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Andrea Petkovic scheiterte 2009 bereits in der ersten Runde der US Open © imago

Wera Swonarewa fertigt die letzte Deutsche im US-Open-Achtelfinale ab. Petkovic deutet eine falsche Taktik an und will lernen.

New York - Nach der Lehrstunde im Scheinwerferlicht von New York sehnte sich Andrea Petkovic förmlich nach der Prüfung im stillen Universitäts-Kämmerlein von Frankfurt.

"Ich werde jetzt drei Tage und Nächte lernen, um meine Klausur am Freitag zu bestehen. Damit auch der andere Teil meines Lebens in die richtige Richtung geht", sagte Tennisprofi Petkovic nach der 1:6, 2:6-Lektion im Achtelfinale der US Open 284275(Die Bilder) gegen Wimbledonfinalistin Wera Swonarewa (Russland).

Selbst die Tatsache, dass am Donnerstag ihr 23. Geburtstag ansteht, hielt die Politikstudentin Petkovic nicht von ihren ehrgeizigen Plänen ab.

Verfassungsgeschichte in Europa pauken statt Party in Darmstadt feiern - die Weltranglisten-38. mit dem Hang zum Außergewöhnlichen setzt eben Prioritäten.

Aus nach 67 Minuten

Als eine eminent wichtige Erfahrung auf dem Weg Richtung Top 20 bewertet Petkovic die verrückten Tage im Big Apple mit ihrem ersten Achtelfinal-Einzug bei einem Grand-Slam-Turnier überhaupt.

Ganz verhehlen konnte Deutschlands beste Tennisspielerin ihre Enttäuschung aber nicht: Über ihren abschließenden und nur 67-minütigen Kurzauftritt vor rund 15.000 Zuschauern im größten Tennis-Stadion der Welt gegen Swonarewa.

"Das war ein Rückschlag", gestand "Petko" nach der etwas verkorksten ersten Night Session ihres Lebens.

"Wirklich großes Potenzial"

Doch vom Lerneffekt ist die Einser-Abiturientin felsenfest überzeugt. "Ich bin jemand, der durch Erfahrung lernt. Nächstes Mal wird es schon eine andere Geschichte. Ich werde meinen Weg nach oben machen", erklärte die Tochter serbischer Eltern selbstbewusst.

Davon ist auch Trainer-Guru Nick Bollettieri überzeugt. "Andrea setzt viele Dinge schnell um und kennt auf dem Court keine Angst. Auch physisch ist sie sehr stark", sagte Bollettieri und meinte weiter: "Sie hat wirklich großes Potenzial."

Das konnte die Fed-Cup-Spielerinnen ausgerechnet in ihrem bislang wohl wichtigsten Match nur selten andeuten.

Unbekannte in der eigenen Box

Was nicht zuletzt mit der Atmosphäre im riesigen Arthur-Ashe-Stadium zu tun hatte. "Es war überwältigend. Ich bin es eher gewohnt, vor 200, 300 Leuten zu spielen", meinte Petkovic.

In Sachen Taktik deutete sie einen Fehler an: "Ich wollte diese Stimmung im Stadion bewusst nicht an mich heran kommen lassen. Vielleicht hätte ich mich aber darauf einlassen sollen."

Die fehlende Erfahrung mit den Center Courts dieser Welt wurde Petkovic auch beim Blick in ihre Box bewusst. "Mein Vater hat die Tickets an jeden verschenkt, der gefragt hat. Ich kannte die Hälfte der Leute gar nicht, die in meiner Box saßen", berichtete sie.

Nun unter die Top 32

Am Dienstag verließ die Darmstädterin als US-Open-Achtelfinalistin 2010 erhobenen Hauptes New Cork City. "Ich nehme viel Selbstvertrauen mit, weil ich wieder einige schwierige Situationen durchlebt habe."

Unter anderem hatte Petkovic im Zweitrundenmatch gegen Bethanie Mattek-Sands (USA) drei Matchbälle abgewehrt.

Nächstes Ziel des ehrgeizigen Musik-Freaks ist der Sprung unter die Top 32 der Welt. Die würde garantieren, dass Petkovic bei den Grand-Slam-Turnieren gesetzt ist und eine leichtere Auslosung hat.

"Umfeld muss professioneller werden"

Damit das gelingt, soll es Veränderungen geben: "Mein Umfeld muss noch professioneller werden, wenn ich ganz nach oben will", betonte die Bad-Gastein-Siegerin von 2009.

Da ihr Coach Glen Schaap hauptsächlich in der Tennis-Akademie in Bern tätig ist, steht er ihr nur zwölf Wochen im Jahr zur Verfügung.

In New York wurde Petkovic von Petar Popovic betreut, der ansonsten den derzeit verletzten Spitzenspieler Ivo Karlovic (Achillessehnenriss) trainert. Mit Popovic kreierte sie auch den in Flushing Meadows inzwischen berühmten Post-Punk-Tanz nach Siegen. Wenn das kein gutes Omen ist...

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