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Philipp Kohlschreiber steht auf Platz 44 der Weltrangliste © getty

Nach nur neun Monaten trennt sich Philipp Kohlschreiber wieder von seinem Trainer und ist weiter auf der Suche nach seiner Form.

Hamburg - Philipp Kohlschreiber leidet. Es ist ihm deutlich anzusehen.

Der Augsburger Tennisprofi hadert mit sich, seinem Schicksal und den vergeudeten Tagen auf der Tennis-Tour, an denen er immer wieder zurückgeworfen wurde.

Weit zurück hinter sein großes Ziel, einmal zur Tennis-Weltspitze zu gehören. Wenige Tage vor Beginn der German Open in Hamburg (ab Montag LIVE im TV auf SPORT1) ist Kohlschreiber wieder einmal so weit:

Die deutsche Nummer zwei muss sich eingestehen, dass auch der jüngste Anlauf vorerst gescheitert ist.

Trennung nach nur neun Monaten

Nach seinem Erstrundenaus in Wimbledon hatte sich Kohlschreiber von seinem Trainer Miles Maclagan getrennt.

Ein normaler Vorgang im schnelllebigen Tennis-Geschäft, doch für den 27 Jahre alten Rechtshänder eine Art Bankrotterklärung. Wollte er vor neun Monaten mit dem britischen Coach endlich die Top 20 der Welt stürmen, klingt Kohlschreiber heute verbittert.

"Ich weiß, dass die Zeit im Tennis viel zu knapp ist und ich nicht experimentieren kann", sagt er offen und erklärt sein abruptes Fazit: "Ich kam in den letzten Monaten spielerisch nicht mehr auf einen grünen Zweig. Und da ich mich nicht selbst auswechseln kann, musste ich meinen Trainer auswechseln."

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"Ratlosigkeit" trotz Turniersieg

Mit seiner spielerischen Krise geht Kohlschreiber schon seit langem offensiv um. "Ratlosigkeit" hat er sich selbst bescheinigt, auch während des Rasenturniers in Halle, bei dem ihm endlich wieder ein Turniersieg geglückt war.

In Ostwestfalen schien es allerdings manchmal so, als wüsste er selbst nicht, warum die Leichtigkeit so plötzlich zurückgekehrt war. Nur wenige Tage später, beim wichtigsten Turnier des Jahres in Wimbledon, war sie daher auch wieder passe.

"Ich habe es nicht geschafft, Spannung und Spaß zu transportieren", sagt Kohlschreiber, der mittlerweile auf Platz 44 der Weltrangliste geführt wird, ohne jemandem außer sich selbst die Schuld dafür zu geben.

"Lief alleine auch sehr gut"

In Halle war Maclagan zwar nicht dabei - "und es lief alleine auch sehr gut", wie Kohlschreiber heute sagt - doch an der Beziehung zum Coach liegt das unergründliche Formtief nicht.

"Er hat mir viel mitgegeben. Ich konnte es nur nicht in den Matches umsetzen", meint Kohlschreiber.

Das Verhältnis zu Maclagan sei freundschaftlich gewesen, doch irgendwie scheint das dem sensiblen Profi nicht auszureichen.

"Die Trainersuche ist eine sehr persönliche Sache. Das muss eins zu eins passen, weil es eine sehr emotionale Beziehung ist. Ich muss mit meinem Trainer auch ins Kino oder Essen gehen können", sagt Kohlschreiber.

Maclagan mit Murray erfolgreich

Maclagan gilt als internationaler Fachmann, der in einem großen Team bereits den Schotten Andy Murray unter die Top fünf der Weltrangliste geführt hatte. Darum hatte ihn Kohlschreiber nach Jahren an der Oberhachinger Tennis-Base auch verpflichtet.

"Vielleicht haben wir ein wenig aneinander vorbei geredet", sagt er heute, hofft aber, dass der Aufschwung doch noch kommt: "Vielleicht kann ich rückblickend sagen, dass ich durch Miles einiges auf dem Platz verbessern konnte."

Der Traum von Hamburg

Jetzt will Kohlschreiber erst einmal alleine trainieren und sich sammeln. "Ich bin ja schon lange auf der Tour und habe viel gelernt, was ich im Training brauche, um gut zu spielen", sagt er. Er hört sich dabei nicht gerade überzeugend an.

Wenig selbstbewusst, eher traumwandlerisch ist auch sein Blick in die Zukunft: "Am zweiten Wochenende in Hamburg noch dabei zu sein, wäre traumhaft. Ich muss aber zugeben: Das würde alle überraschen."

Ihn selbst derzeit wohl am meisten.

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