"Süßer Sieg" und Novum für sensationellen Federer
Cincinnati - Es gibt nur noch wenige Dinge im Wanderzirkus der Tennistour, die Roger Federer noch nicht gelungen sind.
Sein fünfter Titel beim Masters in Cincinnati kommt daher kaum überraschend, auch nicht, dass ihn der Maestro ohne Satz- und Aufschlagverlust im ganzen Turnier gewann ( BERICHT: Federer gewinnt Traumfinale).
Dennoch ist dem Schweizer im Finale ein Coup gelungen, der selbst für ihn neu ist.
Im Dauerduell mit seinem ärgsten Verfolger Novak Djokovic gewann Federer erstmals einen Satz 6:0 und setzte damit vor den US Open (27. August bis 9. September) ein gewaltiges Ausrufezeichen.
Erster Satz dauert 20 Minuten
Ganze 20 Minuten dauerte Durchgang eins im 28. Aufeinandertreffen der beiden Superstars.
Federer gab bei eigenem Aufschlag nur drei Punkte ab, nutzte drei seiner vier Breakbälle und führte seinen bemitleidenswerten Gegner teilweise vor.
Erst im zweiten Satz war Djokovic wiederzuerkennen, leistete bekannt zäh Widerstand, musste Federer den Titel jedoch im Tiebreak mit 6:7 (7:9) überlassen.
Federer ist sehr zufrieden
"Das war wahrscheinlich die beste Woche, die ich hier in Cincinnati jemals gespielt habe", sagte Federer, der mit seinem 21. Masterssieg mit dem derzeit verletzten Rekordhalter Rafael Nadal gleichzog: "Keinen Aufschlag abzugeben und im Finale Novak zu schlagen ist ein süßer Sieg - ohne Zweifel."
Dabei hatte der Rekord-Grand-Slam-Champion nach dem olympischen Tennisturnier in Wimbledon gar nicht damit gerechnet, bereits in Cincinnati zu großer Form aufzulaufen.
"Novak und ich hätten beide wohl nicht daran geglaubt, so gut zu spielen", sagte Federer, der in London Silber gewonnen, im Finale gegen Andy Murray allerdings untergegangen war: "Dieser Sieg war die Reaktion auf die Olympischen Spiele: Ein großartiges Finale nach einem, das weniger gut war."
Fast alle Ziele erreicht
Was am 17-maligen Majorsieger immer wieder erstaunt: Federer steckt die Anstrengungen der ATP-Tour anscheinend deutlich besser weg als seine Kontrahenten.
Im betagten Tennisalter von 31 Jahren ist der Weltranglistenerste damit der Top-Favorit auf seinen sechsten Titel beim letzten Grand Slam des Jahres in New York ( SERVICE: Die ATP-Weltrangliste).
Federer selbst gibt sich bescheiden: "Obwohl ich in diesem Sommer fast alle Ziele mit dem Wimbledonsieg, der Silbermedaille und der Rückkehr an die Spitze des Rankings erreicht habe, ist es wichtig, weiter zu arbeiten, um mich bestmöglich auf New York vorzubereiten."
Was geht in Flushing Meadows?
Zuletzt hatte Federer 2008 in Flushing Meadows triumphiert. Ein Jahr später ging seine beeindruckende Siegesserie nach fünf Erfolgen im Finale gegen den Argentinier Juan Martin del Potro zu Ende.
2010 und 2011 scheiterte er im Halbfinale jeweils an Djokovic. Etwas ändern wird Federer vor den US Open deswegen allerdings nicht: "Ich mache selten verrückte Dinge vor Grand Slams."
Außer seinen ärgsten Rivalen mit 6:0 vom Platz zu schießen. Aber das war ja selbst für Federer eine neue Erfahrung.