Nicht immer war Boris Becker in Melbourne oder Wimbledon erfolgreich.Wolfgang Kleine erinnert sich an peinliche Pleiten.

Am Montag wurden die Australian Open eröffnet. Zu früher Stunde kämpften die Marias - Scharapowa gegen Kirilenko. 194742(Diashow: Die Bilder der Australian Open)

Die Fans strömten aber nicht nur wegen des guten Damen-Tennis und der entsprechenden optischen Reize auf den Centre Court von Melbourne. Es spielten auch Rafael Nadal, Justine Henin, Andy Roddick, Kim Clijsters - und Florian Mayer.

Ja nun - Florian Mayer gewinnt gegen Philipp Petzschner. Aber die Fans in Deutschland reißt das nicht von den Stühlen.

Die Gedanken gehen zurück zu den Australian Open ins Jahr 1985, auf den Rasen des damaligen Kooyong-Stadions von Melbourne. Und vor allem zu Boris Becker.

Der neue deutsche Sport-Held hatte noch Monate zuvor, am 7. Juli, in Wimbledon als 17-Jähriger mit seinem Final-Triumph gegen den Südafrikaner Kevin Curren die Tennis-Welt aus den Angeln gehoben.

In Deutschland brach eine regelrechte Becker-Mania aus. Jeder Schritt, jeder Tritt und vor allem jeder Schlag des "Bobbele" wurden von den Fans und den Medien intensiv verfolgt.

So auch im November in Kooyong. Becker konnte zwar nicht in seinem "Wohnzimmer", aber auf seinem Lieblingsbelag Rasen beim Grand-Slam-Turnier antreten.

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Waren in den Jahren zuvor nur die unentwegten deutschen Journalisten nach "Down under" gereist, so folgten Boris Becker im Herbst 1985 ganze Heerscharen. Boris auf Rasen - das musste doch von Erfolg gekrönt sein.

Becker schnupperte bei seiner Ankunft im Stadion das Gras - und die Augen leuchteten: "Das ist mein Belag. Endlich wieder Rasen!". So auch die der Journalisten, die bis zu 5000 Mark für den Trip ins ferne Australien bezahlt hatten.

Die Medien zu Hause waren gierig nach jeder Zeile über Boris. Gute Honorare erwarteten die Kollegen in den zwei Wochen von Melbourne. Immerhin: Becker hatte in der 1. Runde Freilos.

Und dann kam alles anders, als sich die Journalisten gedacht hatten. Boris traf in Runde zwei auf den unbekannten Niederländer Michiel Schapers. Das dürfte doch eine Formsache sein.

Denkste! Becker verzweifelte während der Partie und schrie: "Ich kann des net!". Schapers heizte dem Deutschen ein, schlug Becker schließlich mit 3:6, 6:4, 7:6, 4:6, 6:3 und führte auf dem Rasen ein Tänzchen auf.

"Oranje bowen", Becker dagegen am Boden zerstört. Die deutschen Journalisten waren verzweifelt.

Der finanzielle Ruin drohte den Free Lancern. Man fürchtete schon, einige wollten sich das Leben nehmen. Nach dem Ausscheiden von Becker war nichts mehr zu verdienen.

Doch dieser Ausrutscher sollte für Becker nicht der einzige bleiben. Wimbledon 1987, wieder die zweite Runde. Boris hatte das berühmteste Turnier der Welt zuvor zweimal gewonnen.

Und als Titelverteidiger traf er auf den unbekannten Australier Peter Doohan. Formsache!

Denkste! Boris verlor 6:7, 6:4, 2:6, 4:6. Die Sensation der All England Championships war perfekt. Diesmal wurde das Ausscheiden erneut zum medialen Ereignis.

Die knallharte englische Presse hatte Wind von den Frauen-Geschichten des Deutschen bekommen und höhnte: "Bonked out; too much sex beats Big Boris!"

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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