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Andrea Petkovic ist derzeit die Nummer 49 der Weltrangliste © getty

Andrea Petkovic kann ihren Fed-Cup Auftritt trotz des Team-Abstiegs als persönlichen Erfolg werten. Sie überwindet ein Trauma.

München - Andrea Petkovic war hin- und hergerissen: Zwischen der kollektiven Enttäuschung über den erneuten Abstieg des Fed-Cup-Teams aus der Weltgruppe I und der Freude über die eigene Leistung.

Im Stil einer Diplomatin fand die Politik-Studentin, die ab Dienstag beim WTA-Turnier in Stuttgart spielt, dann die Balance. "Ich habe den Fluch von Brünn besiegt. Das war wichtig, denn die Mädels können mich so in Zukunft besser gebrauchen", sagte die Weltranglisten-49. nach dem 2:3 im Relegationsspiel gegen Frankreich in Frankfurt/Main.

Rittner: "Hut ab"

Im Kreise der Verliererinnen war Petkovic trotz der einen oder anderen verdrückten Träne die Gewinnerin. Was nach dem dritten Abstieg in fünf Jahren auch die geknickte Teamchefin Barbara Rittner herausstrich.

"Hut ab vor Andrea. Ich habe nicht in meinen schönsten Träumen zu glauben gewagt, dass sie so auftritt", sagte Rittner über die 22-Jährige, die im Februar bei ihrem Debüt im Viertelfinale in Tschechien (2:3) mit zwei verlorenen Einzeln völlig versagt hatte.

Die wahre "Petko"

Elf Wochen später und nach einigen Gesprächen mit dem Sportpsychologen Holger Fischer präsentierte sich in Frankfurt nun die wahre "Petko". Selbstbewusst, nervenstark, extrovertiert und äußerst zielstrebig.

Ihre ersten beiden Fed-Cup-Einzelsiege - unter anderem gegen die Weltranglisten-21. Aravane Rezai (6:1, 7:6) - sollen für die Darmstädterin ein Meilenstein auf dem Weg Richtung Weltspitze sein.

Parallelen zu Grand Slams

"Wenn man die Aufgaben im Fed Cup meistert, kann man auch die Situation im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers meistern", sagte Petkovic: "Da ist ähnlicher Druck vorhanden, und da erlebst du auch solche emotionalen Höhen und Tiefen."

"Meine Zeit wird kommen

Den Beweis kann die Hobby-Musikerin mit den unzähligen Interessen bald antreten. In knapp vier Wochen beginnt in Paris ihr absolutes Lieblingsturnier: Die French Open. Ein Band mit der Aufschrift "Roland Garros" am Schlüsselbund und ihre hervorragenden Französisch-Kenntnisse verraten die Liebe zum zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres.

Bislang ist Petkovic bei einem der vier großen Majors noch nie über die zweite Runde hinausgekommen. "Aber meine Zeit wird noch kommen", verspricht die Bad-Gastein-Siegerin von 2009, die besonders an die Australian Open schlechte Erinnerungen hat.

Vorbereitung in Stuttgart

Vor zwei Jahren hatte sie in Melbourne einen Kreuzbandriss erlitten. Eine neunmonatige Turnierpause folgte, in der die Einser-Abiturientin unter anderem ein Praktikum in der hessischen Staatskanzlei bei Ministerpräsident Roland Koch machte.

Als Vorbereitung auf die French Open dient Petkovic in diesem Jahr auch das mit 700.000 Dollar dotierte Turnier in Stuttgart. Beim ersten Sandplatzturnier in der Halle überhaupt ist der Belag mit dem aus Paris nahezu identisch.

Die Stuttgart-Siegerin des Vorjahres, Swetlana Kusnezowa (Russland), gewann wenige Wochen nach ihrem Triumph in der Schwabenmetropole auch in Roland Garros.

Görges muss gegen Henin ran

Petkovic trifft in Stuttgart am Dienstag auf die Ungarin Agnes Szavay. Die zweite direkt für das Hauptfeld qualifizierte Deutsche Julia Görges (Bad Oldesloe) bekommt es mit der früheren Weltranglistenersten Justine Henin aus Belgien zu tun.

"Wir werden stärker zurückkommen!"

Barbara Rittner wird ihre Spielerinnen in Stuttgart beobachten. An das Erstrundenmatch in der Weltgruppe II im Februar 2011 will die 37-Jährige dabei noch keinen Gedanken verschwenden.

Nur so viel: "Wir werden stärker zurückkommen. Das verspreche ich." Rittners Final-Traum kann nun frühestens 2012 in Erfüllung gehen, doch vielversprechende Optionen hat die frühere Profispielerin.

In Frankfurt fehlten Sabine Lisicki (Berlin) und Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) verletzungsbedingt - trotzdem waren beide als Edelfans da. "Das hat gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind. Das war ein Statement an die anderen Nationen", sagte Petkovic.

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