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Phillip Petzschner steht in seinem ersten Grand-Slam-Finale © getty

Im Doppel hat Philipp Petzschner in Wimbledon die Chance auf den Titel und viel Geld. Er muss aber fürs Finale ein Opfer bringen.

London - Am vergangenen Sonntag schmiss Philipp Petzschner in Wimbledon noch eine Grillparty für Freunde und Bekannte.

Deutschland spielte gegen England, und der große Fußballfan und Anhänger von Arminia Bielefeld war mit heißem Herzen dabei.

Am Samstagnachmittag steht das Viertelfinale gegen Argentinien an, aber der 26-Jährige wird nicht zuschauen: "Das ist schade, aber ich habe hier eine andere Aufgabe zu erledigen."

Gemeinsam mit seinem Partner Jürgen Melzer steht er dann im Doppel-Endspiel der 124. All England Championships gegen Robert Lindstedt (Schweden) und Horia Tecau (Rumänien) (DATENCENTER: Wimbledon).

"Größter Erfolg"

Als erster männlicher deutscher Tennisprofi seit dem Sieg von Michael Stich und John McEnroe 1992 kann der Bayreuther einen Titel beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt gewinnen.

"Von einem Wimbledon-Finale träumt jeder", sagt Petzschner, "das ist mit Abstand mein größter Erfolg als Tennisspieler."

Petzschner und Melzer sind als Ungesetzte durch den 7:6 (7:3), 6:3, 3:6, 5:7, 6:3-Erfolg am Donnerstag gegen die an Nummer sieben gesetzten Wesley Moodie/Dick Norman (Südafrika/Belgien) ins Endspiel vorgestoßen und belegen damit die These, dass im Duell zweier guter Doppel die besseren Einzelspieler entscheiden.

Petzschner/Melzer Favoriten

Deshalb gehen sie auch leicht favorisiert in das Duell mit den an 16 gesetzten Doppelspezialisten aus Schweden und Rumänien.

"Das sind zwei sehr aufschlagstarke Spieler, die ihr ganzes Spiel über ihr Service aufbauen", erklärte Melzer, "wir müssen unseren eigenen Aufschlag halten und gut returnieren, dann haben wir eine Chance. Und dafür werden wir hart arbeiten."

Zur Mittagszeit am Freitag standen sie deshalb mit ihren Coaches Joakim Nyström und Lars Uebel schon wieder auf Platz 19 und trainierten 252801(DIASHOW: Die Bilder aus Wimbledon).

"Wir harmonieren sehr gut"

Die große Chance, in der Royal Box die seit 1884 verliehene "Gentlemen's Pairs Trophy" aus der Hand des Herzogs von Kent zu erhalten, wollen sie unbedingt nutzen.

Und das Preisgeld von jeweils 120.000 Pfund (knapp 150.000 Euro) ist ja auch nicht zu verachten.

Seit Jahresbeginn spielen beide zusammen Doppel. "Wir sind seit zwei Jahren sehr gut befreundet und harmonieren auch auf dem Tennisplatz sehr gut", sagte Melzer, "wir sind immer positiv und pushen uns, wir können beide gut Tennis spielen. Das ist ja kein Nachteil."

Trennung vom Trainer

Als Paar zusammengekommen sind der Franke und der Wiener nämlich, weil sie beide eigentlich ihre Einzelkarrieren forcieren wollen.

Melzer hat sich deshalb von seinem langjährigen Doppelpartner Julian Knowle getrennt, Petzschner von Alexander Peya.

"Wir treten nur im Doppel an, wenn wir ohnehin auf den gleichen Turnieren im Feld sind", erklärt der 29 Jahre alte Melzer, "dadurch müssen wir bei der Turnierplanung keine Rücksicht mehr auf den Doppelpartner nehmen."

Petzschner stark gegen Nadal

Melzer hat als Einzelspieler in diesem Jahr seine größten Erfolge gefeiert. Er steht zurzeit auf Platz 16 der Weltrangliste und erreichte das Halbfinale der French Open in Paris.

In Wimbledon schied er im Achtelfinale gegen Titelverteidiger Roger Federer aus.

Petzschner wird noch auf Rang 41 geführt und demonstrierte auf dem Centre Court von Wimbledon seine große Klasse als Einzelspieler bei der dramatischen Fünf-Satz-Niederlage in der dritten Runde gegen den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal.

"Riesenehre" für Petzschner

"Nach dem Nadal-Match letzten Samstag war ich einen Tag fertig", erzählte Petzschner. Melzer ging es nach dem Aus gegen Federer nicht viel anders. Dann aber haben sie sich das Doppel ernsthaft als neues Ziel gesetzt und durchgezogen.

"Für mich wäre es eine Riesenehre, als erster Deutscher nach Stich in Wimbledon zu gewinnen", sagte Petzschner, "und wenn man mich danach nur noch als Doppelspezialist bezeichnet, wäre mir das scheißegal."

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