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Nicolas Kiefer hat nur einmal - 2006 in Melbourne - ein Grand-Slam-Halbfinale erreicht © getty

Nach seinem ernüchternden Erstrunden-Aus wirft Nicolas Kiefer die Karriereplanung über den Haufen, sein Feuer scheint erloschen.

London - Nicolas Kiefer wird nach Wimbledon zurückkehren, kein Zweifel. Der Tennisprofi aus Hannover ist schließlich Mitglied im Last-Eight-Club des bedeutendsten Tennisturniers dieser Welt (täglich ab 16 Uhr live im TV auf SPORT1).

Da bekommt man jedes Jahr einen schönen, scheckkartengroßen Plastikausweis, erhält auf Bestellung lebenslang Eintrittskarten und Zugang zu einem eigenen Hospitality-Zelt.

Aber dass er noch einmal als Spieler an der Church Road aufschlägt, scheint nach seinem Erstrunden-Aus zweifelhaft. Es herrscht "Kiwi"-Dämmerung in Wimbledon. 252801(DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon)

Schwerer als vorherige Comebacks

"Mein Langzeitplan ist völlig durcheinandergeraten", gab "Kiwi" nach seiner ernüchternden Drei-Satz-Niederlage gegen den Spanier David Ferrer zu.

Der bald 33-Jährige wirkte bis ins Mark über seine Chancenlosigkeit gegen den Weltranglisten-Elften erschüttert. (DATENCENTER: Wimbledon)

Das mag nach einer langen Pause in Folge einer Leisten-Operation naiv erscheinen, aber Kiefer weiß halt, wo er herkommt und was er schon geschafft hat: "Ich habe es zwei Mal nach Verletzungspausen gut geschafft zurückzukommen", sagt der langjährige Top-20-Spieler, "jetzt scheint es so zu sein, dass es schwieriger wird."

Bei den US-Open in die Quali?

Kiefer hätte dringend einen Erfolg in Wimbledon gebraucht, um sein Ranking in der Weltrangliste entscheidend zu verbessern.

Auf Platz 178 wird er nach seiner Zwangspause zwischen November 2009 und Anfang Mai nur noch geführt. Damit kommt er in kein Feld eines ATP-Turniers mehr herein, selbst für die Qualifikation bei den US-Open wird es eng: "Ich würde da Quali spielen, wenn ich es schaffe."

Da klang schon so etwas wie Resignation durch. "Ich muss mich sammeln, und dann schauen, wie es weitergeht", sagte der Hannoveraner.

Ein lebendes Fossil

Zum 13. Mal war er bereits in Wimbledon angetreten, wo er schon 1997 bei seiner Premiere zum einzigen Mal das Viertelfinale erreichte und sich damit für den Last-Eight-Club qualifizierte.

Nur der Franzose Arnaud Clement war unter den Teilnehmern in diesem Jahr öfter an der Church Road am Start. Als Kiefer seine beste Zeit in London SW19 hatte, spielte er mit Andre Agassi, Pete Sampras und Boris Becker - er ist ein lebendes Fossil aus alten Zeiten.

"Olympia 2012" hat er einigemal als angepeiltes Karriereende benannt: "Ich habe noch Lust und Feuer in mir." Das alles schien am Dienstag erloschen.

Knapp 7,5 Millionen Dollar an Preisgeldern

Dabei hatte er mit der Vorbereitung auf Rasen vor dem Turnier in Halle/Westfalen begonnen, die gleiche Routine wie immer in den vergangenen Jahren. Und dann das: "Es war viel zu wenig." (250856DIASHOW: SPORT1-Favoritencheck)

Vielleicht ist ja nun wirklich der Moment, um langsam ein anderes Leben zu beginnen. Freundin Ana macht Kiefer im Spätsommer erstmals zum Vater und er freut sich sehr auf die neue Aufgabe.

Zum Lebensunterhalt jedenfalls muss Kiefer nicht mehr Tennis spielen. Knapp 7,5 Millionen Dollar hat er in seiner Karriere allein mit Preisgeldern eingenommen.

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