Auftakt in "Freak City": Petzschner statt Haas
Bamberg - Das Davis-Cup-Einzelcomeback von Tommy Haas nach knapp viereinhalbjähriger Abstinenz ist erst einmal geplatzt.
Doch der Rückkehrer schlüpft in den Tagen von Bamberg wie selbstverständlich in die Rolle des Leitwolfs. Und deshalb gab der 33-Jährige vor der Erstrundenpartie gegen den Vorjahresfinalisten Argentinien (Fr., ab 14 Uhr im LIVE-TICKER) auch die Marschrichtung vor.
"Es war immer ein Kindheitstraum von mir, einmal den Pott hochzuhalten. Ich träume auch diesmal vor mich hin, wer in der nächsten Runde der Gegner sein könnte", sagte der Haas, der erst einmal nur für das Doppel am Samstag nominiert wurde (INTERVIEW: Tommy gibt der Mannschaft Selbstvertrauen).
Petzschner bestreitet Auftaktmatch
Den zweiten Einzelplatz vergab Teamchef Patrik Kühnen, der am Samstag an seinem 46. Geburtstag am liebsten schon den Gesamtsieg feiern würde, an Lokalmatador Philipp Petzschner.
Der US-Open-Doppelsieger aus Bayreuth bestreitet am Freitag das Auftaktmatch gegen Juan Monaco. Die argentinische Nummer eins hatte erst am vergangenen Wochenende das ATP-Turnier im chilenischen Vina del Mar gewonnen.
"Philipp hat sich den Einsatz verdient. Im vergangenen Jahr hat er in Kroatien den entscheidenden Punkt geholt", begründete Kühnen und verriet: "Es gab auch die Überlegung, Tommy Einzel spielen zu lassen. Aber das Regelwerk ließe es ja zu, dass man am letzten Tag noch wechselt."
Ein Einsatz von Haas am Sonntag ist also möglich - und bei einem Spielstand von 2:2 auch wahrscheinlich.
Mayer gegen den Routinier
Nach Petzschner bekommt es am Freitag in der 4800 Zuschauer fassenden Stechert Arena der deutsche Topspieler Florian Mayer mit Routinier David Nalbandian zu tun.
Der 30-jährige "Gaucho", der schon einmal die Nummer drei der Welt war, hat eine beeindruckende Davis-Cup-Einzelbilanz von 22:5 Siegen. "David ist einer der erfahrensten überhaupt", meinte der Weltranglisten-21. Mayer über die aktuelle Nummer 84 (SERVICE: ATP-Weltrangliste).
"Die Stadt heißt nicht umsonst Freak City"
Für Mayer und Petzschner ist die Partie in Bamberg ein Heimspiel.
Beide sind gebürtige Franken, kommen aus dem 50 Kilometer entfernten Bayreuth und hoffen auf den Heimvorteil in der Partie im Kampf um den Sprung ins Viertelfinale.
"Die Stadt ist bekannt für ihre Fans und heißt nicht umsonst Freak City", sagte "Petzsche", der den wegen eines Magen-Darm-Infekts ausfallenden Philipp Kohlschreiber als Nummer zwei ersetzt.
Stebe gibt sein Debüt
Sorge, dass er der Belastung von voraussichtlich zwei Einzeln und einem Doppel nicht stand halten könne, hat der 27-jährige Petzschner nicht.
"Ich bin das ja von den Grand Slams gewöhnt. Es wird ein hartes Wochenende, aber ich bin positiv gestimmt und habe gute Chancen", meinte der einstige Wimbledon-Doppelchampion, der eine Davis-Cup-Einzelbilanz von 2:1 Siegen hat.
Der talentierte Stuttgarter Cedrik-Marcel Stebe (21) rückte als vierter Mann und Debütant ins Team und musste beim Mannschaftsessen am Mittwochabend als Ritual eine Rede halten.
"Kurz und knapp. Jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist", sagte der in der Waske-Schüttler-Akademie in Offenbach trainierende Linkshänder - mittlerweile die Nummer 72 der Welt.
"Davis Cup ist immer ein Highlight"
Tommy Haas hat die Nervosität von Stebe beim Dinner registriert. Er selbst, der von einer Olympia-Teilnahme träumt, genießt indes in diesen Tage jede Sekunde am Rande des bedeutendsten Mannschafts-Wettbewerbs (BERICHT: Perfekt! Haas kehrt ins Davis-Cup-Team zurück).
"Ich bin begeistert, dabei zu sein." Ansprüche stellt der mittlerweile auf Position 166 abgerutschte Haas nicht.
"Ich versuche, so viel wie möglich beizutragen. Egal, ob als Doppelspieler oder als Trainingspartner. Davis Cup ist immer ein Highlight", erklärte der in Florida wohnende amerikanische Deutsche, der mittlerweile über zwei Staatsangehörigkeiten verfügt.
Lieber Davis Cup als Punkte sammeln
Und Haas untermauerte seine Aussage: Um in Bamberg dabei sein zu können, hat er auf eine Teilnahme am Turnier in San Jose verzichtet.
Dort hätte Haas wichtige Punkte sammeln können, um in der Rangliste wertvollen Boden gutzumachen.
Sein "Protected Ranking", das ihm wegen seiner mehr als einjährigen Verletzungspause bei allen Turnieren einen Platz im Hauptfeld garantiert, läuft mit dem Tournament in München Ende April ab.
Danach muss Haas, einst die Nummer zwei im Ranking, auf Wildcards hoffen oder sich durch die Qualis quälen.