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Tobias Kamke belegt derzeit Platz 126 in der Weltrangliste © getty

Der Lübecker erreicht erstmals die dritte Runde bei einem Grand-Slam-Turnier. Tipps holt er sich von einem deutschen Ex-Star.

London - Am Tag als die Königin Wimbledon besuchte und John Isner und Nicolas Mahut mit ihrem unglaublichen Marathonmatch Tennisgeschichte schrieben, schlug Tobias Kamke sein ganz privates, neues Kapitel in seiner Karriere auf.

Der Lübecker erreichte durch einen vollkommenen überraschenden 3:6, 6:2, 6:3, 6:4-Sieg gegen den Italiener Andreas Seppi erstmals in seiner Karriere die dritte Runde bei einem Grand-Slam-Turnier.

"Ich bin überglücklich noch dabeizusein", strahlte der 24-Jährige.

Die gute deutsche Bilanz mit insgesamt fünf Spielern in der Runde der letzten 32 komplettierte am Abend Philipp Petzschner.

Petzschner siegreich

Der Bayreuther bezwang zum Abschluss des Tages an der Church Road den Polen Lukasz Kubot mit 6:4, 3:6, 4:6, 6:3, 6:2 und feiert damit bereits den zweiten Fünf-Satz-Sieg in Folge.

Petzschner trifft nun am Samstag in der Runde der letzten 32 auf den hochfavorisierten Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal aus Spanien.

Für Andreas Beck und Kamkes besten Kumpel Julian Reister lief es dagegen nicht so gut (DATENCENTER: Wimbledon).

Beck und Reister scheitern

Beck schlug im vierten Satz gegen Julien Benneteau bei einer 5:4-Führung zum Matchgewinn auf, hielt aber nicht durch und unterlag 6:3, 2:6, 6:4, 6:7 (5:7), 3:6.

Wimbledondebütant Reister hielt sich gut gegen den erfahrenen Belgier Xavier Malisse, unterlag aber mit 7:6 (9:7), 4:6, 1:6, 4:6.

Kamke trifft in der Runde der letzten 32 nun am Samstag auf den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga und geht selbstverständlich als klarer Außenseiter in die Partie.

Tipps von Stich

"Das ist das erste Mal, dass ich gegen einen Top-Ten-Spieler antreten darf", sagt er, "solche Spiele wünscht man sich.

"Möglicherweise kann er sich vor diesem Match auch wieder Tipps von Michael Stich abholen, der ihn schon seit einigen Jahren privat berät.

Die Königin kam selbstverständlich nicht an Platz 16 vorbei, das nahm Kamke jedoch mit trockenem, norddeutschen Humor:

"Ich spiele schon seit einem Jahr gut"

"Dann müssen wir das Treffen halt verschieben." Der 24-Jährige ist eben glänzend drauf.

"Ich spiele schon seit einem Jahr gut", sagte er, "habe mich von Platz 260 auf 128 verbessert, jetzt ist mein Ziel die Top-100."

In der Kabine schaute er sich anschließend den Ausgang des Rekordmatches an, das Isner schließlich nach insgesamt 11:05 Stunden mit 6:4, 3:6, 6:7 (7:9), 7:6 (7:3), 70:68 für sich entschied.

Standing Ovations

Beide Spieler wurden nach dem Match vom All England Club geehrt und von den Zuschauern auf Platz 18 mit stehenden Ovationen gefeiert (250856DIASHOW: SPORT1-Favoritencheck).

"In so einer Atmosphäre fühlt man sich nicht müde" sagte Isner nach dem Spiel und Mahut ergänzte: "Wimbledon ist das größte Turnier und wir haben das größte Match gespielt."

Die Partie wurde ursprünglich am Dienstag begonnen und wegen Dunkelheit nach dem vierten Satz abgebrochen.

Queen bereits weg

Am Mittwoch spielten beide 7:06 Stunden lang ohne Entscheidung den fünften Satz, der erneut wegen Dunkelheit beim Stand von 59:59 abgebrochen wurde.

Die Fortsetzung am Donnerstag dauerte erneut 1:05 Stunden.

Die Queen war längst wieder abgereist, als Isner und Mahut fertig wurden. Um 11.18 Uhr Ortszeit fuhr die kleine Wagenkolonne vor. Majestät saß in einem Jaguar, der Mantel zwischen hellblau und türkis.

"Der Knicks war nervenaufreibend"

Auch mit 84 Jahren war sie bei ihrem Weg vom Henman Hill vorbei an Matchrekord-Platz 18 und Court 2 Richtung Spieler-Bereich gegenüber dem Centre Court gut zu Fuß 252801 DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon.

Dazwischen schaute sie sich eine Demonstration eines Nachwuchsprogramms an. Elf Kinder zwischen sieben und 18 spielten Tennis.

"Der Knicks war nervenaufreibend", sagte die zehnjährige Gemma, "ich habe fünf Minuten geübt."

Murray "total nervös"

Die Vorstellung ausgewählter Topspieler und ein edler Lunch folgten, bevor die 84-Jährige dann dem Match von Andy Murray gegen den Finnen Jarkko Nieminen beiwohnte und ihren Untertanen siegen sah.

Anschließend beglückwünschte sie beide Spieler persönlich. "Ich war total nervös", sagte Murray, "ich weiß gar nicht mehr, was ich gesagt habe."

Zum vierten Mal erst nach 1957, 62 und 77 schaute Elisabeth II in Wimbledon vorbei. Ein besonderer Tag also - nicht nur für Tobias Kamke.

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