vergrößernverkleinern
Juan Martin del Potro rückt in der Weltrangliste auf Rang fünf vor © getty

Ohne Frühstück, aber mit großer Willensstärke sichert sich Juan Martin del Potro bei den US Open seinen ersten Grand-Slam-Titel.

New York - Zu seinem 21. Geburtstag am 23. September wünscht er sich Käsekuchen, er kann auch schon mal ohne Schlaf und Frühstück auskommen - und er bewundert Roger Federer.

"Er ist der Größte, wir alle können eine Menge von ihm lernen", sagte der frischgebackene US-Open-Sieger Juan Martin del Potro, nachdem er sein Idol im Finale von New York mit 3:6, 7:6 (7:5), 4:6, 7:6 (7: 4), 6:2 entzaubert hatte.

Als erster Spieler überhaupt bezwang der jungenhaft wirkende Argentinier die beiden Superstars Rafael Nadal und Roger Federer innerhalb eines Turniers. Im Halbfinale hatte er den allerdings angeschlagenen Nadal mit 6:2, 6:2, 6:2 gestoppt. (DATENCENTER: Die US Open).

Unbändiger Wille und gnadenlose Vorhand

In dem vierstündigen Endspiel zeigte Del Potro schon viel von dem, was Federer ausmacht. In einem bis dahin ausgeglichenen Match stand der 1,98 m lange Argentinier im vierten Satz urplötzlich mit dem Rücken zur Wand.

5:4 und 30:0 führte Federer bei eigenem Aufschlag, noch zwei Punkte trennten den Maestro vom sechsten US-Open-Titel in Serie, doch mit unbändigem Willen und einer gnadenlosen Vorhand wendete Del Potro das Blatt zu seinen Gunsten.

"Mein Gott, das ist Roger Federer"

"Ich habe mir gesagt: Okay, du hast nicht verloren, bevor der letzte Ball gespielt ist, also kämpfe weiter", berichtete Del Potro, nachdem er den Scheck über 1,85 Millionen Dollar (1,26 Mio. Euro) lässig in die Tasche gestopft hatte.

Dann sei ihm plötzlich wieder aufgefallen, wer da eigentlich auf der anderen Seite des Netzes stand: "Ich dachte: Mein Gott, das ist Roger Federer, und du hast die Chance, ihn zu schlagen."

Regelrecht flau im Magen sei ihm manchmal geworden, kein Wunder: "Ich habe die Nacht vor dem Finale kein Auge zugetan und auch nicht gefrühstückt. Ich war zu nervös."

Ungewöhnlich viele Federer-Fehler

Im fünften Satz, in dem er eigentlich in engen Matches zu ganz großer Form aufläuft, knickte Federer dann endgültig ein. Drei Doppelfehler, kein As, zwei Breaks - der Schweizer war weit von seiner Bestform entfernt.

62 unerzwungene Fehler leistete er sich im Verlauf der Partie, hinzu kamen elf Doppelfehler und vor allem nur eine 50-Prozent-Quote beim ersten Aufschlag.

Zwei große Ziele

An Del Potros Einstellung änderte das nichts. "Ich hatte in den vergangenen beiden Wochen zwei Ziele", sagte der sichtlich bewegte Champion bei der Siegerehrung.

"Dieses Turnier zu gewinnen und so zu werden wie Roger Federer. Das erste Ziel habe ich erreicht, bis zum zweiten ist es noch ein langer Weg", erklärte der Südamerikaner seine Vorhaben.

Zu Federer gewandt fügte er an: "Ich muss mich sehr verbessern, um so zu werden wie du. Du bist ein großer Champion, du hast bis zum allerletzten Punkt gekämpft, daran werde ich mich immer erinnern. Wir alle können von dir lernen."

Federer nach Niederlage gelassen

Federer nahm die erste Niederlage im siebten Vergleich mit Del Potro erstaunlich gelassen: "Ich hatte ein großartiges Jahr, ich habe zum ersten Mal die French Open und zum sechsten Mal Wimbledon gewonnen, ich habe geheiratet und bin Vater von Zwillingen geworden - ich habe allen Grund, dem Schicksal dankbar zu sein."

Dass die Tennisgötter an diesem Tag gegen ihn und vor allem gegen seinen ersten Aufschlag waren, regte Federer nicht sonderlich auf: "Ich habe alles versucht, es hat nicht gereicht. Ich habe Chancen ausgelassen und bin dafür bestraft worden. So ist Tennis."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel