vergrößernverkleinern
Tommy Haas rätselt über seine Tennis-Zukunft © getty

Nach seinem Aus und den Schulterschmerzen bei den US Open kann der Deutsche seine Karriere nur nach einem erneuten Eingriff fortsetzen.

New York - Mit einem "Drecksgefühl" flüchtete Tommy Haas aus New York und hinterließ nach dem frühen Scheitern bei den US Open viele offene Fragen.

Die Antworten will der von drei Schulter-Operationen zermürbte 30-Jährige in den kommenden Wochen finden, wenn er sich im sonnigen Florida in Klausur begibt und über die Fortsetzung seiner Karriere entscheidet.

In den Katakomben des Arthur-Ashe-Stadiums gab Haas aber erstmals zu, dass er sich bereits Gedanken über ein Leben nach dem Profi-Tennis gemacht habe. "Man muss der Realität ins Auge schauen", meinte der gebürtige Hamburger in Anspielung auf seine Leidensgeschichte.

Fest steht: Die sportliche Zukunft von Haas scheint nach seinem schwächsten Abschneiden in Flushing Meadows seit acht Jahren ungewisser denn je.

Niederlage gegen Muller

"Nach so einer Niederlage hat man zwei Möglichkeiten. Entweder ich greife noch einmal an, oder ich frage mich, ob ich mir das noch weiter antun will", sagte der Weltranglisten-39. mit Blick auf das 6:2, 6:2, 6:7 (5:7), 3:6, 3:6 in der zweiten Runde gegen den Qualifikanten Gilles Muller (Luxemburg).

Doch der frustrierte Haas versprühte nach dem frühen K.o. bei seinem Lieblings-Grand-Slam alles andere als Angriffslust.

Vielmehr war dem Davis-Cup-Spieler die innere Zerrissenheit gepaart mit einer Portion Ratlosigkeit deutlich anzumerken.

Noch keine genauen Pläne

Pläne für die Hallensaison hat Haas noch nicht. Wie lange die folgende Pause dauert, weiß er auch noch nicht.

Sicher ist sich Haas nach zwölf Jahren in der Knochenmühle nur über eine Sache: So wie momentan soll und kann es nicht weitergehen.

"Es ist mental sehr hart, wenn man immer wieder Rückschläge hinnehmen muss. Wenn man nicht weiß, ob die Schulter beim Trainieren im Fitnessstudio hält", erklärte Haas und gewährte einen seltenen Blick in seine Gefühlswelt.

Am Schlagarm behandelt

Wohlwissend, dass "das Herz eines Tennisspielers die Schulter ist", wie der ehemalige Profi Carl-Uwe Steeb einst anmerkte.

Auch gegen den in der Weltrangliste 91 Plätze schlechter rangierenden Muller musste sich Haas wegen Schmerzen im Schlagarm behandeln lassen, die von der lädierten Schulter rühren.

Der Wahl-Amerikaner hatte sogar Physiotherapeut Klaus Eder einfliegen lassen - diesmal ohne Erfolg.

Schritt in die Rente fällt schwer

Haas wollte sogar eine vierte Operation nicht ausschließen, ging aber nicht weiter auf etwaige Pläne ein.

Allerdings dürfte der früheren Nummer zwei der Welt der Schritt in die Rente schwer fallen. "Eigentlich will ich weiterspielen. Der Standard der letzten Monate war gut. Ich bin sicher noch gut genug, hier und da ein Halbfinale zu erreichen", merkte Haas an.

Von seinem großen Ziel, irgendwann einmal ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, scheint sich der Florida-Boy aber längst verabschiedet zu haben.

Verstärkt mit der Zukunft beschäftigt

Besonders in den letzten Wochen muss sich Haas, der wegen der Beschwerden in diesem Jahr die Australian und French Open absagen musste, verstärkt mit seiner Zukunft beschäftigt haben.

Nach seinem Drittrunden-Aus in Wimbledon im Juni hatte er noch behauptet, wenn man über die zweite Karriere nachdenke, dann könne man "den Schläger gleich liegen lassen".

Dass nicht nur an Haas der Zahn der Zeit nagt, bewies das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres nur allzu deutlich.

Auch Kiefer, Schüttler und Kohlschreiber gaben auf

Der 31-jährige Nicolas Kiefer musste wegen allgemeiner Erschöpfung sein Erstrunden-Match ebenso aufgeben wie Rainer Schüttler (32), der an einer Stirnhöhlenentzündung litt.

"Ich muss in Zukunft noch mehr auf meinen Körper achten", betonte Kiefer, der seine Pläne für eine Teilnahme an Olympia 2012 revidierte: "Ich glaube, dass kann ich knicken."

Auch Philipp Kohlschreiber gab an den Folgen seiner Oberschenkel-Verletzung leidend auf.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel