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Sybille Bammer mit der 7-jährigen Tochter Tina © getty

Sybille Bammer trumpft bei den US Open auf. Sie ist die erste Mama, die seit 1981 beim Grand-Slam-Turnier das Viertelfinale erreicht hat.

New York - Als Sybille Bammer nach 3:03 Stunden harter Arbeit endlich im Viertelfinale der US Open stand, hatte sich ihre erste Gratulantin längst durch alle Sicherheits-Kontrollen geschlichen.

Die siebenjährige Tina rannte wie ein kleiner Blitz auf den Court des Louis-Armstrong-Stadiums und wollte ihre Mutti einfach nur ganz doll knuddeln.

"Ich konnte gar nicht so schnell gucken, da war sie schon da. Sie hat mir gleich gesagt, wie toll ich den Matchball verwandelt habe", erzählte Sybille Bammer nach dem 7:6 (7:3), 0:6, 6:4 gegen Marion Bartoli (Frankreich).

Die Weltranglisten-30. aus Linz ist seit 27 Jahren die erste Profispielerin mit Nachwuchs im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers.

Bammer jetzt gegen Jankivic

Zuletzt hatte das die Australierin Evonne Cawley-Goolagong 1981 bei den Australian Open in Melbourne geschafft.

Bammer, die in der Runde der letzten Acht am Dienstag auf die an zwei gesetzte Jelena Jankovic (Serbien) trifft, gehört damit im Profizirkus einer besonderen Spezies an.

Neben ihr haben von den aktuellen Spielerinnen nur noch die frühere Nummer eins, Lindsay Davenport (USA), und Rossana De Los Rios aus Paraguay Kinder.

Durch Mutterrolle beflügelt

Eine gewisse Portion Stolz war Bammer nach ihrem Sieg dann auch anzumerken. Nicht zuletzt, weil gerade die Mutterrolle sie auf eine ganz besondere Weise beflügelt.

"Andere schlagen die Zeit mit Computerspielen tot oder reden nur vom Tennis. Da ist es mir lieber, ich gehe nach dem Match noch schnell essen und dann mit meiner Familie ins Hotel", berichtet die erste Österreicherin nach Barbara Schett 1999 im Viertelfinale der US Open.

Seit ihre Tochter da ist, haben sich bei Bammer die Prioritäten verschoben, und das bekommt der Linkshänderin offenbar sehr gut.

"Das ist doch nur ein Tennisspiel"

Ihr erstes Turnier gewann die 28-Jährige bezeichnenderweise sechs Monate nach der Geburt von Tina.

"Wenn ich auf dem Platz stehe, sage ich mir oft, das ist doch nur ein Tennisspiel", schildert Bammer die neue Gelassenheit, die sie von Position 1090 (Ende 2001) zwischenzeitlich sogar auf Rang 19 (Ende 2007) führte.

Das weitgereiste Familien-Unternehmen Bammer funktioniert aber nur, weil Sybilles Lebenspartner Christoph Gschwendtner seinen Job an den Nagel hängte. So oft es geht, sind er und Tina bei den Turnieren dabei. In New York wurden Schulsachen gekauft, während die Mama trainierte.

Tina verschlägt's die Sprache

"Wenn wir nicht da sind, gewinnt Sybille nichts", witzelt Gschwendtner gerne, und Bammer bestätigt das: "Wenn Tina mich von der Tribüne anfeuert, macht es besonders Spaß."

Nur einmal verschlug es der quirligen Siebenjährigen die Sprache. Als ihr ein TV-Moderator das Mikrofon hinhielt, zog es Tina vor zu schweigen.

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