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Die Glamour-Girls sind zurück: Anna Kurnikowa (l.) setzt auf Show, Hingis amüsiert sich © getty

Im Legenden-Doppel kehrt Anna Kurnikowa zurück an die Church Road - und trägt einen Makel davon. Posen überspielen ihre Patzer.

London - Platz zwei war brechend voll, 4060 Menschen abends um 18.13 Uhr Ortszeit. Zu einem Legenden-Doppel.

Die Britinnen Samantha Smith (39) und Anne Hobbs (50) spielten gegen - Anna Kurnikowa und Martina Hingis.

Die Glamour-Girls aus der Vergangenheit feierten ihr Wimbledon-Comeback. Zurück auf die Londoner Grasscourts und zurück ins Spotlight. 29 Jahre und trotzdem schon von gestern.

Natürlich sah Anna Kurnikowa großartig aus. Die langen blonden Haare wie früher zu einem Monsterzopf gebunden, rank und schlank und ständig kichernd. 252801(DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon)

Der Rücken macht nicht mit

"Ich musste diese großartige Chance wahrnehmen, hier noch einmal zu spielen", kokettierte sie: "Ich werde schließlich nicht jünger."

Und auch nicht unbedingt besser - aber das ist was anderes.

Mit nur 21 Jahren hat Anna Kurnikowa ihre Karriere einst beendet, seit sechs Jahren, sagt sie, hat sie keinen Schläger mehr in der Hand gehabt. "Ich habe allein im Rücken fünf verschiedene Probleme", erklärte sie ihren frühen Rücktritt, "körperlich könnte ich nie mehr ernsthaft spielen."

Knapp 12 Millionen Werbeeinnahmen

Die blonde Moskowiterin war die Pionierin aller russischen Tennis-Mädchen, die in den vergangenen zehn Jahren die WTA Tour bevölkerten.

Das Vorbild für die Scharapowas, Kirilenkos und Swonarewas, die allesamt heute bestens im Business sind.

Obwohl sie im Einzel nie ein Turnier gewonnen hat, war Kurnikowa die bestverdienende und meistgegooglete Sportlerin ihrer Zeit, ihre Werbeeinnahmen wurden auf knapp 12 Millionen Euro geschätzt.

Die Mühlen des Medienzirkus

"Sexy Anna" an allen Werbefronten, "Tennis Beauty" des Boulevards bis heute: "Only the balls should bounce".

"Ich hatte als eine der ersten die Möglichkeit, aus Russland rauszugehen", sagte Kurnikowa, "und ich bin so stolz auf all die anderen russischen Girls, die jetzt kommen. Es ist so cool, wie sie alle ihr Talent zeigen." Und lächelt.

Von dem Druck auf der Tour philosophiert sie anschließend, der vielen Arbeit und davon, dass sie den ganzen Medienzirkus eigentlich nur widerwillig mitgemacht hat. Fehlt bloß noch, dass sie erklärt hätte, die Erde sei eine Scheibe.

Werbung für den Begleiter

Am Abend vor ihrem Legendenmatch trat sie übrigens in der Nacht-Show der "BBC" auf und machte Werbung für das "fantastische neue Album" ihres Dauerbegleiters Enrique Iglesias, mit dem sie seit 2002 skandalfrei zusammenlebt.

Während Hingis, jetzt ganz schwarzhaarig, immer noch regelmäßig spielt, litt ihre langjährige Doppelpartnerin Kurnikowa, mit der sie unter anderem 1999 und 2002 die Australian Open gewann, doch deutlich unter fehlender Matchpraxis.

Das kompensierte sie auf dem Platz mit ununterbrochenem Geschwätz und Gepose, "Oh my God!!" bei jedem leichten Vorhandfehler.

Eine Blase in der Hand

Das Doppel-Motto "Immer auf die Blonde spielen" beherzigten die stilvollen britischen Ladies auf der anderen Seite des Platzes gnadenlos und kamen so bei ihrer 2:6, 4:6-Niederlage doch zu einigen Spielgewinnen. (DATENCENTER: Wimbledon)

Am Ende musste Kurnikowa auf dem Platz sogar medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. "Wahrscheinlich ist ein Fingernagel abgebrochen", mutmaßte ein Zuschauer. Es war eine Blase in der rechten Hand, aua.

Trotzdem gab sie anschließend tapfer zahlreiche Autogramme und zeigte auf Nachfrage gerne die Blase vor. Ganz professionell, eine Showgröße, die weiß, was von ihr verlangt wird. Früher hat sie auch mal Tennis gespielt.

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