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Lu Yens-Hsun steht derzeit auf Platz 82 der Weltrangliste © getty

In Wimbledon stellt der Taiwaner sein Talent gegen Andy Roddick unter Beweis. Betreut wird Lu Yens-Hsun vom Schüttler-Coach.

London - Natürlich hat Staatspräsident Ma Ying-jeou sofort ein Glückwunschtelegramm geschickt.

Ganz Taiwan ist stolz auf Lu Yen-Hsun, den Sohn eines Hühnerzüchters aus Taipeh, der bei den 124. All England Championships den Vorjahresfinalisten Andy Roddick völlig überraschend in fünf Sätzen eliminierte und als erster Asiate seit 15 Jahren das Viertelfinale beim bedeutendsten Turnier der Welt erreichte (DATENCENTER: Wimbledon).

Mit einem weiteren Erfolg in der Runde der letzten Acht am Mittwoch gegen den Serben Novak Djokovic würde der 26-Jährige sogar als erster Asiate im Halbfinale Tennisgeschichte schreiben - und Dirk Hordorff schriebe mit.

"Potenzial noch nicht ausgeschöpft"

Der Bad Homburger kann und will seinen Stolz auf den Erfolg des jungen Herrn Lu gar nicht verbergen. Seit 2003 kümmert sich der langjährige Coach von Rainer Schüttler um den 26-Jährigen Nationalchinesen.

"Er ist sehr fleißig, respektvoll und höflich und er hat sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft", sagt Hordorff.

Sieg über Federer

Als Schüttler beim ATP-Finale in Houston antrat, war Lu Trainingspartner des Korbachers, auf sich allein gestellt, ohne Coach, ohne Manager.

Aber mit so viel Talent gesegnet, dass er in einem Trainingsmatch auch den Schweizer Roger Federer bezwang. Seitdem gehört er Hordorffs Trainingsgruppe an.

Vater bringt Lu zum Tennis

Wie aber kommt jemand aus Taiwan zum Tennis?

"Ich habe mit meinem Vater gemeinsam begonnen", erzählt Lu, "auch als ich auf die High School gegangen bin, hat er noch viel Zeit mit mir verbracht, mich zum Training gefahren und so." 252801(DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon)

Um so mehr nagt es an dem 26-Jährigen, dass sein Vater den größten Erfolg seiner Karriere nicht mehr erleben konnte: Er ist vor zehn Jahren gestorben, ich hoffe, er schaut aus dem Himmel zu."

Spitzname "Randy"

Während der High School und dem Sportstudium hat er seine Tenniskarriere verfolgt. Die Option, in den väterlichen Betrieb einzusteigen, gab es nie: "Das stinkt ziemlich."

Aber natürlich hat er dort gelernt, Hühner zu fangen: "Der Trick ist, das im Dunkeln zu machen, dann sehen sie nichts."

Das alles erzählt Lu in gutem englisch, auch wenn es Hordorff noch nicht flüssig genug ist. Weil der Englischlehrer Probleme hatte, seinen chinesischen Namen richtig auszusprechen, nannte sich Yen-Hsun fortan "Randy".

Noch fehlt die Konstanz

Das macht es auch für Hordorff einfacher seine Schützling anzusprechen. Neben dem Trainer gehören noch ein deutscher und ein taiwanesischer Physiotherapeut sowie der Kapitän des taiwanesischen Davis-Cup-Teams zum Stab. Hordorffs deutsche oder englische Anweisungen werden dann ins Chinesische übersetzt.

Ein Bandscheibenvorfall und Pfeiffersches Drüsenfieber haben die Karriere des Weltranglisten-81. bisher zweimal unterbrochen.

Gute Ergebnisse, wie den Erstrundensieg gegen den Briten Andy Murray bei den Olympischen Spielen 2008, hatte er schon immer mal, allein es fehlte der Durchbruch.

Idol im Baseball-Land

"Es gibt Turniere, da passt alles zusammen, wie bei Rainers Wimbledon-Halbfinale 2008", sagt Hordorff.

Lu schlägt sehr solide auf, ist schnell, hat eine tolle Rückhand und returniert stark.

Hordorff war sich deshalb sicher, dass ihm Roddick mehr liegt als der Deutsche Florian Mayer in der Runde zuvor: "Mayer spielt variabler von hinten mit mehr Tempowechseln." Der Bayreuther musste mit einer Muskelverletzung das Match aufgeben.

Auf dem Weg zum Idol

Und nun also Djokovic. In ganz Taiwan werden wieder die TV-Geräte flimmern. Wo sonst nur Baseballspieler Sportstars sind, ist Lu auf dem Weg zum Idol.

"Ich kann nicht versprechen, dass ich gegen Djokovic gewinnen werde", sagt Randy Lu, "aber ich werde kämpfen bis zum Ende und mein Bestes geben."

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