vergrößernverkleinern
Tommy Haas gewann 2009 das Rasenturnier von Halle/Westfalen © getty

Tommy Haas glaubt vor dem Halbfinal-Duell in Wimbledon gegen Roger Federer an seine Chance. Auch der Schweizer zeigt Respekt.

London - "Das Match ist noch nicht vorbei!"

Das sagen sie alle, aber was von anderen Spielern vor einem Duell mit Roger Federer wie das Pfeifen im dunklen Wald klingt, bringt Tommy Haas am Tag vor dem Halbfinale (Sensation! Haas im Halbfinale) gegen den Schweizer (Fr, ab 14 Uhr LIVE) in Wimbledon tatsächlich glaubwürdig rüber.

Der 31-jährige Deutsche kann in diesen Wochen anscheinend sportliche Wunder vollbringen, und er selbst glaubt auch daran.

"Ich spiele so gut wie hier noch nie in meiner Karriere", sagt er. Zu Recht.

"Unglaublicher Erfolg"

Manchmal möchte man ihn schütteln und schreien: "Warum erst jetzt?"

Haas in der Verfassung dieses Frühjahrs löst ein Versprechen ein, das er seit seinem Karrierebeginn vor 13 Jahren viel zu selten gehalten hat.

Er kann ein Weltklassespieler sein. Dass er zum vierten Mal in der Vorschlussrunde eines Grand-Slam-Turniers (DATENCENTER: Ergebnisse aus Wimbledon) steht, ist ein "unglaublicher" Erfolg.

Angesichts seiner Fähigkeiten nach bereits 41 Starts auf Major-Turnieren aber eigentlich viel zu wenig.

Federer und Haas sind gute Kumpels

"Tommy ist sehr talentiert, er ist einer der Spieler mit dem meisten Ballgefühl überhaupt", sagt Roger Federer.

Der große Schweizer, der nur noch zwei Siege vom Rekord von 15 Grand-Slam-Titeln 124117 (DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon) entfernt ist, schätzt seinen deutschen Gegner mehr als dessen sportliche Erfolge allein das rechtfertigen würden.

Man trainiert regelmäßig miteinander und geht auch mal zusammen essen. "Er ist ein guter Kumpel", sagt Federer, "es ist schön, dass er jetzt wieder zurück ist."

Ja, es gab drei Schulteroperationen und immer wieder gesundheitliche Probleme, die natürlich größeren Erfolgen im Weg standen. Aber das war es ja nicht allein.

Zu lange auf sein Talent verlassen

Viel zu lange in seiner Laufbahn verließ sich der gebürtige Hamburger allein auf sein überragendes Talent.

Da wurde Burger gegessen und mal kurz zwischen zwei Turnieren in Europa in die USA gejettet, um die Freundin zu sehen. Und so fort.

Coaches, die professionelle Einstellung forderten, wurden gefeuert, kamen wieder, wurden nochmal gefeuert.

"Einige sind schon in sehr jungen Jahren sehr reif und andere nicht", sagt Haas, und man weiß, dass er über sich spricht und über Spieler wie Federer oder Rafael Nadal und Novak Djokovic:

"Einige haben das richtige Team um sich und andere nicht." Auch das ist jetzt offenbar richtig.

Högstedt wieder im Team

Die Verlobte Sara Foster sorgt für das seelische Gleichgewicht, Physiotherapeut Alex Stober kümmert sich um die Schulter und Trainer Thomas Högstedt um das Spiel.

Seit Mai ist der Schwede, mit dem Haas von 2006 bis September 2007 bereits zusammengearbeitet hat, wieder im Team.

"Wir sind immer in Kontakt geblieben", sagt Haas, "er hilft meinem Spiel."

Irgendwann hat es dann also doch noch geklickt bei dem Wahlamerikaner. Die Schulterprobleme und das fortschreitende Alter mögen nachgeholfen haben.

Federer am Rande der Niederlage

"Ich bin noch jung, ich habe noch viel Zeit, etwas Großes zu gewinnen", behauptete er während seiner gesamten Karriere. Jetzt hat er begriffen, dass so viel Zeit nicht bleibt, und was ihm sein Sport und Job bedeutet:

"Ich bin glücklich, dass ich den Sport, den ich liebe, so lange ausüben und leben konnte."

Er spielte schon im Mai in Madrid sehr gut, hatte Roger Federer auf Sand bei den French Open am Rand einer Niederlage und gewann anschließend in Halle/Westfalen seinen ersten Titel auf Rasen.

Seit zehn Spielen ungeschlagen

"Das bedeutet mir unglaublich viel", sagt Haas, "ich bin damit einer der wenigen Spieler, die Titel auf allen vier Belegen gewonnen haben. Danach hat es Klick gemacht."

Zehn Spiele in Folge ist er jetzt auf Rasen ungeschlagen, spielt in Wimbledon perfektes Serve und Volley wie aus einer anderen Zeit und präsentiert sich wie ein Titelfavorit.

Stünde da nicht am Freitag Roger Federer auf der anderen Seite des Netzes, gegen den er bei elf Versuchen nur zweimal gewinnen konnte - zuletzt vor siebeneinhalb Jahren.

"Roger ist wahrscheinlich derjenige, der eines Tages als bester Spieler aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen wird", sagt Haas, "das ist eine hohe Hürde, aber ich werde versuchen, ihn ein bisschen zu ärgern." Könnte klappen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel