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Roger Federer arbeitet seit April 2008 mit dem spanischen Trainer Jose Higueras zusammen © getty

Wild entschlossen setzt sich Roger Federer im French-Open-Finale gegen Robin Söderling durch und holt seinen 14. Major-Sieg.

Paris - Überwältigt vom historischen Augenblick sank er auf die Knie und schlug die Hände vor das Gesicht. Mit Traumtennis und Nerven aus Stahl hat sich Roger Federer im Regen von Paris in die sportliche Unsterblichkeit gespielt.

Der Schweizer gewann das Finale der French Open gegen Außenseiter Robin Söderling aus Schweden 6:1, 7:6 (6:1), 6:4 und holte den letzten noch fehlenden großen Titel seiner Karriere. (DATENCENTER: Ergebnisse French Open)

Als sechster Spieler der Tennisgeschichte hat Federer damit bei allen Grand Slams mindestens einmal triumphiert und mit seinem insgesamt 14. Grand-Slam-Sieg zugleich zu Rekordhalter Pete Sampras (USA) aufgeschlossen.

"Vielleicht mein größter Sieg"

"Das ist unbeschreiblich und vielleicht mein größter Sieg. Ich habe keine Worte dafür und ohne die Zuschauer hätte ich es nie geschafft", sagte Federer.

Fast 15.000 Zuschauer auf dem Court Philippe Chatrier standen begeistert auf ihren Plätzen, als Federer aus den Händen von Andre Agassi zum ersten Mal den Coupe de Mousquetaire entgegennahm.

Mit dem Pokal in der rechten Hand lauschte er dann der Nationalhymne, dabei liefen ihm die Tränen über das Gesicht.

Agassi voll des Lobes

Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte Agassi als bislang einziger Spieler der Profi-Ära ebenfalls in Paris das Grand-Slam-Quartett komplett gemacht. "Roger verdient das noch mehr, als ich es verdient habe. In einer Karriere bei allen vier Turnieren zu gewinnen, ist eine der größten Leistungen im Sport überhaupt", sagte Agassi.

Viermal war Federer in den vergangenen Jahren nacheinander am späteren Turniersieger Rafael Nadal in Roland Garros gescheitert, 2005 im Halbfinale, 2006 bis 2008 im Endspiel. (Finale! Federer gewinnt Nervenkrimi)

Diesmal hatte Außenseiter Söderling den Spanier im Achtelfinale sensationell aus dem Turnier geworfen.

Störenfried hat ein Mitbringsel

Im ersten Grand-Slam-Finale seiner Karriere war der 24-Jährige dann aber lange zu unsicher und verpasste den ersten Sieg eines Schweden seit Mats Wilander 1988.

Federer ließ sich auch nicht aus der Fassung bringen, als ein Störenfried zu Beginn des zweiten Satzes plötzlich von der Tribüne auf den Court stürmte und versuchte, dem Eidgenossen eine rote Mütze überzuziehen.

Als die Sicherheitskräfte den Mann schließlich überwältigt hatten, reagierte Federer mit einem Lächeln und spielte im immer stärker werdenen Regen einfach weiter.

Im Endspiel mit alter Leichtigkeit

Wimbledon (5), US Open (5), Australian Open (3) - alle großen Turniere hatte er seit 2003 schon gewonnen und der Druck in Paris war in diesem Jahr spätestens nach dem Aus von Nadal riesengroß. (Federer wehrt im Viertelfinale Monfils-Ansturm ab)

Doch nach einer stürmischen Begrüßung durch die Fans begann er das Endspiel mit alter Leichtigkeit und zauberte immer wieder starke Stopps und Passierbälle auf die rote Asche. Söderling war dagegen sichtlich nervös und konnte vor allem seine gewaltige Vorhand zunächst überhaupt nicht durchsetzen.

"Er ist der beste Spieler der Geschichte. Er war heute zu gut für mich und hat es verdient", meinte Söderling.

Auch noch Lendl eingeholt

Ein Jahr nach seiner demütigenden Dreisatzniederlage gegen Nadal schrieb sich Federer nun nach Agassi, Fred Perry, Don Budge, Rod Laver, Roy Emerson in die Siegerliste bei allen Grand Slams ein.

Und auch Sampras hat er im Grunde überflügelt, denn der schaffte bis zu seinem offiziellen Rücktritt 2003 nie einen Sieg in Paris. Federer gelang das Kunststück in seinem 19. Finale bei einem Major - auch hier ist er gemeinsam mit Ivan Lendl Rekordhalter.

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