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Tommy Haas erreichte bei den US Open bisher dreimal das Viertelfinale © getty

Tommy Haas nimmt sich bei seinem Lieblingsturnier US Open eine Legende zum Vorbild. Am DTB übt er derweil scharfe Kritik.

New York - Die Vorfreude auf sein Lieblingsturnier in Flushing Meadows lässt sich Tommy Haas eigentlich von nichts nehmen.

Die Regenausläufer des tropischen Sturms "Danny" verdarben ihm nicht die Laune, Haas stimmte sich mit einem Helikopter-Flug und dem Besuch bei den Baseballern der New York Yankees auf die am Montag beginnenden US Open (alle Spiele ab 17 Uhr LIVESCORES) eingestimmt.

Das einzige, was dem Wimbledon-Halbfinalisten offensichtlich die Stimmung verhageln kann, sind die Zukunftsperspektiven des deutschen Tennis.

"Der Tennisbund ist leider tief gesunken und findet kaum Sponsoren. Dort arbeiten zu viele falsche Leute", sagte Haas dem "Focus" mit Blick auf den DTB.

Es gebe weder ein Masters Turnier, noch Hallenturniere, so dass sich junge Spieler nicht auf hohem Niveau entwickeln könnten, klagt Haas weiter: "Eine Katastrophe!"

Sieg in New York noch nicht abgehakt

Funktionärsschelte hin oder her, sein ganz großes Ziel verliert der 31-Jährige nicht aus dem Blick.

"Er träumt immer noch davon, dieses Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Der Erfolg von Wimbledon hat Tommy viel Motivation und Selbstvertrauen gegeben", sagt Haas-Trainer Thomas Högstedt vor dem Erstrunden-Match seines Schützlings gegen den Qualifikanten Alejandro Falla (Kolumbien).

"Ich bin blendend aufgelegt"

Ausgerechnet an dem Ort, an dem seine Karriere im vergangenen Jahr wegen seiner erneut schmerzenden Schulter am seidenen Faden zu hängen schien, will der Wahl-Amerikaner Haas seinen diesjährigen Höhenflug fortsetzen.

"Ich kann es kaum noch erwarten, dass es endlich losgeht. Ich bin blendend aufgelegt. Wenn man hier auf den großen Plätzen spielt, bekommt man eine Gänsehaut", meint der Weltranglisten-21. in Anspielung auf den hohen Geräuschpegel beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres.

"Das ist wie eine Sucht. Und ein bisschen haben mich die amerikanischen Fans ja auch adoptiert."

Haas im dritten Tennis-Frühling

Haas macht aber keinen Hehl daraus, dass er mit seinem dritten Tennis-Frühling nicht unbedingt gerechnet hat.

"Es ist schon lustig, wie es gekommen ist. Aber solange man ein gutes Team um sich hat und man hart trainiert, ist eine Menge möglich."

Wie in Wimbledon, als erst im Halbfinale der späterer Sieger Roger Federer zu stark war, oder beim Turniersieg auf Rasen in Halle/Westfalen. Damit hat Haas Trophäen auf allen Belängen gewonnen.

Schlechte Erinnerungen an 2008

Allerdings sind die Erinnerungen an die US Open 2008 nicht die besten. Nach zuvor zwei Viertelfinal-Teilnahmen in New York in Folge war Haas im vergangenen Jahr in der zweiten Runde am Qualifikanten Gilles Muller (Luxemburg) gescheitert.

Danach schien sogar sein Karriereende möglich, weil er eine vierte Schulter-OP kategorisch ausgeschlossen hatte. Zwölf Monate und etliche Reha-Termine später scheint für Haas ("Ich fühle mich als halber Amerikaner") längst wieder alles möglich.

"Tommy ist seit letztem Jahr wieder ein Stück weiser und cleverer geworden", urteilt Högstedt, der den gebürtigen Hamburger wieder in die Erfolgsspur führte.

Agassi als Vorbild

Nachdem Haas im März bis auf Weltranglisten-Position 87 abgerutscht war, engagierte er seinen alten Coach Högstedt. Mit Erfolg. Zudem scheint die Beziehung zu Dauerfreundin Sara Foster, einer amerikanischen Schauspielerin, prächtig zu harmonieren.

Als Vorbild dient Haas der US-Star Andre Agassi. Der Ehemann von Steffi Graf war vor sechs Jahren der letzte "Ü30"-Spieler, der ein Grand-Slam-Turnier (Australian Open) gewonnen hat.

"Andre hat uns gezeigt, dass man auch mit 35, 36 Jahren noch großartig spielen kann. Warum soll man nicht auch dann noch gutes Tennis zeigen?", sagt Haas. Und es klingt so gar nicht wie eine Frage.

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