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Roger Federer wurde 2009 von der ATP zum Spieler des Jahrzehnts gekürt © getty

Roger Federer bezwingt im Finale der Australian Open Andy Murray. Erstmals seit 2003 gewinnt ein Vater einen Grand-Slam-Titel.

Melbourne - Eigentlich hätte er statt eines Stoff-Koalas bei der Siegerehrung der Australian Open in Melbourne zwei bekommen müssen. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse der Herren)

Einen für jede Zwillingstochter.

Roger Federer ist schließlich seit sechs Monaten ein glücklicher Vater, was den Schweizer aber keinesfalls davon abhält, weiterhin die Tenniswelt zu dominieren.

Mit 6:3, 6:4, 7:6 (13:11) wehrte der Primus im Endspiel den Angriff des schottischen Herausforderers Andy Murray ab. 198715(DIASHOW: Das Finale Federer - Murray)

"Entspannter als früher"

Es war Federers 16. Grand-Slam-Titel, der vierte in Melbourne, aber der erste als Vater - was zuletzt Andre Agassi 2003 an gleicher Stelle gelungen war.

"Das ist schon sehr speziell für mich", sagte der 28-jährige Federer, "ich sehe die Dinge jetzt anders als früher, bin entspannter."

Er verbessert zwar ständig Rekorde, aber es ist ihm angeblich nicht mehr wichtig. Die 18 Grand-Slam-Titel von Chris Evert-Lloyd und Martina Navratilova werden Federer als nächstes vorgegeben.

Atemberaubender Tiebreak im dritten Satz

"Nein, ich habe nicht das Ziel, alle Rekorde zu brechen", sagte er, "diese Legenden haben schließlich auch den Boden bereitet, auf dem ich mich bewege."

Die Souveränität, mit der er in den ersten beiden Sätzen den jungen Schotten beherrschte, war beeindruckend. "Roger war heute zu gut für mich", sagte Murray, der nur den dritten Satz ausgeglichen gestalten konnte.

Alle drei Durchgänge waren aber nur die Ouvertüre für einen atemberaubenden Tiebreak, in dem Murray fünf Satzbälle hatte, bevor Federer den dritten Matchball nach 2:47 Stunden Spielzeit nutzte.

"Eine Schande, dass ich nicht wie er spielen kann"

"Ich hatte Chancen, konnte sie aber nicht nutzen", sagte Murray, "das ist enttäuschend, vielleicht fehlt mir noch die Erfahrung in der einen oder anderen Situation."

Bei der Siegerehrung brach der 22-Jährige in Tränen aus. Die Anspannung löste sich, der Frust brach sich Bahn.

In Anspielung auf die Freudentränen, die Federer oft nach Siegen vergossen hatte, sagte Murray: "Ich kann weinen wie Roger, aber es ist eine Schande, dass ich nicht wie er spielen kann." (Murray auf Perrys Spuren)

Federer macht Murray Mut

Zum zweiten Mal nach den US Open 2008 verlor er ein Grand-Slam-Endspiel gegen Federer. "Ich träume davon, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, seit ich 17 war", sagte Murray, "ich arbeite sehr hart dafür." 196926(DIASHOW: Bilder der 2. Woche)

Für den sechs Jahre älteren Weltranglistenersten ist es keine Frage, dass der Brite dieses Ziel eines Tages erreichen wird: "Mach dir keine Sorgen, du bist viel zu gut, um nicht eines Tages eines der großen Turniere zu gewinnen."

Aber jetzt noch nicht, Federer ist ja noch da und lässt sich bei seinen sportlichen Zielen auch nicht von den Vaterpflichten abhalten.

Mirka hält dem Champion den Rücken frei

"Ich hätte natürlich auch aufhören können und hätte trotzdem viel erreicht", sagte er, "aber ich habe anders entschieden und bin selbst erstaunt, wie gut es läuft. Ich habe in den letzten zwei Wochen mein bestes Tennis gezeigt."

Ihm gelingt die Konzentration auf den Beruf weiterhin, Ehefrau Mirka hält ihm den Rücken frei, wie sie es seit 2000 tut.

"Vielleicht können meine Töchter ja im nächsten Jahr hier schon in der Box sitzen", sagte Federer. Und er kann dann den fehlenden Koala noch dazugewinnen.

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