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Endlich geschafft: John Isner bejubelt seinen Sieg gegen Nicolas Mahut © getty

Das Rekord-Match ruft Bewunderung, Ungläubigkeit und Hysterie hervor. Beide toppen 100 Asse! Nach 11:05 Stunden siegt Isner.

London - In 7:06 Stunden kann man eine Menge tun: Von New York nach London fliegen zum Beispiel, die komplette Herr-der-Ringe-Trilogie sehen, vier Fußballspiele inklusive Halbzeit durchziehen - oder einen Satz Tennis spielen.

Was John Isner und Nicolas Mahut da am Mittwoch bei den 124. All England Championships in Wimbledon vollbracht haben, war ein sporthistorischer Moment. (DATENCENTER: Wimbledon)

6:4, 3:6, 6:7, 7:6 und 59:59 - in Worten neunundfünfzig zu neunundfünzig - im fünften Satz. Nach einer Gesamtspielzeit von 11:05 Stunden gewann Isner mit einem Passierschlag das längste Tennismatch aller Zeiten am Donnerstag mit 70:68, und hatte kaum noch Kraft, sich über den Einzug in die zweite Runde zu freuen.

"Irgendeiner muss ja gewinnen"

"Irgendeiner muss ja gewinnen, also spielen wir weiter", hatte Mahut gesagt, als das Spiel am Mittwoch um 21.10 Uhr Ortszeit wegen Dunkelheit unterbrochen worden war.

Schon am Dienstag waren sie nicht fertig geworden, die Partie musste da nach vier Sätzen wegen Dunkelheit schon einmal abgebrochen werden. 252801(DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon)

Ein Spiel ohne Regenpause über drei Tage - auch das wird wohl nie wieder vorkommen. Lange fünfte Sätze hat es ja schon immer mal gegeben bei Grand-Slam-Turnieren oder im Davis Cup. Nur bei den US Open wird auch der fünfte Satz im Tiebreak gespielt. Aber so was?

Länger als jede Sand-Schlacht

"We want more!" riefen zahlreiche Zuschauer, als die Partie unterbrochen wurde. Platz 18 unterhalb des TV-Zentrums war pickepackevoll, auf dem Studio-Gebäude nebenan standen Menschen in Fünferreihen, und im Umkleideraum hingen die Spieler gebannt vor den Fernsehschirmen.

"Es ist unglaublich, dass beide den ganzen Tag ihren Aufschlag halten konnten", sagte Novak Djokovic, "man kann diese Leistung gar nicht hoch genug anrechnen." (250856DIASHOW: SPORT1-Favoritencheck)

Natürlich haben Isner und Mahut mit diesem Spiel sämtliche Tennisrekorde ausgelöscht. Allein der fünfte Satz dauerte ja länger als das bisher längste Spiel von 6:33 Stunden zwischen Fabrice Santoro und Arnaud Clement bei den French Open 2004.

Zu zweit 214 Asse

Nie wurden mehr Spiele gespielt und natürlich nie mehr Asse geschlagen. Isner feuerte 112, Mahut 103 Aufschläge zu direkten Punktgewinnen ins Feld. Der alte Rekord war 78 Asse.

"So etwas wird es nie wieder geben, ich weiß auch nicht, wie wir das gemacht haben" sagte Isner, "er hat einfach fantastisch aufgeschlagen und ich auch." Auch Mahut absolvierte das Match am Ende wie in Trance: "Ich habe einfach nur gespielt."

Was insbesondere der 28-Jährige an der Church Road in diesem Jahr geleistet hat, ist eigentlich Irrsinn: Schon in der zweiten Runde der Qualifikation gewann er gegen den Briten Alex Bogdanovic mit 24:22 im dritten Satz.

Isner vergibt drei Matchbälle

"Das ist unmenschlich, übermenschlich, schwer nachvollziehbar", sagte Daniel Brands, "dieses Konzentrationslevel so hoch zu halten, geht gar nicht."

Vier Matchbälle hatte Isner in der Partie, einen bei 10:9, zwei bei 33:32 und einen bei 59:58, Mahut wehrte alle ab.

Bei 47:47 fiel die elektronische Anzeigetafel aus, weil so ein Spielstand nicht vorgesehen ist, im Internet war der Score auch nicht mehr zu verfolgen.

Hysterischer Lachanfall

Roger Federer verschob dreimal seine Pressekonferenz, um das Spiel zu verfolgen. "Ich liebe das, die beiden da draußen wahrscheinlich aber nicht", sagte der Schweizer, "so was hat man noch nie gesehen, es gibt eigentlich Breaks im Tennis."

Mit jeder Ansage von Schiedsrichter Mohamed Lahyani aus Schweden wurde die Situation absurder: "Spiel Isner, 33:32, 47:46, 59 all! Irgendwann bekam eine Frau auf der Tribüne einen hysterischen Lachanfall und musste vom Platz geführt werden.

"Ich bin unglaublich stolz auf unseren Sport, auf diese Leistung, auf diese beiden Spieler", sagte Altmeister John McEnroe, "es ist einzigartig, so etwas erleben zu dürfen."

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