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"Mehr war nicht drin": Barbara Rittner tröstet Andrea Petkovic © imago

Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner spricht im Interview über die verlorene Relegation gegen Frankreich und ihre eigene Zukunft.

Von Benjamin Bauer

München - Nur ein Jahr nach dem Aufstieg in die Weltgruppe ist das deutsche Fed-Cup-Team mit seiner Chefin Barbara Rittner wieder zweitklassig.

Ohne die verletzten Sabine Lisicki und Anna-Lena Grönefeld unterlagen die deutschen Spielerinnen der französischen Auswahl in Frankfurt trotz zweimaliger Führung mit 2:3.

Nun steht den Profis, deren Abstieg auch eine stark spielende Andrea Petkovic nicht verhindern konnte, ein harter Weg zurück in die Weltspitze bevor

Im SPORT1-Interview spricht Teamchefin Barbara Rittner über die Gründe für den Abstieg, verpasste Chancen und ihre eigene Zukunft.

SPORT1: Wie schwer wiegt die Enttäuschung nach der Niederlage gegen Frankreich?

Barbara Rittner: So kurz danach ist die Enttäuschung schon groß. Und die wird auch noch ein paar Tage andauern.

SPORT1: Was gab letztlich den Ausschlag für die Niederlage. Die Erfahrung der Französinnen oder deren Doppelstärke?

Rittner: Die Erfahrung des Gegners war es nicht, das Team aus Frankreich besteht auch aus jungen Spielerinnen. Und im Doppel hatten die einfach einen Lauf. Im Einzel hatten wir zwei Mal die Chance, den Sack zuzumachen. Das haben wir nicht genutzt und dann wohl zu Recht verloren.

SPORT1: Sehen Sie trotz der Niederlage auch Positives? Immerhin hat Andrea Petkovic im Einzel aufhorchen lassen.

Rittner: Andreas Leistung war sehr positiv. Gerade nach diesem Auftakt in Brünn, bei dem es gar nicht lief. Aber das haben wir aufgearbeitet und verarbeitet. Und das haben wir prima hinbekommen, sie hat ein tolles Wochenende gespielt. Im Doppel war nichts zu machen, aber im Einzel hat sie spielerisch und mental gezeigt, dass sie auf dem richtigen Weg ist.

SPORT1: Ist das Fed-Cup-Jahr 2010 nach der Niederlage ein verlorenes Jahr oder Teil eines Lern- und Erfahrungsprozesses, gerade für eine junge Spielerin wie Julia Görges?

Rittner: Letztes Jahr hatten wir bei den beiden 3:2-Siegen das Quäntchen Glück um aufzusteigen. In diesem Jahr hatten wir halt Pech und haben zwei Mal 2:3 verloren. In beiden Partien hatten wir große Chancen zu gewinnen. In Brünn hat Andrea Petkovic Lehrgeld bezahlt, sich damit auseinandergesetzt und sich auch als Führungsspielerin gefestigt. Zukünftig kann man sich auf sie verlassen.

Auch Julia Görges hat Erfahrungen gemacht, die man nicht bereden kann, sondern gemacht werden müssen. Das kann gut ausgehen oder schlecht ausgehen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir die Klasse halten - auch in Anbetracht der Tatsache, welches Potenzial das Team mit einer gesunden Sabine Lisicki und Anna-Lena Grönefeld hat.

Die Niederlage ist bitter, weil wir letztes Jahr meiner Meinung nach zu Recht aufgestiegen sind und mit dieser Mannschaft auch in die Weltgruppe gehören. Aber das ist halt schwer, wenn drei der besten vier Spielerinnen fehlen. Aber letztlich muss man sagen: Es war mehr nicht drin, wir haben alles versucht.

SPORT1: Hadern Sie manchmal mit dem Verletzungsschicksal und denken "Was wäre wenn?"?

Rittner: Natürlich überlegt man nach so einer Niederlage im Stile von "Hätte, wenn und aber". Aber wir müssen nach vorne blicken. In diesem Jahr läuft mein Vertrag aus, und ich muss auch für mich Entscheidungen treffen. Ich glaube an die Mädels, aber es muss in einem Teamwettbewerb vieles zusammenkommen. Vor allem Gesundheit. Die Mädels sind alle noch Anfang 20, und ich sehe das Potenzial. Und ich glaube daran, dass wir in den nächsten Jahren auch ums Finale oder um den Fed Cup mitspielen können - wenn alles zusammenkommt. Wenn Andrea Petkovic in Brünn in einem ihrer Einzel die Leistung vom Wochenende abgerufen hätte, dann gewinnen wir dort und stehen im Halbfinale. Aber so ist alles gegen uns gelaufen.

SPORT1: Stichwort Vertragsende: Wovon machen Sie eine Fortführung Ihres Jobs abhängig oder hat der DTB schon mit Ihnen gesprochen?

Rittner: Nein, wir haben nicht über eine Verlängerung gesprochen. Mein Vertrag läuft bis Ende 2010, und nun ist der Fed Cup für dieses Jahr bereits für uns abgeschlossen. Natürlich habe ich Erfahrungen gemacht, die nicht so rosig waren, und es ist Zeit, sich hinzusetzen und alles zu verarbeiten. Der Job an sich macht mir viel Spaß. Ich habe Zeit mir in Ruhe Gedanken zu machen,um dann die für mich richtige Entscheidung zu treffen

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