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Michael Changs Sieg bei den French Open 1989 blieb sein einziger Grand-Slam-Sieg © getty

Bei den French Open 1989 geht der Stern des Michael Changs auf. Mit Mondbällen und Trickaufschlägen kämpft er Ivan Lendl nieder.

Von Philip Seiler

München - Der Aufschlag "von unten" genießt bei Hobbyspielern Kultstatus. Die Ausgangsposition ähnelt dem normalen Aufschlag.

Kurz vor dem Schlag bricht der Spieler dann die Bewegung ab, lässt den Ball tiefer fallen und spielt ihn überraschend von unten übers Netz. (Ergebnisse: French Open Herren)

Bekannt wurde dieser Schlag im Profitennis vor allem durch Michael Chang. Im French Open-Achtelfinale 1989 war er gegen Ende der Partie so erschöpft, dass er plötzlich von unten aufschlug und seinen Gegner Ivan Lendl damit gleichzeitig aus dem Konzept brachte.

Von Wadenkrämpfen geplagt

Bereits während des vierten Satzes kämpfte der bis dato völlig unbekannte Chang in diesem Spiel mit starken Wadenkrämpfen. Doch der damals 17-jährige US-Amerikaner dachte trotz eines 1:2-Satzrückstandes nicht im Traum daran, aufzugeben.

Stattdessen begann er, "Mondbälle" zu spielen, um die Geschwindigkeit aus dem Spiel zu nehmen und Lendl gleichzeitig zu ärgern. Bei jedem Seitenwechsel trank er so viel wie möglich und aß unzählige Bananen.

Obwohl Chang zwischenzeitlich kaum mehr stehen konnte und bei manchen Schlägen vor Schmerzen schrie, verblüffte er im anderen Moment plötzlich wieder mit unglaublichen Gewinnschlägen.

Lendl lächerlich gemacht

So holte er sich den vierten Satz tatsächlich mit 6:3 und auch im fünften Durchgang hielt er sich mit allen Mitteln, die erlaubt waren, im Spiel. Beim Stand von 4:3 und 15:30 bei eigenem Aufschlag serviert er den Ball plötzlich von unten und bringt Lendl endgültig zur Verzweiflung. (Alle Tennis-News)

Dieser verlor völlig die Fassung, fing nun an, sich mit dem Schiedsrichter und Publikum anzulegen. Chang gewann auch dieses Spiel und hat urplötzlich bei Aufschlag Lendl zwei Matchbälle.

Da griff er erneut in die Trickkiste. Er stellte sich in Erwartung von Lendls Aufschlag ? unter Gelächter des Publikums ? ins Halbfeld und provozierte damit einen Doppelfehler.

Nach vier Stunden und 37 Minuten siegte Chang mit 4:6, 4:6, 6:3, 6:3, 6:3 und fiel weinend auf die Knie. Mit seinem unbändigen Kampfgeist hatte er soeben den Weltranglisten-Ersten und dreimaligen French-Open-Gewinner Ivan Lendl gedemütigt, lächerlich gemacht ? und bezwungen.

Zu kaputt zum Jubeln

Doch damit nicht genug. Chang gewann auch die folgenden zwei Partien und stand sieben Tage später im Finale Stefan Edberg gegenüber.

Gegen den Schweden liegt er dieses Mal mit 1:2-Sätzen und Break zurück. Chang gab erneut nicht auf und griff wie gegen Lendl zu taktischen Mitteln. Er stellte sich weit vor die Grundlinie und nahm die harten Aufschläge schon im Aufsteigen.

Zu guter Letzt schlug er Edberg mit seinen eigenen Waffen, indem er selbst ans Netz ging und ihn in die ungewohnte Defensive trieb. Edberg war zeitweise so durch den Wind, dass der Schiedsrichter ihn an den Seitenwechsel erinnern musste. Am Ende siegte Chang mit 6:1, 3:6, 4:6, 6:4, 6:2 und holte nach insgesamt 21 Stunden und 261 Spielen in Paris den French Open-Titel.

Bis heute ist er mit 17 Jahren und drei Monaten der jüngste Sieger eines Grand Slam-Turniers. 112854(Diashow: Angriff der Tennis-Küken)

Mit einem Titel zur Legende

Allerdings sollte es Changs erster und einziger Titel bei einem der vier großen Turniere bleiben. Zwar erreichte er im Jahr 1995 erneut das Finale von Roland Garros, das er in drei Sätzen gegen den Österreicher Thomas Muster verlor.

Ein Jahr später stand er sowohl bei den Australian Open als auch den US Open im Endspiel. In Melbourne unterlag er Boris Becker in vier, in New York Landsmann Pete Sampras in drei Sätzen.

Insgesamt feierte Michael Chang aber 34 Turniersiege und blieb für mehrere Jahre unter den besten zehn Spielern der Welt. Im August 2003 beendete er bei den US Open seine aktive Karriere.

Durch das Spiel gegen Ivan Lendl wird er uns immer als großes KämpferHerz in Erinnerung bleiben.

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