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Tommy Haas stand auch 2007 im Achtelfinale von Wimbledon © getty

Mit dem Sieg im Marathon-Match gegen Cilic ist für Haas das Glück in Wimbledon zurückgekehrt. Das Umfeld stärkt ihm den Rücken.

London - Das Glück kommt zu dem, der Warten kann. Heißt es.

Tommy Haas musste lange warten in Wimbledon, Glück hatte er selten. Bis jetzt. Erstmals in seiner 13-jährigen Profikarriere kann er am Montag (ab 13 Uhr LIVE) beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt um den Einzug ins Viertelfinale spielen und ist dabei gegen den Russen Igor Andrejew keineswegs chancenlos.

Es ist der späte Lohn für eine Reihe von Pleiten, Pech und Pannen in London SW19. "Ich habe nie aufgehört, an mein Spiel zu glauben", sagte der 31-Jährige, "auch wenn hier schon so viel gegen mich gelaufen ist."

Haas nervenstark

Auf seine alten Tage blüht der gebürtige Hamburger noch einmal auf.

In dem über zwei Tage dauernden Marathonmatch in der dritten Runde gegen den elf Jahre jüngeren Kroaten Marin Cilic zeigte er Kampfkraft, Nervenstärke und Durchhaltevermögen wie selten zuvor.

Der 7:5, 7:5, 1:6, 6:7 (3:7), 10:8-Erfolg in insgesamt 4:28 Stunden Spielzeit gehörte zum Besten und Dramatischsten, was man bislang von dem ehemaligen Weltranglisten-Zweiten gesehen hat. (Lisicki und Haas im Achtelfinale)

"Ich hatte Glück"

Schon als die beiden Kontrahenten am späten Freitagabend beim Stand von 6:6 im fünften Satz wegen der zu großen Dunkelheit den Platz verlassen mussten, wurden sie von den Zuschauern mit Ovationen verabschiedet.

Beide hatten bis dahin jeweils zwei Matchbälle abgewehrt. Haas konnte seine bei 5:4 im vierten Satz nicht nutzen und wehrte die des 1,98 Meter langen Kroaten bei 5:6 im letzten Spiel am Freitag ab, nachdem er zuvor auch Rückstände von 0:3 und 3:5 aufgeholt hatte.

"Ich hatte Glück, dass ich überhaupt in die Verlängerung gekommen bin", sagte er, "vor zehn Jahren hätte ich dieses Match sicher verloren."

Viel Pech in Wimbledon

So blieb die Fortsetzung der anscheinend ewigen "Haas-scheitert-tragisch-in-Wimbledon"-Geschichte aus. 120984(DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon)

Schon vor zwei Jahren hatte der Deutsche ja bereits die Runde der letzten 16 erreicht, konnte dann aber am Montag wegen einer Bauchmuskelzerrung nicht gegen Roger Federer antreten.

2005 trat er beim Einspielen für sein Erstrundenmatch gegen Janko Tipsarevic auf einen Ball und erlitt eine Bänderverletzung. 2002 musste er wegen des schweren Motorradunfalls seiner Eltern passen und im Jahr davor wegen einer Magenverstimmung ("Brokkoli mit Käsesoße") aufgeben.

"Ich schaue von Match zu Match"

Aber jetzt scheint alles gut. Der Verlauf des Frühjahrs ist erstaunlich. Auf dem ungeliebten Sand von Paris hatte er den großen Roger Federer am Rand einer Niederlage. (DATENCENTER: Ergebnisse aus Wimbledon)

In Halle/Westfalen schrieb er deutsche Tennisgeschichte, als er eine Sammlung von mindestens einem Turniersieg auf allen vier Bodenbelägen komplettierte. Das hatte vor Haas nur Michael Stich geschafft.

"Ich habe halt immer irgendwie weiter gemacht. Und so schaue ich hier auch nur von Match zu Match", sagt er.

Die dreimal operierte Schulter hält zurzeit, die Wärme in London hilft und auch die langsamer gewordenen Plätze. Vor allem aber das derzeit offenbar intakte Umfeld.

Unterstützung vom Team

Die Verlobte Sarah Foster unterstützt ihn in der Box und holt abends indisches Essen, Physio Alex Stober kümmert sich um den Körper und Coach Thomas Hogstedt ist fürs Tennis und als Blitzableiter der gelegentlichen Wutanfälle zuständig.

"Die richtigen Leute dabeizuhaben, ist sehr wichtig", erklärt Haas seinen x-ten Frühling, "und ich bin gesund und fit und weiß, dass ich immer noch viele Leute schlagen kann.

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