vergrößernverkleinern
John Patrick McEnroe gewann in seiner Karriere sieben Grand Slams © getty

John McEnroe feiert runden Geburtstag. Kein Spieler zelebrierte Wutausbrüche wie er. Sport1.de blickt auf seine Karriere zurück.

München - Er war der Feuerkopf mit dem genialen Händchen, er spielte den Volley mit jenem "Touch", den vor und nach ihm nur wenige hatten.

Er beschimpfte Generationen von Schiedsrichtern, Ballkindern, Zuschauern und Gegnern und zerschmetterte Tennisschläger im Akkord.

Er flog vom Platz wie ein Fußballspieler, er packte mitten in einem Match seine Sachen und ging, wenn ihm etwas nicht passte, er trat gegen Netzpfosten, Eistruhen, Stühle und Blumenkästen.

Und er schuf jenes geflügelte Wort, das er jedem Referee auf der Welt entgegenschleuderte und das ihn wohl sein Leben lang begleiten wird: "You cannot be serious - das kann nicht dein Ernst sein!"

"Mac the Mouth"

Am 16. Februar wird John Patrick McEnroe jr. 50 Jahre alt, und die legendären Wutausbrüche, für die der einst weltbeste Tennisspieler genauso berühmt war wie für sein grandioses Spiel mit dem Filzball, hat er längst kultiviert. 68978(DIASHOW: McEnroes Karriere)

In Show-Wettkämpfen, in denen er immer noch regelmäßig sein einmaliges Können aufblitzen lässt, in Werbespots, in denen er als Falschparker Ordnungshüter beschimpft, in seinen kurzweiligen TV-Reportagen in Wimbledon, Flushing Meadows, Paris oder Melbourne - John McEnroe bleibt The Brat, Mac the Mouth, Big Bad John: "You cannot be serious!"

Geboren in Hessen

John McEnroe kam am 16. Februar 1959 in Wiesbaden zur Welt, sein irisch-stämmiger Vater war am dortigen Militärstützpunkt der US-Luftwaffe stationiert. Noch bevor der kleine Sohn ein Jahr alt war, ging die Familie zurück in die USA und ließ sich in Douglastown im New Yorker Außenbezirk Queens nieder.

In der Port Washington Tennis Academy auf Long Island erlernte der hitzige und hochbegabte Junge das Spiel, das ihn weltberühmt machen sollte.

Premierensieg im "Big Apple"

Als 18-Jähriger rückte der Linkshänder mit der wilden Mähne und dem breiten roten Stirnband erstmals in den weltweiten Fokus. In Wimbledon scheiterte McEnroe als Qualifikant erst im Halbfinale in vier Sätzen an seinem großen Landsmann Jimmy Connors. (ATP-Weltrangliste)

Ein Jahr später wurde er Profi, im September 1979 gewann er bei den US Open in seiner Heimatstadt New York den ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere.

Sechs weitere folgten, je drei bei den US Open und in Wimbledon. Die French Open in Paris und die Australian Open in Melbourne knackte McEnroe nie.

Borgs Siegesserie von McEnroe gestoppt

Im März 1980 war er erstmals die Nummer eins der Welt, insgesamt führte er das Ranking 170 Wochen an.

Legendär sind die Wimbledon-Duelle zwischen McEnroe und Björn Borg, der vierte Satz im Finale von 1980 ging als "Battle of 1816" (die Schlacht von 1816, d.Red.) in die Tennis-Geschichte ein.

Mit 18:16 gewann McEnroe jenen fast schon sagenumwobenen Tiebreak, ehe Borg mit dem 8:6 im letzten Durchgang zum fünften und letzten Mal in Wimbledon triumphierte.

Angstgegner Becker

Unvergessen ist auch jenes über sechsstündige Drama beim Davis-Cup-Playoff 1987 in Hartford, als die Genialität von John McEnroe sich am Ende der Urgewalt von Boris Becker beugen musste.

Becker ist einer der wenigen Spieler, gegen die McEnroe mit 2:8 eine deutlich negative Bilanz hat.

Insgesamt holte McEnroe 155 Titel, 77 im Einzel und 78 im Doppel. Seinen ersten Turniersieg feierte er im August 1978 in Hartford im Finale gegen den Südafrikaner Johan Kriek, seinen letzten im Einzel 13 Jahre später gegen seinen jüngeren Bruder Patrick in Chicago.

Turbulentes Privatleben

1992 trat John McEnroe zurück, 2006 gab er ein vielbeachtetes Coemback und gewann mit 47 Jahren und drei Tagen an der Seite des Schweden Jonas Björkman den Titel in San Jose.

Turbulent wie McEnroes sportliche Karriere verlief auch sein Privatleben. Im August 1986 heiratete er Tatum O'Neal, die als Zehnjährige an der Seite ihres berühmten Vaters Ryan ("Love Story") in dem Road Movie "Paper Moon" brilliert hatte und als eine der jüngsten Oscar-Gewinnerinnen in die Geschichte einging.

Wüster Rosenkrieg

Die drei gemeinsamen Kinder Kevin Jack (heute 22), Sean Timothy (21) und Emily Katherine (17) blieben nach der Trennung 1992 beim Vater, weil Tatum O'Neal ihre Tablettenabhängigkeit gestand. Es folgte ein wüster Rosenkrieg, in dessen Verlauf die Schauspielerin dem Tennisstar vorwarf, während seiner Karriere Marihuana, Kokain und Anabolika konsumiert zu haben - was McEnroe stets vehement bestritt.

Seit McEnroe 1997 die Rocksängerin Patty Smyth geheiratet hat, verläuft sein Leben in etwas ruhigeren Bahnen.

Mit der 51-Jährigen hat er die beiden gemeinsamen Töchter Anna (13) und Ava (9). Dass er sich aber künftig nur noch als Familienvater und Ehemann die Zeit vertreibt, ist eher unwahrscheinlich: "You cannot be serious."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel