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Francesca Schiavone gewinnt als erste Italienerin die French Open © getty

Schiavone setzt sich in Italien ein Denkmal. Der Präsident gratuliert, Berlusconi folgt. Nun sollen zwei neue Anschaffungen her.

Paris - Nach der märchenhaften Krönung zur Sandplatzkönigin von Paris verlor Francesca Schiavone im Rausch der Glücksgefühle sogar die Bodenhaftung.

Erst ließ sich die erste italienische Grand-Slam-Siegerin der Geschichte rücklings fallen, dann küsste Francesca I. leidenschaftlich die rote Asche von Roland Garros.

Schon wenig später kletterte die French-Open-Gewinnerin in ihre mit Italien-Flaggen geschmückte Box und versank in der Traube der jubelnden Freunde. 240878(DIASHOW: Die Bilder der French Open)

"Ich habe mich gefühlt wie ein Champion, das waren große Emotionen. Davon habe ich immer geträumt", sagte die Sensations-Siegerin nach dem 6:4, 7:6 (7:2)-Triumph im Finale der Debütantinnen gegen die favorisierte Samantha Stosur.

Neue Jeans sollen her

Am Montag will sich Schiavone erstmal neue Jeans kaufen. Der mit 1,12 Millionen Euro dotierte Erfolg im Spätherbst ihrer Karriere war für die 29-Jährige eine Genugtuung der besonderen Art - und lässt sie als Weltranglisten-Sechste erstmals in die Top Ten vordringen.

"Ich habe gezeigt, dass man alles erreichen kann, wenn man es aus vollem Herzen und mit Leidenschaft angeht. Dann können Dinge wahr werden, die unrealistisch erscheinen", sagte Spätstarterin Schiavone, die erst bei ihrer 39. Grand-Slam-Turnier-Teilnahme und nach 732 Profimatches den großen Durchbruch schaffte.

Stosur gratuliert artig

Auch Stosur erkannte die besondere Leistung ihrer Gegnerin an: "Es zeigt, dass man kein Wunderkind gewesen sein muss, um so etwas zu schaffen."

Vor dem Finale hatte die in Paris an Nummer 17 gesetzte Schiavone in 13 Profijahren gerade mal drei Turniere der mittleren Kategorie gewonnen.

Doch nie hörte die Kämpfernatur mit dem variablen Spiel auf, an sich und das Unmögliche zu glauben. Gemäß dem Motto, das ihre kurzfristig mit dem Auto angereisten Freunde auf T-Shirts zur Schau trugen: "Schiavo, nothing is impossible."

Schiavone schreibt Geschichte

Während Turnierfavoritinnen wie die topgesetzte Serena Williams (USA) oder Justine Henin aus Belgien längst abgereist waren, schrieb die nur 1,66 m große Schiavone am Bois de Bologne Geschichte.

Als letztem Spieler aus ihrem Heimatland war Adriano Panatta 1976 ebenfalls in Roland Garros ein Major-Sieg gelungen. (DATENCENTER: French Open - Damen)

Ganz fassen konnte Schiavone das Ausmaß ihres Coups noch nicht. Feiern wollte sie trotzdem.

Gruß nach Hause

Die Nationalhymne bei der Siegerehrung vor 15.166 Zuschauern sang das Energiebündel lauthals mit, küsste ihren Coup Suzanne Lenglen und schickte via TV einen Gruß nach Hause: "Ich liebe Euch, Mami und Papi."

Der italienische Staatspräsident Georgio Neapolitano hatte der neuen Volksheldin noch auf dem Court per Handy gratuliert. Später folgte Regierungschef Silvio Berlusconi.

In der Heimat überschlugen sich die Medien: "Francesca I., Königin von Frankreich. Danke. Sie ändert das Spiel mit ihrer Fantasie", titelte die Gazzetta dello Sport, während Tuttosport schrieb: "Schiavone in der Geschichte. Paris liegt ihr zu Füßen. Das italienische Tennis hat eine neue Heldin und kann wieder träumen."

Neues Haus für "Gianna Nannini"

Um die Auswirkungen des Ruhmes in den Griff zu bekommen, plant Francesca Schiavone, einen Teil des Preisgeldes in eine Immobilie zu investieren.

"Normalerweise essen wir zu Zehnt am Tisch. Ich werde jetzt wohl ein größeres Haus kaufen müssen, für 50 Leute", sagte die French-Open-Siegerin, die ein wenig an Rockröhre Gianna Nannini erinnert.

Stosur zeigt Nerven

Die Weltranglisten-Siebte Stosur bekam im bislang wichtigsten Match ihrer Karriere die Nerven nicht in den Griff.

Die 26-Jährige verspielte im zweiten Satz eine 4:1-Führung: "Trotzdem bin ich stolz auf das Erreichte. Ich werde voller positiver Erinnerung auf diese zwei Wochen zurückschauen."

Die einst weltbeste Doppelspielerin hatte unter anderem Serena Williams und Henin ausgeschaltet (Stosur erledigt Serena).

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