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Außer den Australian Open gewann Roger Federer 2010 noch kein Turnier © getty

Die Viertelfinal-Pleite gegen Tomas Berdych hat Roger Federer tief getroffen. Durch sein Benehmen beschädigt er auch seinen Ruf.

London - Wie gut, dass Roger Federer nicht auf Last-Minute-Angebote von Reisebüros angewiesen ist, denn seine Urlaubsplanung ist in Wimbledon schließlich gehörig durcheinandergeraten.

Der 16-fache Grand-Slam-Champion verfügt Gottseidank über Urlaubsdomizile in Valbella (Graubünden), Wollerau (Schwyz) und in Dubai, die er nun aufsuchen kann.

Vier Tage vor dem Endspiel ist das bedeutendste Tennisturnier der Welt für den 28-Jährigen nach seiner 4:6, 6:3, 1:6, 4:6-Niederlage gegen Tomas Berdych im Viertelfinale beendet.

Das ist ihm seit 2002 nicht passiert. Und es hat ihn tief getroffen.

"Ich spiele für die Geschichtsbücher"

"Ich werde jetzt zwei Wochen Urlaub machen und mich komplett vom Tennis abschotten", sagte der Eidgenosse, "ich werde auch nicht das Endspiel im Fernsehen anschauen." Nur weg aus London SW19, der Stätte seiner größten Triumphe.

In diesem Jahr wollte er mit dem siebten Titel bei den All England Championships den Rekord von Pete Sampras einstellen. 252801(DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon).

"Ich spiele für die Geschichtsbücher", sagte er immer wieder. Vorbei für Wimbledon 2010, wo der große Federer mehr verloren hat als nur ein Match.

Keine Anerkennung für Berdych

Es ist nicht allein der Umstand, dass er den Nimbus der Unbesiegbarkeit abgelegt hat.

Federer hat durch sein Verhalten nach der Niederlage Respekt verloren. Von seiner sonstigen Höflichkeit und Fairness war nicht mehr viel übrige, da war ein Erfolgsmensch bis ins Mark erschüttert und wirkte dabei wie ein schlechter Verlierer.

Ungefragt machte Federer Probleme am Rücken und am rechten Oberschenkel für seine Leistung verantwortlich und ließ Anerkennung für Berdych vermissen.

"Er sucht nach Entschuldigungen"

"Rücken und Bein haben mir nicht erlaubt, so zu spielen, wie ich gerne spielen würde", sagte er, "wenn ich gesund bin, komme ich mit Leuten wie Berdych klar, ich habe gegen diese Typen zehnmal gespielt, sie erfinden sich ja nicht in einem Jahr neu."

Der 24-jährige Tscheche, der Federer bereits 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen besiegen konnte und auch im März in Miami gegen den Schweizer gewann, war natürlich enttäuscht über die Reaktion des langjährigen Weltranglisten-Ersten:

"Er sucht nach Entschuldigungen, er braucht Gründe für die Niederlage. Lassen wir es dabei."

"Solche Dinge passieren"

Für Altmeister John McEnroe ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Federer erkennen muss, dass er nicht mehr nur von Rafael Nadal bezwungen werden kann. (DATENCENTER: Wimbledon)

"Er ist ein Mensch, er muss sich klarmachen, dass solche Dinge passieren und dass er vielleicht nie wieder so ein großes Turnier gewinnt", sagte McEnroe, der in Wimbledon wieder als "BBC"-Kommentator tätig ist, "andererseits darf man jemanden mit Federers Erfolgen nie abschreiben."

Schon nach der Finalniederlage in Wimbledon 2008 gegen Nadal schien der Wachwechsel an der Spitze der Weltrangliste vollzogen.

Nur noch Platz 3 im Ranking

Erst durch Nadals Knieverletzung im Vorjahr kam Federer wieder an die Spitze, siegte in Paris und Wimbledon und Australien.

In diesem Frühjahr aber scheiterte er erstmals in Paris im Viertelfinale, nachdem er bis dahin eine unglaubliche Serie von 23 Halbfinalteilnahmen hintereinander bei Grand-Slam-Turnieren hingelegt hatte.

Jetzt stürzt er in der neuen Weltrangliste am Montag erstmals seit November 2003 auf Platz drei im ATP-Ranking. Das alles ist offenbar schwer zu verdauen für den erfolgsverwöhnten Mann aus Basel.

Neuer Angriff in Nordamerika

"Ich werde hungriger zurückkommen, ich kann es kaum abwarten, im nächsten Jahr wieder in Paris und Wimbledon zu spielen", kündigte Federer an, "das waren schließlich frustrierende Turniere für mich."

Dann zog er seine weiße Mütze noch tiefer ins Gesicht und verließ die Anlage an der Church Road mit Ehefrau Mirka und den Zwillingen Charlene Riva und Myla Rose.

Erholen, nachdenken und den Frust verarbeiten - "dann werde ich in Nordamerika wieder angreifen". Die Berdychs dieser Tenniswelt warten schon.

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