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Philipp Kohlschreiber hat schon jetzt sein bestes Ergebnis in Paris erreicht © getty

Philipp Kohlschreiber setzt sich in einem Match über zwei Tage und fünf Sätze gegen Ferrero durch. Eine Favoritin fliegt raus.

Paris - Nach einer schlaflosen Nacht hat sich Philipp Kohlschreiber bei den French Open den großen Auftritt verdient.

In einer Berg- und Talfahrt über zwei Tage rang er den früheren Paris-Sieger Juan Carlos Ferrero aus Spanien 6:4, 2:6, 6:4, 6:7 (3: 7) 6:3 nieder und darf gegen den Weltranglistenvierten Novak Djokovic aus Serbin nun auf einem der großen Courts in Roland Garros am Samstag erstmals um den Einzug ins Achtelfinale spielen.

Das Match gegen Ferrero hatte Kohlschreiber nach einer Unterbrechung wegen Dunkelheit am Donnerstag schon die ganze Nacht beschäftigt.

"Ich habe im Kopf schon alles durchgespielt. Ich wusste ja nicht, was mich erwartet", sagte der 25-Jährige. Gefühlte zwei Stunden habe er gebraucht um einzuschlafen, auch danach lag er dann immer wieder wach.

Abbruch wegen Dunkelheit

Während der gebürtige Hamburger Tommy Haas sein Drittrundenmatch gegen den Franzosen Jeremy Chardy durch einen Fünfsatzsieg über Qualifikant Leonardo Mayer (Argentinien) am Donnerstag längst gesichert hatte (Haas kämpft sich durch), musste Kohlschreiber auf Nebenplatz 17 gleich zweimal ran:

Vier Sätze lang standen sich der Augsburger und Ferrero bereits am Donnerstag gegenüber, ehe die einsetzende Dunkelheit um kurz vor halb Zehn zur Unterbrechung führte.

"Kohli" kleinlaut

Schon jetzt hat Kohlschreiber beim fünften Anlauf aber sein bestes Resultat in Paris erzielt.

Achtelfinals bei einem Grand hat er bislang nur bei den Australian Open 2005 und 2008 erreicht. In Paris steht davor nun allerdings einer der besten Spieler der Welt.

"Djokovic ist der haushohe Favorit, und das wird sehr, sehr schwer", sagt der ansonsten so forsche Kohlschreiber regelrecht kleinlaut (Auch "Kiwi" ist schon raus).

Starke Schwankungen

In den den 3 Stunden und 33 Minuten Spielzeit gegen Ferrero erlebte Kohlschreiber fast ein Spiegelbild der vergangenen Monate und schwankte in einem kuriosen Match zwischen stark und schwach.

Insgesamt 19 Breaks - 10 für Kohlschreiber, 9 für Ferrero - machten das Spiel lange zu einem Roulette. Kohlschreiber: "Aber das heißt ja nicht, dass das Spiel schlecht war. Wir sind eben beide keine Aufschlagriesen und haben gut retourniert."

Ferrero abgerutscht

Im Entscheidungssatz gegen Ferrero schaffte es Kohlschreiber erst im fünften Spiel, als Erster seinen Aufschlag durchzubringen. Dann brachte er die "Zusatzsschicht" nach insgesamt 40 Minuten endlich zu Ende, schulterte seine Tennistasche und winkte noch einmal den Zuschauern zu.

Ferrero hatte 2003 in Paris seinen einzigen Grand-Slam-Titel gewonnen. Mittlerweile ist der frühere Weltranglistenerste auf den 103. Platz abgerutscht.

Folgen den Worten Taten?

Zuletzt hatte Kohlschreiber für Aufsehen gesorgt, als er sich nach nur einem halben Jahr von seinem Trainer Thomas Hogstedt trennte. Der Schwede hatte bei Amtsantritt noch verkündet, Kohlschreiber habe das Zeug zur Nummer eins.

Sein Kurzzeit-Schützling löst auch die eigenen Ankündigungen bislang viel zu selten ein.

Die Weltranglistenspitze ist auch das erklärte Ziel von Djokovic. Gegen den Australian-Open-Sieger von 2008 hat Kohlschreiber bislang einmal gespielt: 2008 gab es auf Hartplatz in Indian Wells eine 3:6, 2:6-Niederlage.

Schlappe für Venus, Nadal locker weiter

Die erste große Überraschung der French Open erlebte derweil Wimbledonsiegerin Venus Williams aus den USA. Die Nummer drei der Setzliste musste sich in ihrem Zweitrundenmatch Agnes Szavay aus Ungarn 0:6, 4:6 deutlich geschlagen geben.

Der Spanier Rafael Nadal hat seine Siegesserie bei den French Open dagegen fortgesetzt und ist weiter auf dem Weg zum fünften Titelgewinn nacheinander.

Mit einem 6:1, 6:3, 6:1 in der dritten Runde über den Australier Lleyton Hewitt ist Nadal in Paris nun seit 31 Spielen in Folge ungeschlagen.

Eine bessere Bilanz hat auf der roten Asche von Roland Garros noch nie ein Spieler oder eine Spielerin hingelegt.

Im Achtelfinale trifft Nadal auf seinen Landsmann David Ferrer oder Robin Söderling aus Schweden.

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