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Philipp Petzschner (r.) spielt seit dem Jahr 2001 auf der Profi-Tour © getty

Der knapp verpasste Coup gegen Nadal weckt Hoffnung, dass Petzschner vor dem Durchbruch steht. Aber er hadert mit der Niederlage.

London - Den Sonntag verbringt Philipp Petzschner in seinem angemieteten Haus in Wimbledon mit einer Grillparty.

Würste wenden, Fußball gucken, Deutschland die Daumen drücken, vom Tennis abschalten.

Vielleicht kommt dabei auch langsam Freude über sein unglaubliches Match am Samstag gegen den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal auf(DATENCENTER: Wimbledon).

"Wahrscheinlich brauche ich einen Tag dafür", sagte der 26-Jährige nach der 3:45 Stunden langen Partie, "im Augenblick bin ich unglaublich sauer auf mich." 252801(DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon)

Am Haken gehabt

Der Bayreuther hatte den übermächtig scheinenden Mallorquiner in der dritten Runde der 124. All England Championships am Haken.

Die 16.000 auf dem berühmtesten Tennisplatz der Welt trauten ihren Augen nicht, als sie die Aufschlagstärke, den Spielwitz und das Ballgefühl des Deutschen live erlebten.

Und doch setzte sich der Favorit schließlich mit 6:4, 4:6, 6:7 (5:7), 6:2, 3:6 durch. "Ich konnte mein Niveau am Ende leider nicht halten", sagte "Petzsche", "er hat deshalb verdient gewonnen."

Letzte Hoffnung Brands

Da sich am Samstag auch Qualifikant Tobias Kamke erwartungsgemäß dem Weltranglisten-Zehnten Jo-Wilfried Tsonga 1:6, 4:6, 6:7 (1:7) geschlagen geben musste, ist im Achtelfinale am Montag von den ursprünglich gestarteten deutschen Männern nur noch Daniel Brands im Wettbewerb.

Er trifft auf den Tschechen Tomas Berdych (ab 14.30 Uhr LIVE im TV und LIVESCORES). "Wenn ich da wieder gut spiele, ist eventuell noch was drin", sagt der 22-Jährige, "ich habe mich mental gesteigert, und ich habe nichts zu verlieren."

Brands hatte sich mit seinem Zweitrundensieg gegen den noch am Handgelenk verletzten Top-Spieler Nikolaj Dawydenko den Weg in die zweite Woche geebnet.

Losglück fehlte

Die anderen Deutschen hatten weniger Glück mit ihrer Auslosung. Florian Mayer musste in der dritten Runde verletzt aufgeben, Philipp Kohlschreiber (gegen Andy Roddick) und Petzschner spielten stark, trafen aber leider auf zwei absolute Topfavoriten.

Petzschner hätte in der Form vom Samstag außer Federer, Roddick und Nadal wahrscheinlich jeden Spieler bezwungen.

So aber ist die deutsche Herren-Bilanz wieder etwas getrübt, obwohl die Leistungen in Ordnung waren.

"Wir hatten sehr viele Spieler in der ersten und zweiten Runde, ich glaube, dass wir auf dieser Woche aufbauen können", sagte Petzschner, "das einzige Problem ist, es fehlt mal einer, der einen wie Nadal rauswirft."

"Nah dran an den Top-20-Leuten"

Wenn der Eindruck der letzten Wochen nicht täuscht, könnte der Ballartist demnächst dieser Spieler sein. Er ist eindeutig der talentierteste deutsche Profi, einer, der wirklich alles kann.

Schon beim Turnier in Halle/Westfalen war er im Halbfinale nur knapp an Federer gescheitert.

"Ich bin nah dran an den Top-20-Leuten", sagt der 41. der Weltrangliste, "ich habe noch nie so viele Matches gewonnen wie in diesem Jahr. Das Problem ist, dass der Ausreißer nach oben fehlt."

Verletzungspause störte den Rhythmus

Am Samstag hat er sich von Nadals Verletzungspause aus dem Rhythmus bringen lassen.

Bei 2:1 im vierten Satz ließ sich Nadal über zwei Minuten an seinem chronisch angeschlagenen Knie behandeln. Petzschner saß währenddessen auf seinem Stuhl und "rostete ein". Ein Anfängerfehler.

"Ich sage nicht, dass seine Verletzungspause unsportlich war", sagte Petzschner, "er war aber vorher und nachher gleich schnell. Er ist der fitteste Spieler auf der Tour, das war der Unterschied."

"Lachen, weinen oder einfach rauslaufen"

Petzschner hatte bereits zwei Fünf-Satz-Matches, ein Doppel und ein Mixed in den Knochen, als er auf Nadal traf (250856DIASHOW: SPORT1-Favoritencheck).

So konnte er der Intensität und dem Dauerdruck des Spaniers am Ende nicht mehr widerstehen.

"Ich wusste am Ende nicht, ob ich lachen, weinen oder einfach rauslaufen soll", sagte Petzschner, "Centre Court in Wimbledon gegen die Nummer eins - für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen."

Es muss nicht das letzte Mal bleiben, wenn er aus der Niederlage seine Lehren zieht.

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