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Andrea Petkovics beste Weltranglisten-Position datiert vom Februar 2010: Rang 43 © getty

Die Fed-Cup-Spielerin hat für die Zeit nach ihrer Profi-Karriere einige Pläne. Von Politikerin bis Rockstar ist alles möglich.

Darmstadt - Die selbstgewählte Schule fürs Leben hatte Andrea Petkovic erst vor ein paar Wochen eine schmerzhafte Lektion erteilt.

Den zwei Niederlagen beim Fed-Cup-Einzel-Debüt folgten grenzenloser Frust und gnadenlose Selbstkritik. Zweieinhalb Monate später steht für die Einser-Abiturientin am Wochenende im Relegationsspiel gegen Frankreich in Frankfurt/Main die nächste Prüfung an.

Die erste Vorbereitungsphase auf die neuerliche Bewährungsprobe verlief für Petkovic allerdings nicht wie geplant und vor allem sehr unbequem.

Wegen des weitgehend eingestellten Flugverkehrs nach dem Vulkanausbruch auf Island trat die Darmstädterin die 1330 km lange Odyssee vom WTA-Turnier in Barcelona nach Frankfurt zusammen mit ihrer Mutter in einem Reisebus an.

"Ich bin immer noch ein Sensibelchen"

Zeit genug für Petkovic, noch einmal über die bitteren Momente von Brünn nachzudenken. Anfang Februar versagte die 22-Jährige bei ihrem Einzel-Debüt im deutschen Fed-Cup-Team (2:3 in Tschechien).

Ausgerechnet sie, die neue Hoffnungsträgerin und Teamspielerin aus Überzeugung.

Viele Stunden des Grübelns später ist Petkovic wieder ein Stück gereift und blickt zuversichtlich ihrem Einsatz am Wochenende entgegen.

"Ich bin immer noch ein Sensibelchen, aber es lässt nach. Ich werde härter, baue mir einen Panzer auf. Meine Zeit wird noch kommen", sagte die Bad-Gastein-Siegerin.

Eigene FAZ-Kolumne

Die Schule des Lebens, wie Petkovic den Tennis-Wanderzirkus respektvoll nennt, wird es schon richten.

Andrea Petkovic ist die etwas andere Profispielerin.

Beispiel gefällig? Nach ihren Niederlagen in Tschechien setzte sie sich an den Laptop und übte in ihrer FAZ-Kolumne erfrischend offen Selbstkritik ("Je näher die Matchtage rückten, desto voller wurde meine Hose. Ich hatte versagt").

Petkovic: "Das hat mir geholfen, das alles etwas zu verarbeiten. In schriftlicher Form ist das manchmal etwas einfacher."

"Persönlichkeit mit vielen Facetten"

Auch beim Abwägen von Prioritäten unterscheidet sich die Politik-Studentin, die wegen eines Kreuzbandrisses fast die gesamte Saison 2008 pausieren musste, von den Kolleginnen.

"Das Turnier in Monterrey vor ein paar Wochen habe ich abgesagt, weil eine Klausur anstand", sagt Petkovic: "Ich versuche mich nicht nur als Tennisspielerin weiterzuentwickeln, sondern auch als Persönlichkeit Andrea Petkovic mit vielen Facetten."

Und das gelingt offensichtlich.

Intellektuell und uninteressant?

Auf ihrer Homepage animiert sie Fans, Gedichte zu schreiben. Für das Beste gibt es als Belohnung einen Tennisschläger. Als die Intellektuelle aus Germany wird sie trotzdem nicht abgestempelt.

Aus gutem Grund.

"Ich glaube", sagt Petkovic, "dass sich viele Mädchen nicht sehr dafür interessieren, was ich mache."

Kanzlerin, Master oder Journalistin?

Eine Aussage aber dürfte auch bis zu den Top Ten durchgedrungen sein.

"Petko" hatte einmal angedeutet, das Amt der Bundeskanzlerin anzustreben: "Das war aber eine Provokation". Sie interessiere sich eben für Politik.

"Dieses Land hat mir so viele Chancen gegeben. Das politische System Deutschlands beeindruckt mich sehr", sagt die in Tusla geborene Petkovic, die auch nach ihrer sportlichen Karriere noch große Ziele hat: "Alles ist möglich: Master-Abschluss oder Journalistenschule."

Bei Hessens Ministerpräsident Roland Koch hat sie bereits ein Praktikum absolviert.

Rockstarkarriere statt Profi-Tennis

Und auch das finanzielle Polster für die berufliche Ausbildung ist bereits vorhanden.

Sie sei aber noch weit entfernt von der berühmten Million, sagt Petkovic, deren vielseitige Interessen auch das eine oder andere überraschende Geständnis an den Tag bringen: "Ich würde meine Tenniskarriere sofort für eine Rockstarkarriere an den Nagel hängen."

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