Das wurde mir jäh kaputt gemacht", sagte der Bayreuther enttäuscht.

Nur die Planung ist perfekt

Mit tief ins Gesicht gezogener Mütze und brüchiger Stimme gab der 27-Jährige Einblick in seine Gefühlswelt: "Ich hatte alles perfekt geplant, wollte ein bisschen Formel 1 und Basketball gucken und am Montag noch eine Runde Golfen gehen."

Stattdessen packte er seinen Pokal, holte die 60.400 Euro Preisgeld ab und machte sich auf den Weg ins heimische Pulheim.

Rückkehr an den Ort des größten Triumphes

Nun hofft "Petzsche", die Enttäuschung in Kraft für Wimbledon kanalisieren zu können.

Als amtierender Champion im Doppel kehrt er an den Ort seines größten Triumphes zurück.

Die Muskelverletzung am Rücken sollte ihn bis zum Turnierstart nicht mehr behindern: "Da mache ich mir keine Sorgen. Die Blockade muss sich lösen - das dauert ein paar Tage. Deshalb werde ich ein bisschen entspannen."

Länger wird es dauern, bis er die Ereignisse im ersten deutschen Finale seit sieben Jahren verdaut hat. Für Petzschner war alles "unbeschreiblich bitter". Kohlschreiber feierte den Sieg "zum allerbesten Zeitpunkt". In einer Woche werden sich beide im Londoner Bezirk SW19 wiedersehen.

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