vergrößernverkleinern
Boris Becker gewann als Spieler sechs Grand-Slam-Titel © getty

Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker malt die Zukunft des Tennissports hierzulande in düsteren Farben.

"Selbst der liebe Gott könnte heute mit den aktuellen Strukturen das deutsche Tennis nicht retten. Das ist nicht möglich", sagte der 46-Jährige im Gespräch mit der "Sport Bild".

Das Problem sei die starke Position der Landesverbände, die ausschließlich ihre eigenen Interessen verfolgen würden. Dies sei in anderen Ländern wie Frankreich und Spanien mit zentralen Strukturen besser organisiert.

"Ehemalige Topspieler sind dort fest eingebunden. Aber wir haben kein nationales Tenniszentrum mit ehemaligen Weltklassespielern als Toptrainer," beklagte Becker.

Wichtig, so Becker, sei nicht, "aus welchem regionalen Verband der jeweilige deutsche Meister kommt, sondern dass wir als Land wieder einen Top-10-Spieler in der Weltrangliste haben. Hier hat jeder Verband seine eigene Mütze auf: Bayern die bayrische, Hessen die hessische, Baden die badische."

Wenn die so nur regional ausgebildeten Talente dann 18 Jahre alt seien, so die ehemalige Nummer eins der Tennis-Welt, "dann ist es meist schon zu spät, um sie noch Richtung Weltspitze zu verbessern".

An den Nachfolger von Karl Altenburg als Präsident des DTB knüpft Becker keine Erwartungen, denn dieser werde die Veränderungen, "die notwendig wären, gar nicht machen dürfen. Das Ganze ist wie Autofahren, ohne lenken zu können."

Altenburg wird sich nach Ablauf seiner drei Amtsjahre im November nicht zur Wiederwahl stellen.

"Wenn wir mal wieder Weltklassespieler bekommen, dann nur durch die Initiative Einzelner, nicht durch die Ausbildung der Verbände", sagt Becker. Sich selbst wolle er beim DTB nicht einbringen.

"Ich habe bereits eine tolle Aufgabe", sagte Becker, seit Anfang des Jahres Trainer des Weltranglistenzweiten Novak Djokovic.

Hier gibt es alles zum Tennis

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel