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Andrea Petkovic ist seit 2006 als Profi auf der WTA-Tour aktiv © imago

Alle Blicke gehen auf die deutsche Nummer eins. Die Teamchefin will sie abschirmen, Petkovic genießt ein Wohlfühlumfeld.

Stuttgart - Andrea Petkovic hat ihre Wohlfühloase gefunden. Bestens gelaunt sitzt die neue Tennishoffnung mit dem Adler auf der Brust inmitten ihrer Teamkolleginnen.

Sie scherzt, ist um kecke Sprüche nicht verlegen, genießt einfach ihre Rolle im großen Ganzen.

Die Strapazen des "Petko-Hypes" nach ihrem Siegeszug in Miami sind der 23-Jährigen kaum anzumerken.

Selbst den Frust über ihre Nullnummer an der berühmtesten TV-Torwand des Landes hat sie inzwischen verarbeitet.

"Als Einzelsportlerin auch manchmal einsam"

Der Teamgeist der deutschen Fed-Cup-Mannschaft, die am Wochenende gegen Rekordsieger USA in Stuttgart um den Aufstieg in die Weltgruppe kämpft, macht eben vieles möglich.

"Ich genieße es, die ganze Woche mit den Mädels zusammen zu sein. Es ist eine große Bereicherung im Laufe der Saison, denn als Einzelsportlerin ist man ja auch manchmal einsam", meinte Petkovic und wirkt plötzlich ganz ernst.

Die Darmstädterin macht keinen Hehl daraus, dass ihr die Kolleginnen Julia Görges, Anna-Lena Grönefeld und Sabine Lisicki in dieser "verrückten Zeit", wie sie den Rummel selbst bezeichnet, ein wenig den Druck nehmen.

Verantwortung ist verteilt

"Die Verantwortung im Fed Cup ist ja auf mehrere Schultern verteilt", meinte Petkovic fast erleichtert.

Und gerade das scheint die Weltranglisten-Neunzehnte in diesen Tagen zu schätzen.

Seit der Rückkehr aus Florida, wo die Hessin auf ihrem Weg ins Halbfinale die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki und die frühere Branchenfüherin Jelena Jankovic besiegte, hätte Andrea Petkovic pro Tag zehn Interviews geben und diverse TV-Unterhaltungsshows besuchen können.

Lernen nicht abzuheben

Sie tat es nicht und weiß um die Tücken des plötzlichen Ruhms.

"Viele, die dich vorher einfach überhaupt nicht beachtet haben, klopfen dir auf einmal auf die Schulter. Aber die Leute, die jetzt auf den Wagen aufspringen, sind auch die, die als erste abspringen, wenn es nicht läuft", sagte Petkovic.

Sie müsse jetzt lernen, mit der neuen Situation umzugehen, ohne abzuheben.

Konfrontation mit dem Unbekannten

Die Australian-Open-Viertelfinalistin ist gezwungen, sich an die "neue Situation" zu gewöhnen.

Doch eine Perfektionistin wie sie liebt die Konfrontation mit dem Unbekanntem: "Ich muss lernen, mit meiner Zeit hauszuhalten. Aber es ist eine Herausforderung, an der man wachsen wird."

In Stuttgart wird Andrea Petkovic im gleißenden Medien-Rampenlicht unterstützt.

[kaltura id="0_9bsmu8zr" class="full_size" title="Deutschland im Davis Cup Viertelfinale"]

Donnerstag und Freitag keine Interviews

"Jede Spielerin muss ihren Weg finden. Aber ich versuche schon, Andy abzuschotten", sagte Teamchefin Barbara Rittner, die ihre Strategie als "Gratwanderung" bezeichnet.

Am Donnerstag und Freitag gibt es keine Interviews mit den Spielerinnen.

Neid auf "Petko", die in Miami auch vom Weltranglistenersten Rafael Nadal beglückwunscht wurde, ist im deutschen Team nicht zu spüren (DATENCENTER: Ergebnisse der Damen aus Miami).

Lisicki glaubt an Bodenständigkeit

"Schließlich können alle davon profitieren, wenn unser Sport dadurch einen guten Stellenwert bekommt", meinte Julia Görges.

Die Weltranglisten-34. geht neben Petkovic als zweite Einzelspielerin ins Rennen.

Auch Sabine Lisicki, die vor zwei Jahren nach ihrem Turniersieg in Charleston in der gleichen Situation wie Petkovic war, glaubt an die Bodenständigkeit der deutschen Nummer eins: "Andy kommt mit dem Rummel gut klar", erklärte die Berlinerin.

Im "Hotel Mama" tankt Petkovic auf

Bodenhaftung geben Petkovic vor allen Dingen bestimmte Rituale. Zum Beispiel die Treffen mit den Freunden aus der Musikszene in Darmstadt.

"Ich glaube, ich könnte alle Grand-Slam-Turniere hintereinander gewinnen und Olympische Spiele - und keiner von meinen wirklichen Freunden, würde mich auf Tennis ansprechen", erzählte Petkovic.

Beim Abendessen mit den Kumpels nach der Rückkehr aus Florida haben diese sogar die Autogrammjäger ignoriert. "Da habe ich mich", sagt "Petko", "richtig normal gefühlt."

Auch im "Hotel Mama" tankt die Politik-Studentin, die noch zuhause wohnt, regelmäßig auf.

Einen Sonderstatus genießt sie dort aber auch nach den jüngsten Erfolgen nicht: "Ich bin ja ein Hotelkind. Wenn ich etwas stehen lasse, fragt meine Mutter sofort: 'Sag mal, sehe ich aus wie dein Room-Service?'", meinte Petkovic.

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