Klassenerhalt! Youngster Stebe rettet deutsches Team
Hamburg - Matchwinner Cedrik-Marcel Stebe drehte am Hamburger Rothenbaum jubelnd seine Ehrenrunden, Philipp Petzschner ließ die Korken knallen, und Teamchef Patrik Kühnen rang sichtlich um Fassung.
Das deutsche Davis-Cup-Team hat nach einer eindrucksvollen Aufholjagd den Klassenerhalt in der Weltgruppe perfekt gemacht und mit dem 3:2-Sieg gegen Australien zum ersten Mal seit Monaten für positive Schlagzeilen im deutschen Herren-Tennis gesorgt. ( DATENCENTER: Davis-Cup-Playoffs)
Für den entscheidenden Punkt vor 4500 begeisterten Fans, die von der Lautstärke an die glorreichen Zeiten von Boris Becker und Michael Stich erinnerten, sorgte ausgerechnet der jüngste Spieler im Team.
Sieg gegen Ex-Nummer eins
Stebe, ein eher stiller Zeitgenosse aus dem badischen Vaihingen an der Enz, wuchs gegen den ehemaligen Weltranglistenersten Lleyton Hewitt über sich hinaus und gewann 6:4, 6:1, 6:4.
"Wahnsinn! Für Deutschland ist das superwichtig, für mich selbst ist es auch ein Wahnsinnserfolg, der größte meiner Karriere", sagte Stebe überglücklich und erntete ein großes Lob von Teamchef Patrik Kühnen:
"Das war Tennis vom Allerfeinsten. Was Cedrik geleistet hat, war sensationell." Dabei hatte der Kapitän ursprünglich auf den 21-Jährigen verzichten wollen.
Nach der Absage von Philipp Petzschner, der sich im Doppel am Samstag am Knie verletzt hatte, musste Stebe jedoch auf den Platz und schlug sich nach einem schnellen 0:3 Rückstand glänzend. ( BERICHT: Doppel Petzschner/Becker verliert)
Mayer legt vor
Der Weltranglisten-127. verwertete damit die Vorlage, die der überragende Florian Mayer mit seinem zweiten Sieg gegeben hatte. ( BERICHT: Cooler Mayer gleicht aus und kritisiert DTB-Boss)
Die deutsche Nummer eins ließ sich von all dem Zoff, der im Vorfeld die Vorbereitung auf das Relegationsmatch beeinflusst hatte, nicht beirren und schlug das australische Top-Talent Bernard Tomic 6:4, 6:2, 6:3. ( DATENCENTER: ATP-Weltrangliste)
"Mayer hat die Rolle als klare Nummer eins hier in Hamburg sehr geholfen", sagte Klaus Eberhard, Sportdirektor des Deutschen Tennis Bundes. Mayer sprach befreit von einem "geilen Gefühl".
Damit dieses Gefühl weiter anhält, müssen alle Beteiligten in den kommenden Wochen jedoch die Weichen stellen und die Auseinandersetzungen im Team endlich beenden. Im Gespräch forderte Präsident Karl Altenburg, dass sich "etwas ändern muss, vor allem beim Teamgeist".
"Schritt in die richtige Richtung"
Voller Zufriedenheit berichtete er jedoch vom neuen Gefühl, dass sich am Wochenende in Hamburg eingestellt hatte. "Das war ein Schritt in die richtige Richtung."
Den erste Abstieg seit der Rückkehr unter die weltweit besten 16 Nationen 2005 verhinderte jedoch vor allem Stebe mit einer Leistungssteigerung und ein schwächelnder Hewitt, der große
Probleme mit dem langsamen Sandplatz hatte.
Die Baustellen, die das deutsche Herren-Tennis mindestens seit dem Erstrundenaus gegen Argentinien in Bamberg beschäftigen, als der Streit zwischen Philipp Kohlschreiber und Tommy Haas eskalierte, bleiben jedoch bestehen.
Neuer Vertrag für Kühnen?
Immerhin dürfte bald Klarheit geben, wer das Davis-Cup-Team im kommenden Februar zum Auftakt der neuen Saison betreut. Alles deutet darauf hin, dass der Vertrag mit Patrik Kühnen verlängert wird, obwohl sich der Ex-Profi zuletzt zwischen den Fronten der eitlen Individualisten aufrieb.
"Wir wollen das Thema zügig angehen, obwohl wir noch ein bisschen Zeit haben. Es sollte allerdings keine Überraschung geben", sagte Altenburg.
Wenige Talente außer Stebe
Kühnen habe dem DTB auch ein Konzept für die Nachwuchsförderung vorgelegt, denn außer Stebe fehlen weit und breit die Talente, die dem dreimaligen Davis-Cup-Champion die Zukunft in der Weltgruppe sichern.
In der kommenden Saison soll das Team jedoch vor allem von dem Geist von Hamburg getragen werden.
"Wir haben hier eine Mannschaft gesehen, die sich mit allem für Deutschland eingebracht hat. Das wird auch in Zukunft mein Maßstab sein", sagte Kühnen und Altenburg ergänzte:
"Wer sich an diesem Team beteiligen und sich für Deutschland reinhängen will, der ist willkommen." Das gilt sowohl für Kohlschreiber als auch Haas.