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Mona Barthel rückt locker in die nächste Runde vor
Mona Barthel konnte in ihrer Karriere bislang zwei WTA-Turniere gewinnen © getty

Einst behauptete die Fed-Cup-Debütantin, ihr Name sei Steffi Graf. Bis heute hat sie sich ihren eigenen Kopf bewahrt.

Stuttgart - Mona Barthel hat ihren eigenen Kopf.

Das war schon früher so, als sie auf die Frage nach ihrem Namen wie selbstverständlich antwortete: "Steffi Graf".

Das ist zwar fast zwei Jahrzehnte her, aber die Fed-Cup-Debütantin sticht auch heute noch aus der Masse der Spielerinnen auf der Profitour hervor.

Mona Barthel, die am Wochenende im Relegationsspiel gegen Serbien in Stuttgart als zweite Einzelspielerin antreten wird, tickt anders.

Glückwünsche landen im Nichts

Als die 22-Jährige im Februar überraschend das hochkarätig besetzte Hallenturnier in Paris gewann, gab es im sozialen Netzwerk viele Glückwunsche für die große Blonde aus Neumünster.

Der Haken: Barthel ist weder bei Twitter noch bei Facebook angemeldet.

Anders als der Rest des Fed-Cup-Teams um die Nummer eins Angelique Kerber, der sämtliche Plattformen nutzt, um die Fans am Alltag teilhaben zu lassen.

"Ein Traum, hier zu spielen"

Barthel ist stolz darauf, dass sie zum Beispiel ihre Tennis-Kleider zum Teil selbst näht. Kreativität ist ihr wichtig, sie macht eben lieber ihr eigenes Ding.

Das wird auch in den Tagen von Stuttgart deutlich. Wenn sich Kerber, Andrea Petkovic, Sabine Lisicki, Anna-Lena Grönefeld und Teamchefin Barbara Rittner scherzhaft necken, hält sich die introvertierte Barthel lieber im Hintergrund.

Was nicht heißt, dass sie die Gesellschaft der anderen nicht zu schätzen weiß - im Gegenteil: "Ich genieße es. Wir haben ein tolles Team und viel Spaß. Sonst ist man auf der Tour ja meist alleine unterwegs", sagte die Einser-Abiturientin (1,9) mit der unaufgeregten Stimme und fügte an: "Es ist ein Traum von mir, hier zu spielen."

Vorteil gegenüber Lisicki

Dieser Traum wird sich für Barthel nun erfüllen, die hinter der Weltranglisten-Sechsten Kerber als Nummer 28 des Rankings zweitbeste Deutsche ist.

"Mona hat viel Potenzial. Ihre Rückhand ist super, ihre Reichweite wahnsinnig gut", lobte Rittner die 1,85 Meter große Rechtshänderin, die viele Experten als kommende Top-Ten-Spielerin sehen.

Im Ringen mit Lisicki um den zweiten Einzelplatz sprechen für Barthel ("Ich mag die Big Points") auch die Zahlen.

Zweimal in diesem Jahr konnte sie bereits die serbische Nummer Ana Ivanovic bezwingen - die Bilanz gegen Bojana Jovanovski lautet 1:0.

Lisicki nur im Doppel

Die Debütantin eröffnet das Playoff-Spiel um die Rückkehr in die Weltgruppe I. Das ergab die Auslosung am Freitag.

Am Samstag (ab 14 Uhr im LIVE-TICKER) trifft Barthel auf die frühere French-Open-Siegerin Ana Ivanovic (WTA-Nr. 17).

Das zweite Einzel bestreiten die Ranglistensechste Angelique Kerber (Kiel) und Bojana Jovanovski (WTA-Nr. 44).

Am Sonntag (11 Uhr) spielen zunächst Kerber und Ivanovic gegeneinander, ehe es im vierten Einzel zum Duell zwischen Barthel und Jovanovski kommt. Für das abschließende und möglicherweise entscheidende Doppel nominierte Teamchefin Barbara Rittner Sabine Lisicki (Berlin) und Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn).

Serbiens Kapitän Dejan Vranes entschied sich für die Paarung Vesna Dolonc/Aleksandra Krunic.

Absage kein Thema mehr

Ansprüche stellte Barthel aber nicht, nachdem sich die Wogen gerade erst wieder geglättet haben.

Im Februar hatte sie ihre Teilnahme an der Playoff-Partie in Frankreich (3:1) aus persönlichen Gründen abgesagt. Was im ohnehin ersatzgeschwächten Team für Unverständnis sorgte.

Nach einem Gespräch mit Rittner am Rande des Turniers in Miami vor ein paar Wochen zählt nur noch die Zukunft.

"Der Fed Cup ist mir sehr wichtig. Ich könnte mir vorstellen, jetzt immer dabei zu sein", meinte Barthel.

Mit der Mutter on Tour

Es passt ins Bild, dass die eigenwillige Frau mit dem blonden Zopf auf einen festen Trainer verzichtet - dafür mit ihrer Mutter Hannelore zu den Turnieren reist.

Den Matchplan tüftelt die passionierte Mathematik-Liebhaberin ohnehin am liebsten selbst aus.

"Das habe ich von klein auf gemacht. Das logische Denken mag ich", berichtete Barthel.

Mittlerweile greift sie ab und an auf die Hilfe der Coaches Robert Orlik und Jacek Szygowsky zurück.

Graf-Fan von Kindesbeinen an

Die Chefin auf und abseits des Platzes bleibt aber Mona Barthel, die sich früher als "allergrößter Steffi-Graf-Fan" bezeichnete.

Damals, als ihr die Mutter Schläger und Outfit der früheren Weltranglisten-Ersten schenkte - in Originalgröße.

Das Racket der damals Dreijährigen hatte bald eine große Delle, "weil ich es nur hinter mit herziehen konnte."

Doch Klein-Mona zog. Schon damals hatte sie ihren eigenen Kopf.

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