"Tommy gibt der Mannschaft Selbstvertrauen"
Von Ronald Maior
München - Der letzte Erfolg im Davis Cup gegen Argentinien liegt bereits mehr als 20 Jahre zurück, und die Bilanz macht auch nicht unbedingt Mut: Von insgesamt sieben Duellen konnte Deutschland nur zwei für sich entscheiden.
Im Erstrundenspiel in Bamberg (Fr., ab 14 Uhr im LIVE-TICKER) soll diese Statistik mit der Unterstützung der DTB-Fans verbessert werden.
Teamchef Patrik Kühnen spricht im SPORT1-Interview der Woche über die Chancen gegen den Vorjahresfinalisten und über die Rolle von Rückkehrer Tommy Haas (BERICHT: Perfekt! Haas kehrt ins Davis-Cup-Team zurück).
SPORT1: Herr Kühnen, der letzte deutsche Sieg gegen Argentinien liegt bereits 20 Jahre zurück. Wie kann das deutsche Davis-Cup-Team im Bamberg die Serie beenden?
Patrik Kühnen: Argentinien ist die Nummer drei der Welt und hat eine ausgezeichnete Mannschaft. Für uns wird es darum gehen, hier vor heimischer Kulisse in Bamberg als Team unser bestes Tennis abzurufen. Wir müssen in den verbleibenden Tagen unsere beste Form finden und am Wochenende das notwendige Quäntchen Glück haben. Dann können wir sie schlagen.
SPORT1: Welche Rolle spielt Tommy Haas als Routinier im deutschen Team, und wie kann er der Mannschaft abseits des Platzes helfen?
Kühnen: Tommy ist sehr erfahren im Davis Cup und hat eine sehr gute Bilanz. Schon in Melbourne hat er auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht und das in den letzten Tagen bestätigt. Er ist in einer ausgesprochen guten Verfassung und auf Grund seiner Erfahrung für das Team immens wichtig. Seine Rückkehr gibt der Mannschaft zusätzliches Selbstvertrauen.
SPORT1: Wie sehr begünstigt die Rückkehr von Philipp Kohlschreiber ins Trainingszentrum nach Oberhaching seine persönliche Entwicklung?
Kühnen: Das ist sehr gut für ihn. Gerade die Arbeit mit Stefan Eriksson wirkt sich gut aus, wie man an den Resultaten der vergangenen Wochen sieht. Nach den guten Leistungen bei den Australian Open war er ja in Montpellier im Halbfinale.
SPORT1: Und wie wichtig ist es, dass mit Philipp Petzschner und Florian Mayer nun drei ihrer Akteure gemeinsam trainieren?
Kühnen: Meiner Meinung nach kann das nur einen positiven Effekt haben. Einerseits trainieren damit in Oberhaching die Besten miteinander, außerdem stärkt das die Gemeinschaft der Jungs.
SPORT1: Welche Rolle kann Routinier David Nalbandian für die argentinische Mannschaft spielen?
Kühnen: Nalbandians Davis-Cup-Bilanz von 22:5 Siegen spricht für sich. Trotz seiner momentanen Platzierung ist er ein Spieler der Extraklasse, der sowohl im Einzel als auch im Doppel als sehr stark einzuschätzen ist.
SPORT1: Juan Martin del Potro, Argentiniens Nummer eins, sagte seinen Start im Davis Cup ab. Sehen Sie das deutsche Team damit eher auf Augenhöhe der Argentinier?
Kühnen: Natürlich hat seine Absage das argentinische Team geschwächt. Dennoch muss man hervorheben, dass auch Chela und Monaco ausgezeichnete Spieler sind. Das Team ist insgesamt sehr kompakt und geht auch ohne del Potro leicht favorisiert in die Partie.
SPORT1: Die deutschen Tennis-Damen überzeugten zuletzt vor allem individuell, wenn auch nicht im Fed Cup. Wie erklären Sie sich die Kluft zwischen den Ergebnissen der Damen und der Herren auf der Tour?
Kühnen: Die Damen waren im vergangenen Jahr vor allem bei den großen Turnieren erfolgreich. Mit ihren guten Leistungen haben die Mädels natürlich für Furore und ein steigendes Interesse am Damentennis gesorgt. Grundsätzlich geschieht so etwas aber nur über Erfolge. Vor allem auf den großen Tennisbühnen wie den Grand Slam Turnieren kann man viel für die Weltrangliste und die öffentliche Wahrnehmung tun.
SPORT1: Ist ein derartiger Durchbruch bei den Herren auch denkbar?
Kühnen: Sicherlich. Kohlschreiber, Mayer und Petzschner sind im besten Tennis-Alter, Tommy Haas will es noch einmal wissen und mit Cedrik Stebe kommt zudem ein sehr talentierter Spieler nach. Ich bin überzeugt, dass die Erfolge kommen werden.