vergrößernverkleinern
Anke Huber war beim letzten deutschen Fed-Cup-Gewinn als Aktive dabei © getty

Anke Huber spricht vor dem Fed-Cup-Duell mit den USA über Chancen und Grenzen des "Petko-Hypes" und deren spezielle Art.

Von Martin Hoffmann

München - Deutschland gegen die USA im Fed Cup: Es sieht wie die denkbar schwerste Aufgabe aus.

Aber: Ohne die Williams-Schwestern tritt das Team von Mary Joe Fernandez ersatzgeschwächt an, so dass sich dem DTB-Team eine blendende Chance bietet, in die Weltgruppe zurückzukehren - und wieder um den Sieg mitzuspielen (DATENCENTER: Fed-Cup-Playoffs).

Der gelang den deutschen Damen das letzte Mal vor 19 Jahren - damals stand die jetzige Trainerin Barbara Rittner neben Anke Huber auf dem Platz.

Die 36-Jährige, die in Ihrer Karriere zwölf Einzel-Titel gewann, war hinter Steffi Graf das zweite Gesicht der besten Zeit im deutschen Damentennis. In Stuttgart wird sie live dabei sein, wenn Andrea Petkovic und Co. ihr nacheifern wollen.

Im SPORT1-Interview spricht Huber über die Chancen im Match gegen die USA und die spezielle Art von Petkovic.

SPORT1: Barbara Rittner schiebt die Favoritenrolle immer noch den ersatzgeschwächten USA zu. Zu viel der Bescheidenheit?

Huber: Nein, da nimmt sie einfach ein bisschen Druck von den Mädchen. Das ist vielleicht gar nicht so schlecht.

SPORT1: Was trauen Sie Deutschland zu?

Anke Huber: Relativ viel. Auch wenn Venus Williams gespielt hätte, hätten sie eine gute Chance gehabt. Andrea Petkovic ist in Hochform, sie hat Selbstvertrauen und wird Ihre Einzel gewinnen - somit ist die Aufgabe auf jeden Fall machbar. Und auch Julia Görges hat ja zuletzt sehr gut gespielt in den USA. Die beiden Amerikanerinnen sind aber nicht zu unterschätzen - auch wenn Sie denen, die nicht viel mit Tennis zu tun haben, recht unbekannt sind.

SPORT1: Wo sind die Stärken von Melanie Oudin und Christina McHale?

Huber: Sie haben beide nicht die eine, spezielle große Stärke, aber sie sind sehr griffig und bissig. Die geben nicht auf und sind sehr aggressiv. Beide sind auf der Grundlinie gut.

SPORT1: Wäre ein Sieg gegen die USA noch mal ein Schlüsselerlebnis für das deutsche Damentennis?

Huber: Auf jeden Fall. Wenn Deutschland die Tennis-Nation USA schlägt, das ist immer gut - egal in welcher Besetzung.

SPORT1: Der Hype um Petkovic erhöht auch wieder die Aufmerksamkeit auf das deutsche Damentennis im Allgemeinen. Macht es Ihnen aktuell auch wieder mehr Spaß?

Huber: Ja, natürlich ist es im Moment schön zuzuschauen. Es ist schön, dass es wieder eine deutsche Spielerin unter die Top 20 geschafft hat und die Möglichkeit hat unter die Top Zehn zu kommen. Ich hoffe, dass die Aufmerksamkeit noch größer wird. Natürlich wird es nie wieder so werden wie vor zehn oder 15 Jahren, aber es ist zumindest für den Moment wieder ein Lichtblick.

SPORT1: Was macht Petkovics aktuelle Stärke aus? Wo sehen Sie den entscheidenden Fortschritt?

Huber: Ich glaube, sie hat in den letzten zwei, drei Jahren sehr professionell und viel an sich gearbeitet, ob es mental oder körperlich ist. Das sieht man einfach. Sie spielt aggressiv Tennis und hat auch durch ihre Siege Selbstvertrauen gewonnen. Ich denke es liegt vor allem an der konstanten Arbeit. Sie ist sehr ehrgeizig und weiß genau, wo sie ansetzen muss.

SPORT1: Glauben Sie aus ihrer Erfahrung heraus dass in einem Teamwettbewerb die Aufmerksamkeit auf eine Spielerin auch schädlich sein kann?

Huber: Es kann natürlich immer passieren. Natürlich muss man aufpassen, dass die Aufmerksamkeit nicht nur auf einer Person liegt - aber das war bei uns früher auch nicht anders. Da war auch immer Steffi (Graf, d. Red.) vorne dran, auf ihr ist die Aufmerksamkeit gelegen - und wir haben kein Problem damit gehabt. Es muss ja auch immer eine Führungsspielerin geben. Andrea ist auch keine, die arrogant durch die Gegend läuft. Sie ist eine absolute Teamspielerin. Ich denke, da gibt es keine großen Probleme.

SPORT1: Petkovic gewinnt zusätzliche Sympathien durch flotte Sprüche und kleinen Einlagen. Finden Sie das vorbehaltlos gut - oder kann das auch zum Bumerang werden?

Huber: Ich finde es gut. Es ist bei ihr authentisch und keine Show. Das ist einfach sie und ich mag sie dafür unheimlich gern. Sie ist locker, witzig und macht mal 'nen Spruch. Aber ich denke nicht, dass es bei ihr negative Auswirkungen haben könnte. Es muss nicht jeder so sein wie Steffi oder ich damals waren und nur geradeaus schauen. Es ist mal ein frischer Wind.

SPORT1: Ist die Abschaffung des "Petko-Dance" nicht ein Zeichen dafür, dass sie realisiert, dass man das auch in den falschen Hals bekommen kann?

Huber: Wahrscheinlich schon. Aber ich denke, wenn das andere Spielerinnen negativ aufgefasst haben, war das nicht ihre Absicht. Aber wer weiß, ob das zum Beispiel mit Maria Scharapowa auch wirklich so war. Diese Aussage: "Vielleicht war sie müde vom Tanzen?" - es war vielleicht nur ein Spaß, der aufgebauscht wurde. Und Andrea denkt sich womöglich einfach, dass sie anstelle des Tanzes mal was anderes machen sollte.

SPORT1: Petkovic träumt schon wieder von einem Fed-Cup-Sieg. Sie waren 1992 im siegreichen Team. Wie ist das, so einen Wettbewerb zu gewinnen?

Huber: Immer etwas Großes, das wird man nie vergessen. Gerade weil es als Einzelspielerin auch immer eine schöne Abwechslung ist, im Team zu spielen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel