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Freundschaftliche Geste der Gegner: Andy Murray (l.), Roger Federer © getty

Mit dem Sieg bei den US Open straft Roger Federer seine Kritiker Lügen. Einer Tennis-Legende könnte er bald den Rang ablaufen.

New York - Nach knapp zweistündiger Gala in New York war wieder alles Roger: Als er die richtige Antwort auf drohende Selbstzweifel und düstere Prognosen gegeben hatte, haute es Roger Federer erstmal um.

Auf dem Rücken liegend bejubelte der Schweizer seinen fünften US-Open-Erfolg in Serie und feierte eine besondere Wiederauferstehung.

"Ich habe ein hartes Jahr durchlebt. Dieser Titel ist deshalb ein ganz spezieller. Er bedeutet mir sehr viel und hat einen süßen Beigeschmack", meinte Federer mit Blick auf eine bis dato eher enttäuschende Saison ohne einzigen Grand-Slam-Coup.

"Bester Spieler aller Zeiten"

Was sich im Halbfinale angedeutet hatte, brachte Altmeister John McEnroe nach Federers souveränem 6:2, 7:5, 6:2 im Endspiel gegen Andy Murray (Großbritannien) auf den Punkt: "Der Meister ist zurück."

Auch Finalgegner Murray sah sich nach der Lehrstunde darin bestätigt, "dass ich Roger für den besten Spieler aller Zeiten halte".

Fester Glaube an die eigene Stärke

Nach den demütigenden Final-Niederlagen gegen Rafael Nadal in Paris und Wimbledon, dem Verlust der Weltranglisten-Führung an den Spanier sowie der verpassten olympischen Einzel-Medaille schlug Federer zurück - und wollte seine Genugtuung darüber gar nicht erst verbergen.

"Als es nicht so lief, ist alles dramatisiert worden. Jeder dachte, er müsste mir irgendwie helfen. Das war nervig", sagte der 27-Jährige trotzig: "Deshalb fühlt sich dieser Erfolg so gut an."

Im Gegensatz zu vielen Kritikern hatte Federer ("Ich habe immer positiv gedacht") nach dem Abklingen des Pfeifferschen Drüsenfiebers Anfang des Jahres stets an seine Stärken geglaubt.

Federer jagt Sampras-Rekord

Mit verloren geglaubter Dominanz und ungewohnten Emotionen schrieb Federer in Flushing Meadows ein neues Kapitel Geschichte. Dem Doppel-Olympiasieger gelangen als erstem Tennisprofi jeweils fünf aufeinanderfolgende Siege bei zwei unterschiedlichen Major-Turnieren (US Open und Wimbledon).

Dass der neue, alte Federer schon bald eine weitere Bestmarke für die Ewigkeit aufstellen wird, glauben nach den Tagen von New York ohnehin viele. Nach seinem 13. Triumph ist Federer nur noch einen Grand-Slam-Erfolg von Rekordhalter Pete Sampras (14/USA) entfernt.

"Ich denke, Roger wird locker 16, 17 oder sogar 18 Majors gewinnen. Er dominiert dieses Spiel viel mehr, als ich es getan habe", lobte Sampras den Schweizer, der in dieser Saison bislang zwölf Niederlagen kassiert hat - so viele wie seit 2003 nicht mehr.

"Junge Wilde" machen Druck

Für Federer selbst hat die Jagd nach Rekorden keine Priorität mehr. Eher die nach der Nummer eins. "Es war schon hart, diese Position zu verlieren. Aber nächstes Jahr werde ich wieder voll angreifen. Da ist vieles möglich", sagt der einstige Dominator.

Federer ist aber auch Realist genug, um zu wissen, dass die "jungen Wilden" wie Murray oder die beiden 19-Jährigen Juan Martin Del Potro (Argentinien) und Marin Cilic (Kroatien) den Besten im Nacken sitzen.

Weitere Herausforderungen warten

Darüber wollte sich der Eidgenosse, der 237 Wochen den Platz an der Sonne inne hatte, nach dem Finale aber erstmal keine Gedanken machen.

Vielmehr plante Federer, den Sieg im "Big Apple" zusammen mit Freundin Mirka, Vater Robert und Mutter Lynette bei "einem Glas Champagner" zu genießen. Mirka hatte dafür gesorgt, dass sich ihr Roger den Triumph aus einer neuen Perspektive anschauen kann.

Die frühere Profispielerin war nach dem verwandelten Matchball einzig damit beschäftigt, Federers emotionalen Ausbruch mit der Kamera festzuhalten.

Obwohl Federer schon an 2009 denkt, warten in diesem Jahr noch einige Herausforderungen: das Davis-Cup-Spiel in seiner Heimatstadt Basel gegen Belgien (19. bis 21. September) und der Masters Cup in Schanghai (9. bis 16. November), den Federer in den letzten fünf Jahren viermal gewonnnen hatte.

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