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Roger Federer (r.) gewann 2004, 2006 und 2007 die Australian Open © getty

Erst ist Gegner Tsonga für den Schweizer nur ein Spielball, anschließend unterhält er das Publikum auf unbekannte Art und Weise.

Melbourne - Nach einem Halbfinale wie eine Trainingseinheit steht Roger Federer bei den Australian Open zum 22. Mal in seiner Karriere im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers 196926(DIASHOW: Bilder der 2. Woche).

Beim 6:2, 6:3, 6:2-Erfolg in nur 1:28 Stunden gegen Jo-Wilfried Tsonga bot der Schweizer eine perfekte Show, zunächst mit dem Ball und dann als Entertainer (DATENCENTER: Alle Ergebnisse der Herren).

"Ich bin sehr glücklich über meine Leistung", sagte Federer: "Es lief ideal für mich. Manchmal gibt es solche Spiele."

Vor viertem Sieg in Melbourne

Im Finale am Sonntag um 19.30 Uhr (ab 9.30 Uhr LIVESCORES) gegen den Schotten Andy Murray greift der Rekord-Champion bereits nach seinem 16. Titel bei einem der vier Major-Turniere und dem vierten Sieg in Melbourne.

Gegen Murray erwartet er aber mehr Widerstand als von dem überforderten Tsonga: "Ich bin sicher, dass es im nächsten Spiel nicht so einfach wird", sagte Federer: "Andy spielt hier ganz großes Tennis, es wird hart."

Lustig und locker im Interview

Vor den 15.000 in der vollbesetzten Rod Laver Arena brillierte Federer zunächst als Tennisspieler und anschließend als Humorist.

So locker und lustig wie nach dem Matchball im On-Court-Interview mit Jim Courier hat man den 28-Jährigen selten öffentlich erlebt: "Ich wollte das Publikum etwas unterhalten, das Match ging ja so schnell."

Die Freude und Erleichterung nach einem optimalen Spiel war ihm anzusehen.

Federer als Komiker

"Ich verdanke alles nur meinem Talent, in der Winterpause sitze ich schließlich immer nur faul auf dem Sofa", sagte der Baseler scherzhaft.

Er hatte auch ein Wort für seinen Finalkontrahenten aus Schottland übrig: "Es ist schwer für ihn, er hat die Bürde zu tragen, dass die Briten seit 150.000 Jahren oder so auf einen Grand-Slam-Champion warten." Gelächter.

Nicht die Frage "Ob", sondern "Wann"

Tatsächlich sind es "erst" 74 Jahre. Damals siegte Fred Perry in Wimbledon, danach kam nichts mehr. Auch ein Tim Henman ist stets gescheitert (Murray auf Perrys Spuren).

Murray aber soll es richten. "Bei ihm ist nicht die Frage, ob er es schafft, sondern wann", heißt es auf der Insel.

Wahrscheinlich ist es auch ganz gut, für den Schotten, dass der Griff zum Titel am anderen Ende der Welt und nicht in London SW19 erfolgt. "Ich fühle hier den Druck nicht so stark", sagte Murray: "Ich lese hier keine britischen Zeitungen."

Weniger Druck in Down Under

Er würde Elogen lesen. Nur einen Satz hat Murray bisher im Turnier abgegeben.

Der Weltranglistenvierte präsentiert sich wie Federer in Melbourne in absoluter Glanzform und hatte auch das Viertelfinalmatch gegen Titelverteidiger Rafael Nadal dominiert, bevor sich der Spanier eine Knieverletzung zuzog.

"Ich trainiere und arbeite dafür, die Chance auf einen Grand-Slam-Titel zu haben", sagte er: "Natürlich möchte ich den Titel gewinnen."

Positive Bilanz gegen Federer

2008 stand er bei den US Open in New York zum bislang einzigen Mal im Finale eines Grand-Slam-Turniers. Und unterlag gegen Federer.

Insgesamt aber ist Murray mit 6:4-Siegen einer der wenigen Spieler, der eine positive Bilanz gegen den Weltranglisten-Ersten aufweist. "Ich glaube, dass ich ihn schlagen kann", sagte Murray: "Aber dafür muss ich schon eine ganz besondere Leistung bringen."

Tsonga: Federer nicht zu schlagen

Tsonga war dazu am Freitag nicht in der Lage. Dem Finalisten von 2008 unterliefen 27 unerzwungene Fehler, keinen einzigen Breakball konnte er sich erspielen, und er gewann 29 Punkte weniger als der Schweizer.

"Roger hat unglaublich gespielt", sagte der Franzose: "Wenn er so spielt, kann ihn niemand bezwingen."

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