Die DTB-Damen Kohde-Kilsch und Graf gewinnen den Fed Cup 1987 - und wie! SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich.

Es war in Deutschland schon tiefe Nacht. Eigentlich hätte ich die Stunden lieber zu Hause verbracht als in der Redaktion. Das Fernsehen zeigte ein Damen-Doppel, an sich sonst nicht unbedingt ein Ereignis, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen.

Doch was ich an diesem 2. August 1987 zu sehen bekam, ließ nicht nur Nerven flattern, es war auch ein Augenschmaus.

Im entscheidenden Doppel des Fed-Cup-Finales zwischen Deutschland und den USA standen sich in Vancouver Claudia Kohde-Kilsch mit Steffi Graf und Chris Evert mit Pam Shriver gegenüber.

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Die US-Girls spielten gegen das deutsche Top-Duo wie sie wollten. Ich war schon ganz verzweifelt: "Warum muss man sich das zur Schlafenszeit antun?" Ich musste - aus dienstlichen Gründen.

Der Uhrzeiger näherte sich 1.30 Uhr deutscher Zeit. Was hatte man zuvor schon für große Spiele von Steffi Graf gesehen. Und dann diese einseitige Abfuhr. Die US-Amerikanerinnen führten 6:1, 4:0.

Das Gute, dachte ich: Bald ist das Match beendet, ich kann nach Hause.

Doch da hatte ich mich getäuscht. Evert/Shriver unterliefen plötzlich Fehler, Kohde-Kilsch/Graf trafen jeden Ball. Es begann nicht nur eine Aufholjagd, sondern die Fans erlebten Traumtennis.

Die Begeisterung auf den Rängen kam auch im Fernsehen hinüber. Das deutsche Duo drehte den Spieß um, gewann noch den zweiten Satz mit 7:5.

Die Frage: War das nur ein Aufbäumen oder hält das Hoch weiter an. Claudia Kohde: "Wir spielten wie in Trance."

Und das Niveau steigerte sich. Evert/Shriver hielten dagegen, Kohde/Graf legten wieder vor. Sensationelle Ballwechsel folgten bis zur 5:4-Führung des deutschen Duos im dritten Satz. Dann der Matchball. Kohde: "Da war ich auf einmal hellwach und wurde plötzlich nervös."

Steffi servierte zum Gewinn eines denkwürdigen Damen-Doppels. Kohde erinnert sich: "Hoffentlich spielt Chris Evert den Return nicht auf mich, dachte ich. Mein Volley wäre sonst wohin gegangen. Aber zum Glück retournierte Evert in die Netzwurzel und wir hatten zum ersten Mal den Fed Cup gewonnen."

Ich hatte nie wieder ein sensationelleres Damen-Doppel gesehen.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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