vergrößernverkleinern
Rafael Nadal hat von bisher 219 Sandplatz- spielen 203 als Sieger beendet © getty

Nach seinem US-Open-Triumph wird Nadal mit Lobeshymnen überschüttet. Experten trauen Nadal sogar den ganz großen Wurf zu.

New York - Als sich Rafael Nadal seinen amerikanischen Traum in einer denkwürdigen New Yorker Sommernacht erfüllt und seinen ganz persönlichen Grand Slam komplettiert hatte, ging er zu Boden und ließ seinen Emotionen freien Lauf.

Die Welt um ihn herum lag dem neuen US-Open-Champion da schon längst zu Füßen. "Rafa hat die Fähigkeit, der Beste aller Zeiten zu werden. Er ist ein kompletter Spieler", sagte Nadals Finalgegner Novak Djokovic (Serbien) nach dem 6:4, 5:7, 6:4, 6:2 des Spaniers. (DATENCENTER: Die US Open) .

Und dem neuen Weltranglisten-Zweiten Djokovic schwant angesichts der Entwicklung der Nummer eins Übles: "Nadal wird jedes Jahr besser. Das ist schon ein bisschen frustrierend."

Nicht für die Fans im größten Stadion der Welt, in dem eine wahre "Rafa-Mania" herrschte.

Auch Spaniens Ministerpräsident geriet in der Heimat ins Schwärmen. "Ihr Name und ihre Leistungen sind schon Teil der Sportgeschichte, und dieser Triumph erfüllt die Spanier mit Stolz", schrieb Jose Luis Rodriguez Zapatero dem Champion.

"Rafa ist ein Tier"

Nadal selbst genoss nach einer Demonstration der eigenen Stärke die Magie des Augenblicks 284275(Die Bilder der US Open) .

"Ein Traum ist wahr geworden. Ich habe im wichtigsten Moment mein bestes Match gespielt. Dieser Sieg ist ein ganz spezieller", sagte der 24-jährige Mallorquiner nach seinem ersten Triumph in Flushing Meadows.

Linkshänder Nadal ist erst der siebte Tennisspieler in der Geschichte, der die Australian Open, die French Open, Wimbledon und die US Open mindestens einmal gewonnen hat.

"Und das wird nicht das Ende sein. Rafa ist ein Tier, mental und körperlich", sagte John McEnroe, während Nadal wie üblich nach besonderen Siegen am Henkel der Siegertrophäe knabberte.

Outing als Federer-Fan

In der Stunde des Erfolgs erwies sich Nadal wieder einmal als ganz großer Sportsmann. Bereits vor dem Finale hatte der Topspinspezialist seinen derzeit schwächelnden Dauerrivalen Roger Federer fast ehrfürchtig als besten Tennisspieler der Geschichte bezeichnet.

Auch als König von Queens rückte Nadal, der für seinen US-Open-Coup 1,7 Millionen Dollar kassierte, nicht von seiner Meinung über den Grand-Slam-Rekordsieger (16 Titel) ab:

"Es ist doch verrückt, darüber zu diskutieren, wer von uns beiden besser ist. Die Anzahl der Titel zeigt es doch: Roger ist der Bessere", sagte der neunmalige Major-Sieger und outete sich als Federer-Fan: "Roger ist ein Vorbild, weil er sein Spiel immer verbessert hat. Das will ich ihm nachmachen."

Immer besser zu werden, das sei sein größtes Ziel: "Denn ich bin nicht perfekt."

Grand Slam möglich

Die Zeit läuft gegen den 29-jährigen Federer - und für den knapp fünf Jahre jüngeren Nadal. Nach drei Major-Titeln in Serie (21:0 Siege) wird bereits darüber diskutiert, ob und wann der Spanier den richtigen Grand Slam schaffen kann.

Dazu müsste er in einem Kalenderjahr alle vier großen Turniere gewinnen. Als letzter hatte dies der Australier Rod Laver 1969 geschafft.

Geht es nach den Experten, dann hat Nadal das Zeug dazu. Mach einer anfänglichen Aversion gegen Hartplätze hat er sich mit viel Trainingsfleiß und taktischem Geschick vom Sandplatzkönig zum Allrounder entwickelt.

Nicht zuletzt wegen des extrem verbesserten Aufschlags, der das Ergebnis einer Griffänderung ist.

Aus Fehlern gelernt

Zudem haben Nadal und sein Umfeld aus Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Der "Stier von Manacor" gönnt sich inzwischen längere Wettkampfpausen, nachdem er 2009 und auch zu Beginn des Jahres immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden war.

Nach seinem zweiten Wimbledonsieg im Juli nahm Nadal sogar eine dreiwöchige Auszeit.

Regen kann Nadal nicht stoppen

Auch im Finale von New York, das wegen Dauerregens von Sonntag auf Montag verlegt worden war, strotzte "Rafa" vor Energie.

Er ließ sich weder durch eine erneut witterungsbedingte 108-minütige Pause im zweiten Satz noch von 20 ungenutzten Breakbällen verunsichern.

Nach 3:43 Stunden verwandelte der Branchenführerer vor 23.771 Zuschauern den ersten Matchball und ließ sich rücklings auf den Platz fallen. Djokovic, der im Halbfinale Federer besiegt hatte, konnte sich immerhin mit dem Sprung von Platz drei auf zwei der Weltrangliste trösten.

Position eins scheint für den Australian-Open-Sieger von 2008 wie für alle anderen derzeit eher unerreichbar.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel