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Philipp Kohlschreiber zwang Novak Djokovic in drei Sätzen in die Knie © getty

Philipp Kohlschreiber zwingt Djokovic bei den French Open völlig überraschend in die Knie. Auch Tommy Haas steht im Achtelfinale.

Paris - Deutscher Glanztag auf roter Asche:

Philipp Kohlschreiber hat für die bislang größte Überraschung der French Open gesorgt und ist Tommy Haas ins Achtelfinale gefolgt.

Kohlschreiber warf den Weltranglistenvierten Novak Djokovic aus Serbien mit einem 6:4, 6:4, 6:4 in der "Stierkampfarena" von Roland Garros aus dem Rennen.

Der Augsburger feierte damit seinen bislang größten Erfolg beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt. Kohlschreiber verwandelte nach nur 2:21 Stunden gleich den ersten Matchball. (DATENCENTER: Ergebnisse French Open)

"Er hat unglaublich gut gespielt"

"Das war das beste Match meines Lebens", sagte der 25-Jährige, dachte aber gleich schon eine Runde weiter: "Ich muss das realistisch sehen. In der nächsten Runde habe ich nichts mehr davon."

Am Montag ist der an Nummer 16 gesetzte Spanier Tommy Robredo sein nächster Gegner.

Der gestrauchelte Favorit Djokovic musste Kohlschreibers Leistung anerkennen: "Er hat unglaublich gut gespielt. Taktisch und mental war er sehr gut, und ich hatte dagegen keine Lösungen. Ich habe einfach nie meinen Rhythmus gefunden."

Bestes Resultat seit 13 Jahren

Nur wenige Stunden zuvor hatte Haas auf demselben Court mit einem 7:5, 6:3, 4:6, 6:4 über Jeremy Chardy aus Frankreich zum zweiten Mal nach 2002 das Achtelfinale erreicht und damit den Weg zum besten deutschen Ergebnis in Paris seit 13 Jahren bereitet:

1996 hatten in dem späteren Finalisten Michael Stich und Bernd Karbacher zum letzten Mal zwei Deutsche in der vierten Runde des Grand Slams gespielt.

Für die Schlagzeile des Tages aber sorgte der groß aufspielende Kohlschreiber, der es nun mit dem an Nummer 16 gesetzten Spanier Tommy Robredo zu tun bekommt.

Kein Respekt vor Djokovic

Gegen den "haushohen Favoriten" (Kohlschreiber) zeigte er von Beginn an freilich nur wenig Respekt. Mit präzisen Grundlinienschlägen, schnellen Beinen und gefühlvollen Stops war er praktisch von Beginn an auf einem Niveau mit dem Australian-Open-Sieger von 2008.

Über die teils starken Böen im sonnigen Paris meckerten zwar beide, doch letztlich blieb Kohlschreiber ganz cool.

Nach einem tollen Passierball spendete sogar Djokovic Applaus für den Augsburger und auf der Tribüne feierte Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen seinen Schützling.

Haas spielt fast makellos

Tommy Haas, der zwei Sätze lang ebenfalls fast makelloses Tennis gespielt hatte, dann aber etwas einbrach und die Partie auch mit Glück über die Runden brachte, war zu diesem Zeitpunkt längst geduscht und ganz entspannt.

"Ich habe nicht damit gerechnet, hier ins Achtelfinale zu kommen", sagte Haas, "das hat streckenweise viel Spaß gemacht. Vor allem die ersten beiden Sätze waren sehr gut, sehr konstant."

Als Belohnung folgt nun das Duell mit Roger Federer, der in vier Sätzen gegen Paul-Henri Mathieu gewann.

Wie vor sieben Jahren

Vor sieben Jahren hatte Haas zum bislang einzigen Mal in Paris ein Achtelfinale gespielt. (Haas kämpft sich durch)

Als bislang letztem Deutschen war das vor vier Jahren Nicolas Kiefer gelungen. Haas' beste Ergebnisse bei Grand-Slam-Turnieren sind die Halbfinalteilnahmen bei den Australian Open 2007, 2002 und 1999.

In Paris hatte er in den vergangenen beiden Jahren wegen Schulterproblemen nicht spielen können. Nun ist er mit 31 Jahren ältester noch im Turnier verbliebender Spieler.

Erster Matchball sitzt

Den neun Jahre jüngeren Chardy brachte er zu Beginn des dritten Satzes mit einigen Fehlern selbst wieder ins Spiel.

Auch die Zuschauer wurden plötzlich lauter. "Ich wusste, mit dem Publikum an seiner Seite wird's schwer", sagte Haas.

Als er dann schließlich beim 5:3 im vierten Satz schon seinen ersten Matchball hatte, "bin ich total verkrampft." Wenig später machte er es dann besser.

Federer muss wieder kämpfen

Auch der Schweizer Roger Federer packte den Einzug ins Achtelfinale. Er gewann gegen Paul-Henri Mathieu mit 4:6, 6:1, 6:4, 6:4.

Der Franzose, der in drei Duellen gegen Federer bislang nicht einen einzigen Satz gewinnen konnte, fand gut ins Spiel und holte sich Satz Nummer eins.

Doch der Weltranglisten-Zweite kam zurück und holte sich den zweiten Satz in 25 Minuten. Danach entwickelte sich eine recht ausgeglichene Partie, die Federer nach 2:46 Stunden für sich entscheiden konnte.

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