Aus gegen Qualifikanten: Haas verpasst Viertelfinale
Stuttgart - In einem mobilen Windkanal war der wiedererstarkte Tommy Haas Anfang der Woche zu Werbezwecken noch abgehoben. Den Rückenwind konnte der 34-Jährige nicht mitnehmen und erlebte im Achtelfinale des ATP-Turniers in Stuttgart eine bittere Bruchlandung.
Der Halle-Sieger verlor bei seinem ersten Start in der Schwabenmetropole seit zwölf Jahren gegen den Qualifikanten Pavol Cervenak (Slowakei) mit 4:6, 4:6 und verpasste ein Viertelfinal-Duell mit Juan Monaco. ( Ergebnisse)
Stebe im Viertelfinale
Für Haas sprang Lokalmatador Cedrik-Marcel Stebe in die Bresche, der als dritter deutscher Profi den Sprung ins Viertelfinale schaffte.
Der 21-jährige Linkshänder aus Vaihingen/Enz bezwang nach der Abwehr eines Matchballs im Tiebreak des zweiten Satzes den einstigen Stuttgart-Gewinner Jeremy Chardy aus Frankreich mit 4:6, 7:6 (10:8), 6:3.
Der Weltranglisten-82. Stebe trifft in der Runde der letzten acht am Freitag auf Thomaz Bellucci (Brasilien). Tobias Kamke aus Lübeck schied mit 2:6, 3:6 gegen Juan Monaco (Argentinien/Nr. 2) aus.
"Schlechter, schlechter Tag"
Der Höhenflug von Stebe wurde aber vom Ausscheiden Tommy Haas' überschattet:
"Das war ein schlechter, schlechter Tag für mich. Das ist nervig. Ich habe schlecht aufgeschlagen und nicht wirklich die wichtigen Punkte gewonnen", sagte Haas, dem bei nass-kalten Bedingungen sieben Doppelfehler unterliefen.
Aus Frust über seine schwache Leistung gegen den im Ranking 154 Plätze tiefer rangierenden Cervenak schmiss Haas sogar seinen Schläger in den roten Sand.
Phau und Brown weiter
Bereits am Mittwoch hatten es Björn Phau (Darmstadt) und Dustin Brown (Winsen/Aller) besser gemacht und die Runde der letzten Acht beim mit 358.425 Euro dotierten Turnier auf dem Weissenhof erreicht.
Eine Breakchance reicht
Allein im ersten Durchgang konnte Haas sieben Breakchancen nicht nutzen, während seinem Kontrahenten eine einzige zum Gewinn des Satzes reichte.
Der in Köln lebende und vom einstigen Davis-Cup-Spieler Marc-Kevin Göllner trainierte Cervenak, die Nummer 206 des Rankings, nagelte den früheren Weltranglisten-Zweiten immer wieder erfolgreich auf der Rückhand fest.
Haas hadert
Nachdem er beim Stand von 4:5 im ersten Satz gleich zwei Breakbälle verschlug, haderte Haas lautstark mit sich.
Auch im zweiten Durchgang lag der Favorit, der vor knapp vier Wochen überraschend das Rasenturnier in Halle/Westfalen gewonnen hatte und nächste Woche in Hamburg startet, schnell mit 1:3 im Hintertreffen und lief im gesamten Match einem Rückstand hinterher.
Haas: "Am liebsten wäre ich nach dem Spiel wieder in den Windkanal rein, um ganz schnell von der Anlage wegzufliegen."
Stich einziger Gewinner
Dabei hatte Haas, der wegen diverser Verletzungspausen vor 13 Monaten nur noch die Nummer 896 des Rankings war, in Stuttgart eigentlich noch etwas gut zu machen. 1999 führte er im Best-of-five-Finale gegen Magnus Norman (Schweden) schon mit 2: 0-Sätzen und 5:4 bei eigenem Aufschlag - und verlor.
Ein Erlebnis, das ihn bis heute wurmt. "Norman hat den Sieg voll ausgekostet und ist beim nächsten Turnier gleich mit dem Gewinnerauto vorgefahren", berichtete der Weltranglisten-52. Haas, auf den bei einem Turniersieg neben einem Preisgeld (64.700 Euro) ein diamantweißer Roadster gewartet hätte.
Einziger deutscher Gewinner auf dem Weissenhof war 1991 Michael Stich.
Aus für Tomic
Überraschend ausgeschieden ist im Achtelfinale auch der an Nummer drei gesetzte "Lokalmatador" Bernard Tomic. Der in Stuttgart geborene Australier, der im Alter von dreieinhalb Jahren mit seinen kroatischen Eltern die Schwabenmetropole verlassen hatte, verlor mit 6:7 (6:8), 3:6 gegen Thomaz Bellucci aus Brasilien.
Der mit einer Wildcard ins Hauptfeld gerutschte Publikumsliebling Dustin Brown, Nummer 150 der Weltrangliste, trifft am Freitag auf Guillermo Garcia-Lopez aus Spanien.
Der Darmstädter Phau bekommt es im Kampf um den Einzug ins Halbfinale mit dem topgesetzten Weltranglisten-Achten Janko Tipsarevic (Serbien) zu tun.