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Roger Federer feierte 2003 in Wimbledon seinen ersten Grand-Slam-Erfolg © getty

Der Topgesetzte dreht gegen einen kolumbianischen Underdog einen 0:2-Satzrückstand. Die deutschen Herren glänzen zum Auftakt.

London - Tennis verkehrt zum Turnierauftakt in Wimbledon:

Während alle fünf am Montag angetretenen deutsche Herren souverän in die zweite Runde des bedeutendsten Grand-Slam-Turniers (täglich ab 16 Uhr live im TV auf SPORT1) einzogen, ist Roger Federer nur mit viel Glück, seiner Routine und dank der Nervenschwäche seines Gegners hauchdünn einem sensationellen Erstrunden-Aus entgangen.

Der Titelverteidiger aus der Schweiz sah schon wie der sicherere Verlierer gegen den Kolumbianer Alejandro Falla aus, ehe er sich auf dem Centre Court doch noch mit 5:7, 4:6, 6:4, 7:6 (7:1), 6:0 durchsetzte. (DATENCENTER: Wimbledon)

Damit wendete er die größte Überraschung an der Church Road seit der Niederlage des zu diesem Zeitpunkt zweimaligen Champions Boris Becker 1987 gegen den Australier Peter Doohan ab. (250856DIASHOW: SPORT1-Favoritencheck)

Schiavone ist schon raus

Federers Probleme fesselten die meisten Zuschauer zum Auftakt des mit 15,6 Millionen Euro dotierten bedeutendsten Tennisturniers der Welt, bei dem die deutschen Herren einen gelungenen Auftakt feierten.

Bei strahlendem Sonnenschein erreichten Wimbledon-Debütant Daniel Brands aus Deggendorf, Rainer Schüttler, Florian Mayer, Benjamin Becker und Philipp Kohlschreiber die zweite Runde.

Weniger erfreulich war der Auftritt der Frauen. Lediglich Angelique Kerberund Kristina Barrois kamen weiter. Für Anna-Lena Grönefeld, Tatjana Malek und Julia Görges ist das Turnier bereits beendet.

Immerhin befanden sich die drei Deutschen in guter Gesellschaft. Auch French-Open-Siegerin Francesca Schiavone verabschiedete sich schon in der ersten Runde aus dem Turnier. Die Italienerin unterlag Vera Duschewina mit 7:6, 5:7 und 1:6.

Mayer: "Bin auf Rasen ein anderer Spieler"

Philipp Kohlschreiber setzte sich am Abend mit 6:3, 3:6, 6:3, 6:0 gegen den Italiener Potito Starace durch und komplettierte damit den tollen Durchmarsch der deutschen Spieler. Sein nächster Gegner ist der Russe Teimuras Gabaschwili.

Insbesondere der 6:2, 6:4, 7:6 (7:1)-Erfolg von Florian Mayer über den Kroaten Marin Cilic war eine faustdicke Überraschung. Der Bayreuther zog gegen den Weltranglisten-12. sein effektives Rasenspiel konsequent durch und bewies, dass er an einem guten Tag zu den Topleuten auf Gras gehören kann.

"Ich bin stolz und sehr zufrieden", sagte Mayer, dessen nächster Gegner der Amerikaner Mardy Fish ist, "ich bin auf Rasen ein ganz anderer Spieler, aber so einen Riesensieg hätte ich nicht erwartet."

Brands jetzt gegen Dawydenko

Auch Schüttler strahlte nach dem klaren 6:2, 6:2, 6:3 gegen den Russen Dimitri Tursunow. Er ist mit 34 Jahren der älteste Teilnehmer in Wimbledon.

"Ich habe richtig gut gespielt und bin sehr zufrieden", sagte der Korbacher, "ich bin zwar schon alt, aber fit und augeruht."

Zuvor besiegte Brands bei seiner Premiere an der Church Road den Russen Igor Andrejew mit 7:6 (7:5), 7:6 (7:4), 7:5 und trifft nun auf dessen Landsmann Nikolai Dawydenko. Becker bezwang zuvor den US-Amerikaner Ryan Sweeting mit 5:7, 6:2, 6:2, 6:4.

"Ich hätte verlieren müssen"

Die 16.000 Zuschauer auf dem Centre Court trauten ihre Augen nicht, als sie sahen, wie Falla den unbezwingbar scheinenden Federer fast vier Sätze lang dominierte. Ehefrau Mirka in der Spielerloge und Federers Eltern Lynette und Robert in der Royal Box mochten zum Teil gar nicht mehr hinsehen.

"Er hat sehr stark gespielt, auf einen 0:2-Satzrückstand war ich nicht vorbereitet", gab der sechsmalige Wimbledon-Champion Federer zu:

"Ich habe dieses Jahr Matches verloren, die ich hätte gewinnen müssen, aber dieses hätte ich verlieren müssen."

Federer springt zweimal von der Klinge

Der 26 Jahre alte Kolumbianer Falla nutzte seine dicken Chancen im entscheidenden Moment aber nicht. Beim Stand von 4:4 im dritten Satz hatte er vier Breakbälle, die er ausließ.

Im vierten Durchgang schlug er bei 5:4 selbst zum Matchgewinn auf, kassierte aber das Break. Die Entscheidung, danach ging nichts mehr für den 65. der Weltrangliste.

"Ich habe von meiner Erfahrung und Fitness profitiert", sagte Federer und atmete noch einmal tief durch.

Auf der Jagd nach dem Sampras-Rekord

Seit 2002 hat er kein Erstrundenmatch mehr in Wimbledon verloren, bei einem Grand-Slam-Turnier ist ihm so etwas zuletzt 2003 in Paris passiert. Lleyton Hewitt (2003) ist damit der letzte Wimbledon-Titelverteidiger, der im Auftaktmatch auf der Strecke blieb.

Federer spielt nach eigener Aussage Tennis, "um Geschichte zu schreiben" und strebt in Wimbledon in diesem Jahr seinem siebten Titel und damit die Einstellung des Rekordes von Pete Sampras an.

In der Form vom Montag wird ihm das nicht gelingen.

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