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Philipp Kohlschreiber belegt Platz 35 in der Weltrangliste © getty

Die deutschen Hoffnungsträger Mayer und Kerber sind schon draußen. Auch Kohlschreiber verliert, Brands ist weiter.

London - Er spielte gut, mutig und selbstbewusst mit, aber es hat nicht ganz gereicht:

Die Überraschung von Melbourne konnte Philipp Kohlschreiber gegen Andy Roddick auf dem Rasen von Wimbledon nicht wiederholen.

Der Augsburger nervte den großen Mitfavoriten zwar nach Kräften, ins Achtelfinale der 124 All England Championships in Wimbledon aber zog mit einem 7:5, 6:7 (5: 7), 6:3, 6:3-Sieg nach 2:56 Stunden der Amerikaner ein.

Damit nahm er Revanche für die Achtelfinalpleite gegen den Deutschen bei den Australian Open vor zwei Jahren nahm.

Mayer muss aufgeben

Nach den tollen Erfolgen der deutschen Spieler in der ersten Woche brachte der Freitag damit die ersten Enttäuschungen weil auch die eigentlich favorisierten Florian Mayer und Angelique Kerber als Verlierer vom Platz gingen (DATENCENTER: Wimbledon).

Mayer musste sein Drittrundenmatch gegen Lu Yen-sun aus Taiwan verletzt aufgeben.

Der Bayreuther lag mit 4:6, 4:6, 1:2 zurück, als er das Match beendete. Der hintere rechte Oberschenkel machte Probleme. "Ich konnte mich am Ende praktisch nicht mehr bewegen."

Brands weiter

Kerber unterlag der Australierin Jarmila Groth mit 3:6, 5:7 und verpasste es damit, erstmals in ihrer Karriere das Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier zu erreichen.

Daniel Brands hat dagegen völlig überraschend das Achtelfinale erreicht. Der Debütant setzte sich gegen den an 31 gesetzten Rumänen Victor Hanescu durch, der die Partie beim Stand von 6:7 (7: 9), 6:7 (3:7), 7:6 (9:7), 6:3, 3:0 für Brands nach 3:25 Stunden aufgab.

Der 22-Jährige Deutsche steht damit erstmals unter den letzten 16 bei einem Grand-Slam-Turnier. Sein Gegner am Montag ist der Tscheche Tomas Berdych. Ausgeschieden ist erwartungsgemäß auch Weltrekordspieler John Isner.

Kürzeste Partie

Der Marathonmann musste nur 20 Stunden nach dem Ende seiner 11:05 Stunden dauernden Partie gegen Nicolas Mahut (Frankreich) gegen den Niederländer Thiemo De Bakker wieder auf den Platz und war bei der 0:6, 3:6, 2:6-Niederlage vollkommen chancenlos 252801(DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon).

Er bewegte sich schwerfällig, der Arm tat weh, nichts ging. Nur 73 Minuten dauerte das Spiel, ironischerweise die kürzeste Partie im Herrenturnier bislang.

Kohlschreiber hielt mit dem Weltranglisten-Fünften Roddick lange Zeit glänzend mit. Er schlug selbst solide auf und hatte keinen Respekt vor dem dreimaligen Wimbledon-Finalisten, den er 2008 in Melbourne bezwungen hatte.

Ausgeglichene Partie

"Andy wird heiß sein, diese Niederlage wettzumachen", ahnte Kohlschreiber vorher, "andererseits geht man mit einem guten Gefühl auf den Platz, wenn man so einen Spieler schon mal in einem wichtigen Spiel schlagen konnte."

Über weite Strecken lieferten sich die beiden Kontrahenten eine ausgeglichene Partie, in der Kohlschreiber immer wieder mit seiner spektakulären Rückkhand punktete.

Ausgerechnet zum Ende des ersten Satzes aber erlaubte er sich eine kleine Schwäche und kassierte trotz einer 40:15-Führung bei 5:6 das entscheidende Break.

Kaum Breakchancen

Der zweite Durchgang verlief ähnlich, aber mit einem Happy End für "Kohli" im Tiebreak. Die Entscheidung fiel dann praktisch schon mit Roddicks Break zum 0:1 im dritten Satz.

Kohlschreiber schaffte das Rebreak gegen den starken Aufschläger nicht mehr, der insgesamt 28 Asse schlug und schien auch im vierten Satz nicht mehr an seine Chance zu glauben. Sieben Breakchancen ließ Roddick im geasamten Match nur zu, keine konnte Kohlschreiber nutzen.

"Groth war zu gut heute, sie hat alles getroffen, ich bin nicht gut reingekommen und konnte nichts mehr machen", sagte die 22-jährige Kerber, deren Selbstvertrauen nach der Niederlage gegen die Nummer 92 der Welt aber nicht gelitten hat:

"Es sollte wohl nicht sein"

"Ich habe gesehen, dass ich mit den Top-20 locker mithalten kann." Groth feuerte immerhin 35 direkte Gewinnschläge ins Feld, Kerber nur 14. "In einer dritten Runde hat man schon Nerven", gab die Kielerin zu.

Schon nach dem ersten Satz musste sich Mayer vom Physiotherapeuten zwei Minuten lang auf dem Platz behandeln lassen.

"Ich habe eine Schmerztablette genommen und es ging auch kurzzeitig besser", erzählte der 26-Jährige, "aber ab Ende des zweiten Satzes konnte ich mich gar nicht mehr bewegen. Es sollte wohl nicht sein."

Mayer frustriert

Nach seinen überraschenden und überzeugenden Erfolgen in den ersten beiden Runden gegen die hocheingeschätzen Marin Cilic (Kroatien) und Mardy Fish (USA) ging Mayer erstmals im Turnier als Favorit in ein Match (250856DIASHOW: SPORT1-Favoritencheck).

Um so frustrierter war er, dass der Körper gegen den Weltranglisten-82. nicht mitgespielt hat: "Wer weiß, wann sich solch eine Chance auf ein Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier wieder ergibt."

Andererseits war Mayer vor einer Woche ohne Erwartungen nach Wimbledon gekommen. Zwei Muskelfaserrisse, ein Magen-Darm-Virus vor den French-Open in Paris und danach zwei gezogene Weisheitszähne - der Franke kam mit einer veritablen Krankenakte an der Church Road an.

"Sechs Tage zu wenig"

"Sechs Tage Training waren doch zu wenig", musste er feststellen. So wurde Wimbledon unterm Strich für Mayer doch zu einem Erfolg: "Ich bin schon stolz darauf, was ich geleistet habe."

Im Ziel, am Ende des Jahres unter den Top-40 zu stehen, fühlt er sich jedenfalls bestärkt. Auch wenn jetzt erst einmal auskurieren angesagt ist:

"Ich muss jetzt mal nachsehen lassen, was im Oberschenkel ist." Das wird zuhause passieren, Mayer wollte deshalb noch am Sonntag zurück nach Deutschland fliegen - "und das Fußballspiel schaue ich mir auch lieber in Deutschland an."

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