Der Deutsche steht erstmals seit sieben Jahren im Halbfinale eines ATP-Masters. In Miami hofft er auf den ganz großen Coup.

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Miami/München - Im Sunshine State Florida scheint Tommy Haas derzeit die Zeit zurückzudrehen.

Der fast 35-Jährige erlebt seinen x-ten Frühling und steht nach einem 6:3, 6:1 gegen den Franzosen Gilles Simon (Nr. 11) als erster Deutscher überhaupt im Halbfinale des ATP-Masters in Miami (Fr., ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+).

Kein Boris Becker, kein Michael Stich schaffte im Crandon Park das, was dem ewigen Tommy allerdings auch ein paar Gewissensbisse beschert.

Aber der Erfolg hat auch seine kleinen Schattenseiten.

"Schon nach meinem Sieg gegen Novak Djokovic habe ich viele SMS und E-Mails von Freunden und Fans bekommen. Das ist schön. Aber es ist auch harte Arbeit, allen gleich zu antworten. Ich will das, aber es klappt nicht immer während des Turniers", meinte Haas.

Haas denkt ans Finale

Seinen Job mit dem Schläger zumindest bringt der gebürtige Hamburger und älteste Spieler in den Top 100 in diesen Tagen immer konsequent zu Ende. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Das ganz große Happy End verliert er dabei nie aus den Augen.

"Es ist ja noch nicht aus. Ich hoffe auf den nächsten Schritt, das wäre ein Traum", meinte Haas mit Blick auf das Halbfinale am Freitag gegen den Weltranglistenfünften David Ferrer.

Der Spanier bezwang den Österreicher Jürgen Melzer mit 4:6, 6:3, 6:0 (Video).

Haas hat viel Biss

Noch nie konnte der Deutsche gegen Ferrer gewinnen (0:2). Aber: Wenn nicht jetzt, wann dann.

Einem Tommy Haas in der derzeitigen Verfassung ist wirklich alles zuzutrauen. Der Wahl-Amerikaner wirkt austrainiert wie in seinen besten Jahren, ist relativ schmerzfrei und entzaubert Gegner für Gegner mit seinem variantenreichen Spiel.

Aber das Entscheidende: Er hat auch nach vielen verletzungsbedingten Rückschlägen immer noch den Biss, der den Unterschied ausmacht, wenn die Luft dünn wird.

"Ich habe zwar nicht mehr den Körper eines Zwanzigjährigen. Aber hungrig auf Siege bin ich immer noch wie ein Newcomer", betonte der Vater einer zweieinhalbjährigen Tochter. Und man glaubt ihm jedes Wort.

Djokovic zieht den Hut

Nicht nur der neun Jahre jüngere Branchenführer Djokovic zog vor Altmeister Haas, der sein einziges Masters-Turnier 2001 in Stuttgart gewann, seinen Hut.

Nach dem Achtelfinal-Coup gegen den Serben hatte Haas mit einem Schlag 1300 Follower mehr bei Twitter. "Wahnsinn", sagte der einstige Weltranglistenzweite und nimmt im Ranking wieder Kurs auf die Top Ten.

Schon die Halbfinal-Teilnahme in Miami garantiert ihm in der Weltrangliste den Sprung von Platz 18 auf 14. Haas: "Ein bisschen wie im Traum ist das schon alles."

Seinen 35. Geburtstag nächsten Mittwoch kann der Routinier daheim in Los Angeles auf jeden Fall ausgiebig feiern.

Haas nicht zu stoppen

Gegen Simon gelang ihm im ersten Satz das wichtige Break zum 4:3. Haas ließ während des nur 64 Minuten dauernden Matches keinen einzigen Breakball zu und machte in 78 Prozent der Fälle den Punkt, wenn sein erster Aufschlag kam.

"Ich bin wieder so aufgetreten, wie ich es geplant hatte und habe meine Vielseitigkeit ausgespielt. Als es darauf ankam, habe ich die richtigen Bälle gespielt, darauf bin ich stolz", meinte der dreimalige Australian-Open-Semifinalist.

Zuletzt hatte Haas 2006 in Paris in einem Masters-Halbfinale gestanden.

In Florida aber kann ihn derzeit wohl nichts ablenken oder stoppen. Noch nicht einmal die Dreharbeiten zu der amerikanischen Soap-Opera "The Real Housewives of Miami", die am Mittwoch auf der Tennis-Anlage im Crandon Park stattfanden.

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