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Andrea Petkovic gewann ihr erstes Turnier auf der WTA-Tour 2009 in Bad Gastein © getty

Halbfinal-Traum geplatzt: Zu früher Stunde kommt Andrea Petkovic gegen Li Na nicht klar, macht dann aber eine mutige Prognose.

Melbourne - Man kennt das ja. Man liegt im Bett und findet keinen Schlaf. Nach links gedreht und auf den Bauch, das Schienbein juckt, es ist zu heiß.

Was lesen, Licht wieder aus, Schafe zählen. Verdammt, schon 5 Uhr.

"Da habe ich gedacht, jetzt wird es schwer", erzählt Andrea Petkovic. Schon um 11 Uhr war sie zu ihrem Viertelfinalmatch bei den Australian Open gegen die Chinesin Li Na angesetzt.

Es wurde schwer, schlaflos in Melbourne: 2:6, 4:6, das Aus. Erstes Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier verpasst. Und wieder viel gelernt.

"Sehe mich kurz vor der Weltspitze"

"Ich fühle mich ja am Startschuss meiner Reise", erklärt die Darmstädterin nach der klaren Niederlage ihren Seelenzustand.

Das Ziel des Trips durch die Tennis-Profiwelt ist definiert, und es rückt näher: Top 20. "Ich sehe mich kurz vor der Weltspitze, unter den ersten 15 würde ich mich aber noch nicht einordnen", sagt die 23-Jährige.

Platz 25 wird sie am kommenden Montag voraussichtlich belegen, wenn die neuen Weltranglisten erscheinen. (DATENCENTER: Die Australian Open)

Kein Hadern, keine Selbstzweifel

Deshalb gibt es auch kein Hadern, keine Selbstzweifel wie früher. Enttäuschung, natürlich, aber keine Sinnkrise.

Dafür war der Australien-Trip mit der Finalteilnahme in Brisbane auch viel zu erfolgreich. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

"Ich bin richtig glücklich, ich freue mich riesig", sagt die Einser-Abiturientin nach ihrer Tennis-Matura down under.

Durchbruch, der bestätigt werden muss

Viertelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier ist ein Durchbruch, aber der muss nun bestätigt werden.

"Es geht darum, diese Leistung Woche für Woche abzurufen", das ist der Anspruch der gebürtigen Serbin mit den "deutschen Tugenden". Fleiß, Ehrgeiz und Akribie.

"Ich möchte nicht nur ganz okay sein", sagt sie, "ich möchte meinen Sport so perfekt wie möglich hinkriegen."

Was geht in Paris und Wimbledon?

Man darf annehmen, dass die Reise noch ein ganzes Stück weitergeht. Bis zu den US Open Anfang September hat sie nicht viele Punkte zu verteidigen.

Insbesondere bei den Grand Slams in Paris und Wimbledon schied sie 2010 in der zweiten bzw. ersten Runde sehr früh aus.

Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner ist deshalb überzeugt, dass Petkovic mittelfristig sogar die Top Ten erreichen kann: "Sie hat das Potenzial dazu. Sie verarbeitet Erfahrungen wahnsinnig schnell und macht einen Fehler selten zweimal."

Langsame Slices ins Merkbuch

Jetzt geht es also darum, weitere Erkenntnisse zu ziehen.

Dass Li beispielsweise im zweiten Satz ein paar mehr Probleme hatte, als Petkovic anfing, ihr Spiel zu variieren, auch mal ein paar langsame Slices einzustreuen.

"Das kommt sofort in mein Merkbuch für das nächste Mal, ich kannte sie ja noch nicht", kündigte die Hessin an.

Li Na "ungeheuer stabil"

Mit reinem Powerplay war der Chinesin jedenfalls nicht beizukommen.

Die Weltranglisten-Elfte war viel zu sicher, Andrea Petkovic gab das ohne Umschweife zu: "Sie war ungeheuer stabil, hatte eine große Länge."

Außerdem waren die Beine schwerer als zuletzt, Folge der Schlaflosigkeit in der Nacht vor dem Match.

Einen Monat quasi nur Nacht-Matches

Vier Wochen lang hatte sie praktisch nur Nacht-Matches bestritten, war nie vor 3 Uhr im Bett. Das und nicht etwa Nervosität sei der Grund für ihr Problem am Dienstag gewesen.

Eine Lösung kennt sie, doch ausnahmsweise will sie ihre Erkenntnisse nicht umsetzen.

"Boris Becker schreibt in seinem Buch, dass er Schlafmittel genommen hat", erzählt Andrea Petkovic, "aber ich will damit eigentlich nicht anfangen."

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