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Ivan Lendl gewann in seiner 16-jährigen Laufbahn 94 Einzelturniere auf der ATP-Tour © imago

Der Schotte engagiert Lendl als neuen Trainer und will endlich einen Grand-Slam-Sieg. Murray erhofft sich "frische Eindrücke".

München - Die ersten Mutmaßungen gab es schon im vergangenen Frühjahr, aber es hat dann offensichtlich doch noch eine Weile gedauert, ehe Andy Murray und Ivan Lendl zueinander fanden.

Am letzten Tag des altes Jahres bestätigten der Schotte, der so gerne mal in Wimbledon gewinnen würde, und der gebürtige Tscheche, der so gerne mal in Wimbledon gewonnen hätte, dass sie es miteinander versuchen wollen.

Lendl, der Weltstar aus den 80er und 90er Jahren, wird der neue Coach von Murray, der immerhin die Nummer vier der Welt ist, aber eines noch nicht hat: einen Grand-Slam-Titel. (NEWS: Alles zum Tennis)

Lendl mit "frischen Eindrücken"

Es sei wichtig für ihn gewesen, dass jeder, der neu in sein Team komme, "frische Einblicke mitbringt", teilte Murray mit.

Murray ist nun seit sechs Jahren Profi, er hat 21 Turniere gewonnen, war auch schon mal Zweiter auf der Weltrangliste, doch er hat das große Pech, dass da Roger Federer, Rafael Nadal und seit dem vergangenen Jahr auch noch Novak Djokovic den Sport dominieren - und damit auch die Grand Slams.

Immerhin dreimal hat Murray schon im Endspiel eines dieser großen vier Turniere gestanden, dreimal hat er verloren, dreimal glatt in drei Sätzen.

Erfahrung und Wissen

Da tut frischer Wind wohl gut. Nun lässt sich Murray auf einen Mann ein, der keine Erfahrung als Coach mitbringt, aber als Spieler so ziemlich alles mitgemacht hat.

"Ivans Einfluss auf das Spiel steht außer Frage", betont Murray, er bringe Erfahrung und Wissen mit, wie es "wenige andere haben, vor allem bei den großen Turnieren".

Lendl selbst scheiterte viermal in einem Grand-Slam-Finale, ehe er schließlich 1984 die French Open gegen John McEnroe gewann - nach einem 0:2-Satzrückstand.

Wenn Lendl zwei Dinge weiß, dann diese: Dass man hart arbeiten muss, um Erfolg zu haben. Und dass jedes noch so kleine Detail wichtig sein kann.

Erster Versuch bereits im März

Ende März 2011 hatte Lendl, Gewinner von acht Grand-Slam-Titeln und bei 86 weiteren Turnieren, schon mal wissen lassen, dass er dem Team von Murray gerne angehören würde.

Da war der Schotte gerade seiner dreijährigen Zusammenarbeit auf Teilzeitbasis mit dem Spanier Alex Corretja überdrüssig geworden.

Doch der 24 Jahre alte Murray versuchte es seitdem erst mal mit Mutter Judy und Kumpel Dani Vallverdu, ehe er und Lendl in den vergangenen zwei Wochen bei einigen Treffen in Miami eine Zusammenarbeit bei den vier Grand Slams und den meisten Turnieren der Masters-Serie vereinbarten.

270 Wochen an der Spitze

Lendl, mittlerweile 51 Jahre alt, hat nie Wimbledon gewonnen - er verlor seine beiden Endspiele dort gegen Boris Becker (1986) und Pat Cash (1987), und deswegen gilt er bisweilen auch als unvollendet.

Er war allerdings dank seines Perfektionismus und seiner Beharrlichkeit auch 270 Wochen lang die Nummer eins der Welt.

Und sein ehemaliger Coach Tony Roche sagte am Sonntag: "Das ist ein außergewöhnlich guter Schachzug von Andy. Jeder, der Ivan kennt, weiß, was er Andy bringen wird. Andy ist auf Gold gestoßen. Ivan eröffnet ihm eine andere Dimension", sagte der 66 Jahre Australier.

Nach fast 15 Jahren Arbeit an seinem Golfschwung hatte sich Lendl im Vergangenen Jahr über die Senioren-Tour wieder an die Szene herangetastet, der er so lange konsequent den Rücken zugewandt hatte.

Start in Brisbane

Die Zusammenarbeit mit Murray beginnt beim Turnier in Brisbane. Erster Gegner ist der Kasache Michail Kukuschkin.

"Er ist ein einzigartiges Talent", sagte Lendl über Murray, "und ich freue mich darauf ihm zu helfen, dass er seine Ziele erreicht." Das wird er, glaubt Roche: "Ich habe keine Zweifel, dass Ivan ein hervorragender und erfolgreicher Coach sein wird."

Ab 16. Januar wird's zum ersten Mal ernst für Lendl und Murray: Dann beginnen die Australian Open in Melbourne, bei denen Murray in den vergangenen Jahren jeweils das Endspiel erreicht hat. Mehr aber nicht.

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