vergrößernverkleinern
Michael Stich gewann 1992 Wimbledon
Michael Stich trat 1997 in Wimbledon vom aktiven Sport zurück © imago

Als Direktor des Hamburger ATP-Turniers will Michael Stich frischen Wind in das traditionsreiche Turnier an der Alster bringen.

München - In dieser Woche ist Michael Stich in Indian Wells. Treffen der Turnierdirektoren, Kennenlernen des neuen ATP-Chefs Adam Helfant, Tennis-Kontakte.

In der vergangenen Woche hatte er wieder einmal ein Gespräch mit Hamburgs Kultur- und Sportsenatorin Karin von Welck, Politik-Kontakte. Und zwischendurch putzt er regelmäßig Klinken bei potenziellen Sponsoren, Wirtschafts-Kontakte. (Alle Tennis-News)

Michael Stich ist seit Jahresbeginn Direktor der German Open in Hamburg, immer noch das wichtigste Tennisturnier in Deutschland. "Wir arbeiten mit Hochdruck", erklärt der 40-Jährige, "und ich verspreche: Es wird im Sommer Weltklassetennis geben."

"Neustart in Tradition"

Stadt und Wirtschaft will er zusammenbringen, frischer Wind mit Betonung des Tennissports soll wehen, mehr Familien auf die Anlage kommen, einen "Neustart in Tradition" will er wagen.

Über 100.000 Karten will er verkaufen, spekuliert dabei auch auf das bessere Wetter im Sommer im Vergleich zum ehemaligen Termin im Mai. Bis in die lauen Abende hinein soll dann gespielt werden.

"Dieses Turnier ist eine überragende Werbung für Hamburg", behauptet Michael Stich, "leider ist das in Politik und Wirtschaft nie richtig transportiert worden.""Wir haben zahlreiche Gespräche geführt, viele Firmen haben Interesse signalisiert", sagt Stich. Unterschrieben aber ist noch nichts. "Es ist eine schwierige Zeit", weiß er. Nicht nur für das Tennis in Deutschland, natürlich auch für die Wirtschaft.

Stichs Konzept überzeugt

Ende letzten Jahres hat er mit zwei Partnern die Verantwortung für die Traditionsveranstaltung übernommen und damit Carl-Uwe Steeb abgelöst.

Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hat sich für Stichs Konzept entschieden, obwohl Steeb in seinem ersten Jahr als Turnierdirektor gute Arbeit geleistet hat.

Aber Stich ist besser vernetzt in der Hansestadt, hat die Kontakte zur Handelskammer. Mit der eigens gegründeten Firma Hamburg Sports- and Entertainment GmbH (HSE) will er nun dafür sorgen, dass sich das Turnier wieder trägt.

Aber es ist eine Herkulesaufgabe. Seit der Pleite des Vermarkters ISL 2001 geht es mit dem Turnier im Grunde bergab. Langjährige Sponsoren und TV-Partner wurden zunächst rausgeworfen und winkten dann ab, als der DTB wieder anfragte.

Jugend voran

Ein Turnier der besten deutschen Junioren, das in die Veranstaltung integriert wird, ist zukünftig ein wichtiger Teil des neuen Konzepts: "Die Zuschauer sollen sich irgendwann mal erinnern können: Den oder den Spieler habe ich schon als Junior am Rothenbaum gesehen." (DATENCENTER: Tennis-Ergebnisse)

Stich freut sich deshalb besonders, dass er bereits die Zusage von Philipp Kohlschreiber für den Juli hat: "Das ist schließlich der beste deutsche Spieler der jungen Generation."

Nadal zu teuer

Vier Spieler aus den Top 12, davon zwei aus den ersten sechs der Weltrangliste, müssen in Hamburg vom 20. bis 26. Juli am Start sein, so die Zusage der ATP. (Zur ATP-Weltrangliste) Die Zeiten des Stelldicheins der absoluten Weltstars ist also vorbei. Roger Federer, der das Turnier dreimal gewann, wird vor der US-Hartplatzsaison nicht mehr kommen.

Vielleicht Rafael Nadal, der braucht wertvolle Erfolge auf Sandplatz für die Weltrangliste. Antrittsgelder wird Stich den Spielern aber nicht zahlen. 500.000 Euro kostet Nadal normalerweise, heißt es: "Das können wir uns einfach nicht leisten."

Kein Messias namens Stich

Den Etat von rund 3,5 Millionen Euro zu decken, ist schwer genug. Erste Erfolge gibt es schon, die Gespräche mit einem Hotel als offizieller Unterkunft stehen kurz vor dem Abschluss, der NDR hat signalisiert, dass er sich eine Übertragung des Endspiels vorstellen kann. Auch während der Woche soll es Bilder bei einem Sportsender geben.

Bis 2011 hat Stich mit der HSE eine Option auf die Durchführung des Turniers. Dann muss es laufen. "Eines ist klar, ich gebe kein persönliches Geld hinein", erklärt Stich unmissverständlich: "Ich bin nicht der Heilsbringer oder Messias."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel